25.01.2019 - 11:23 Uhr
HirschauOberpfalz

Feuerwehrauto seit über 68 Jahren

Es ist laut, es stinkt und um es zu bewegen, braucht man Geschick und Muskelkraft. Aber es fährt noch: Das erste motorisierte Löschfahrzeug der Hirschauer Feuerwehr. Vor 1950 diente es einem ganz anderen Zweck bei der US-Armee.

von Miriam Wittich Kontakt Profil

Leuchtend rot steht das erste Motorlöschfahrzeug der Hirschauer Feuerwehr in der Fahrzeughalle: Ein Dodge Chrysler, Baujahr 1944, aus US-Militärbestand. Alt, aber gut gepflegt. Denn 2017 machten es sich einige Mitglieder zur Aufgabe, das Fahrzeug wieder herzurichten. Einer der Tüftler ist Jugendwart Nico Schuminetz: "Wir fanden es schade, das Fahrzeug nur in der Halle stehen zu lassen." Seit der Restauration kommt es bei besonderen Anlässen zum Einsatz. Bei Festzügen zum Beispiel - oder wenn das Onetz-Team mit der Kamera für eine Spritztour vorbeischaut.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges befasste sich die Hirschauer Feuerwehr länger mit dem Ankauf eines Tanklöschfahrzeuges. Aber ein solches war teuer und der notwendige Staatszuschuss wurde nicht gewährt. Doch dann wurden die Feuerwehrleute auf eine günstigere Alternative aufmerksam. Im Mai 1950 fuhr die Pfreimder Wehr durch Hirschau und machte hier Rast. Sie war mit einem 1,5 Tonnen schweren Dodge aus amerikanischen Heeresbeständen unterwegs, welcher als Löschfahrzeug genutzt wurde.

Ehemaliges Militärfahrzeug

"Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele ausgediente Militärfahrzeuge zu Feuerwehrfahrzeugen umgebaut", erklärt Sebastian Jasinsky, erster Kommandant der Hirschauer. "Die Amerikaner überließen diese relativ günstig, um sie nicht alle zurück in die USA bringen zu müssen."

Das Pfreimder Fahrzeug stieß auf das Interesse der Hirschauer. Und bereits einen Tag später sprach der damalige Kommandant Josef Widder bei Bürgermeister Georg Lederer und Verwaltungsinspektor Alois Karl vor. In Kitzingen besorgten sich die Hirschauer schließlich auch einen solchen Dodge und dazu einen Tankanhänger. Bereits einen Tag nach der Ankunft in Hirschau wurde das Fahrzeug seiner ersten Prüfung unterzogen. Der Notruf: Ein Waldbrand bei Gebenbach. "Ohne Mühe zog das Fahrzeug den vollen Tankanhänger und die Mannschaft über ein ansteigendes, frisch gepflügtes Feld. Der Tankanhänger fasste 2500 Liter", heißt es dazu in der Festschrift der Hirschauer Feuerwehr zum 150. Jubiläum im Jahr 2018.

Der dreiachsige Dodge hat 95 PS. "Für damalige Verhältnisse ein sehr geländegängiges Fahrzeug", erklärt Schuminetz. Die Feuerwehrmänner bauten es 1950 so um, dass es für den Feuerwehreinsatz tauglich war. "Genutzt wurde es vor allem für Mannschaftstransporte und um den Tankanhänger zu ziehen." Seither gehört der mittlerweile fast 75 Jahre alte Dodge zum Fuhrpark der Hirschauer Feuerwehr.

400 Stunden Arbeit

Am Grundaufbau des Feuerwehr-Dodge haben Nico Schuminetz und seine beiden Kameraden nichts verändert, nur Kleinigkeiten ausgetauscht: "In die Blitzer vorne haben wir LED eingebaut und zum Beispiel die Bremsen erneuert." Erstaunlich einfach sei es, im Internet auch heute noch Ersatzteile für das alte Fahrzeug zu finden. Dennoch: Fast 400 Stunden Arbeit investierten die Feuerwehrmänner in die Restauration des alten Trucks.

Bevor Schuminetz mit dem Dodge aus der Halle rollen kann, steckt er die externe Batterie ab. Die bleibt meistens angeschlossen. Dann steigt er ein - auf der Beifahrerseite. Nur hier gibt es eine Tür. Das Führerhaus ist eng, die Sitzbank natürlich nicht verstellbar, aber gut gefedert. Sogar ein kleines Handschuhfach gibt es. "Darin haben wir allerhand gefunden", erzählt der Hirschauer. "Zum Beispiel ein kleines Holztäfelchen auf dem vermerkt war, welche Geräte sich im Dodge befanden." Diese Bestandsliste liegt noch immer im Wagen der Hirschauer: Fünf Äxte, drei Pickel, vier Spaten, 15 Schaufeln, fünf Buschmesser ...

Um das Fahrzeug vom Fleck zu bekommen, braucht es etwas Übung. Standgas, Zwischengas. In engen Kurven muss Nico Schuminetz kräftig am Lenkrad kurbeln. "Bei Festzügen machen wir das zu zweit." Als Hilfestellung sind die meisten Hebel und Knöpfe am Armaturenbrett beschriftet: "Blaulicht", "Zündung", "Choke". "Es hat eine Weile gedauert, bis wir das alles rausgefunden haben", erzählt der Jugendwart.

Inklusive "Klimaanlage"

Bei langsamen Fahrten werde es sehr warm für den Fahrer. Eine Art Klimaanlage gibt es zwar, aber ohne Fahrtwind kommt auch kein kühles Lüftchen durch die kleine manuell zu öffnende Luke in den Fußraum. Meistens klappen die Feuerwehrler einfach die Frontscheibe hoch. Heute nicht. Es regnet. Doch ein Paar Scheibenwischer sorgt - zumindest etwas - für Durchblick. Die kurze Fahrt durch die Stadt bleibt mit diesem Gefährt nicht unbemerkt, die Hirschauer kennen ihren Oldtimer. Kaum ist der Dodge wieder im Feuerwehrhaus geparkt, piept Nico Schuminetz Handy. Ein Blick auf das Display und er lacht. "Unser Ausflug spricht sich schon rum."

Teil 1 unserer Feuerwehr-Video-Serie:

Amberg

Teil 3 unserer Feuerwehr-Video-Serie:

Teunz

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