10.04.2021 - 00:21 Uhr
HirschauOberpfalz

Nach einem „großen Wohltäter der Stadt Hirschau“ benannt – die Wolfgang-Droßbach-Straße

Am 17. Juli 1963 beschloss der Stadtrat, den Weiherer Weg in Wolfgang-Droßbach-Straße umzubenennen. Die Stadtväter würdigten damit die Verdienste eines „großen Wohltäters der Stadt“. 1953 hatten sie Droßbach schon zum Ehrenbürger ernannt.

Am 17. Juli 1963 beschloss der Stadtrat, den Weiherer Weg in Wolfgang-Droßbach-Straße umzubenennen. Die Stadtväter würdigten damit die Verdienste eines „großen Wohltäters und Ehrenbürgers der Stadt“. Von links: Thomas Heckmann (Enkel von Wolfgang Droßbach), Bürgermeister Hermann Falk und Stadtheimatpfleger Sepp Strobl.
von Werner SchulzProfil

Die Straße ist ca. 2,4 Kilometer lang. Sie zweigt bei der alten Post von der Georg-Schiffer-Straße (B 14) nach Süden in Richtung Weiher ab (AS 18) und endet bei der Freizeitanlage am Monte Kaolino. Als Droßbach 1922 in die Firma seines Schwagers Georg Schiffer, in die AKW, eintrat, ahnte er nicht, dass er 10 Jahre später – nach Schiffers Unfalltod – deren Leitung als Geschäftsführer übernehmen sollte. Er führte den Betrieb bis zu seinem überraschenden Tod am 30. August 1962 mit Umsicht und Weitblick und erfreute sich bei Belegschaft wie Bevölkerung wegen seiner mitmenschlichen Art und sozialen Gesinnung höchster Wertschätzung. Wie sehr er die Bezeichnung „großer Wohltäter der Stadt“ verdient, belegt ein Brief, den 2. Bürgermeister Franz Birner am 20. Mai 1953 an das Bayerische Innenministerium schrieb, um die Zustimmung zur Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Droßbach einzuholen. Die lange Liste der Wohltaten beginnt 1928, als er den Neubau der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche zum größten Teil finanzierte. Der katholischen Pfarrei half er nach Kriegsende. Er übernahm die Kosten für die Wiederherstellung des Kirchturms und die Wiedereindeckung des Daches der am 20. April 1945 bombardierten Kirche. Er finanzierte zum größten Teil den Kauf zweier Glocken, leistete einen großen Beitrag zur Kirchenrenovierung und stiftete zwei Kirchenfenster. Das Kriegerehrenmal aus dem 1. Weltkrieg wurde von ihm finanziert und nach dem 2. Weltkrieg renoviert. Die städtischen Anlagen, auch die um das Kriegerdenkmal, ließ er auf seine Kosten in Ordnung bringen. 1950 stiftete er ein Löschfahrzeug für die Feuerwehr. 1951 erhielten die Ortsgruppen des BDKK und des VdK eine Spende von 1000 Mark.

Großzügiger Spender

Jedes Jahr wurden zu Weihnachten über 100 Bedürftige mit Geld- und Sachspenden bedacht. Birner führte schließlich an, dass Droßbach im Juli 1953 der Stadt einen der modernsten Kindergärten Bayerns schenken werde (siehe eigener Bericht). Herausragende Verdienste erwarb er sich um den Wohnungsbau. 1936 entstand die Siedlung am Weiherer Weg, nach dem Krieg die Siedlungen „Am Mühlbach“ und „Am Bachrain“, in denen die Beschäftigten der AKW ein Zuhause fanden. 1937 errichtete er eine Stiftung für seine Arbeiter und Angestellten und stattete sie mit einem Grundkapital von 30 000 RM aus. Sie diente dazu, Betriebsangehörigen und ihren Familien in Notfällen zu helfen. Nach dem Krieg bauten die AKW eine Badeanstalt für die Belegschaft. Gefragt war in den Nachkriegsjahren der sog. „Pannen-Bus“, den Belegschaftsmitglieder für Ausflugs- und Urlaubsfahrten einschließlich Chauffeur kostengünstig mieten konnten. Jahrzehntelang betrieben die AKW ein Ferienheim in Enzisweiler bei Lindau, wo im zweiwöchigen Turnus jeweils 15 Werksangehörige kostenlos Urlaub machen konnten.

Noch nicht enthalten sein konnte in Birners Liste Droßbachs größtes Geschenk, das Freibad am Monte Kaolino, das am 21. Juni 1959 eröffnet wurde. Droßbach bat in seiner Rede die Stadtväter, das Schwimmbad im Etat gebührend zu berücksichtigen und dabei davon auszugehen, dass eine derartige Sportstätte niemals mit dem Maßstab der Wirtschaftlichkeit, sondern mit dem der Verpflichtung an die Jugend gemessen werden könne.

Bereits 1953 hatte der Stadtrat AKW-Direktor Wolfgang Droßbach die Ehrenbürgerwürde verliehen. Droßbach wurde am 23. Juni 1898 in Schellenberg bei Berchtesgaden geboten. Am 30. August 1962 wurde er durch einen Herzinfarkt aus seinem Lebenswerk gerissen.

AKW aufgebaut

Die Wertschätzung Droßbachs bei den Hirschauern kommt auch darin zum Ausdruck, dass sie ihn 1933 in den Stadtrat wählten. Das Gremium wählte ihn zum 2. Bürgermeister. Wie schwer es ihm gefallen sein mag, diese Ämter bis 1940 auszuüben – es lässt sich nur erahnen aus den vorhandenen Dokumenten. Fest steht, dass er auch in der Zeit der NS-Diktatur alles in seinen Kräften stehende tat, um Menschen in ganz konkreten Situationen zu helfen. Dabei hat er auch persönlich einiges riskiert. Nicht zuletzt die Pfarr- und Kirchengemeinden und die Geistlichkeit waren es, die ihn baten, die Ämter anzunehmen bzw. beizubehalten, um mäßigenden Einfluss auf zu stramme NS-Politik zu nehmen. Dass ihm der Verbleib in den Ämtern immer schwerer fiel, belegen Schriftstücke, in denen er wiederholt um Entbindung davon nachsuchte und dafür gesundheitliche Gründe anführte. Lange wurden die Gesuche vom 1. Bürgermeister Dr. Thoma bzw. von der NSDAP-Kreisleitung nicht anerkannt. Erst im Oktober 1940 wurde es ihm gestattet, seine Ämter niederzulegen. Nach dem Einmarsch der Amerikaner am 22. April 1945 konnte Droßbach zunächst in seiner Stellung als Werkdirektor bleiben. Am 24. Dezember 1945 teilte ihm Landrat Dr. Winkler aber im Auftrag der Militärregierung mit, dass er aus der Firma auszuscheiden habe. Er fand eine Beschäftigung als Laborant bei der Firma Rosenthal. Bei der Durchführung des Entnazifizierungsverfahrens zeigte eine Vielzahl von Zeugnissen, welcher Wertschätzung er sich erfreute. Nach Abschluss des Entnazifizierungsverfahrens konnte Droßbach wieder seine Aufgabe als Werkdirektor übernehmen.

Als Droßbach 1932 die AKW-Geschäftsführung übernahm, bekamen auch die AKW die Weltwirtschaftskrise zu spüren und mussten die Belegschaft drastisch reduzieren. Langsam gelang es Droßbach dennoch, die Kapazität des Betriebes zu erweitern. U.a. wurde zur Beseitigung des überschüssigen Sandes eine Schleppbahn in die „Doppellohe“ errichtet, die ersten Ansätze zum Monte Kaolino entstanden. Ab 1933 war eine Aufwärtsentwicklung zu verzeichnen. 1935 zählte der Betrieb 361 Mitarbeiter, 1937 waren es 467. Mit Beginn des 2. Weltkrieges sorgten die ständig steigende Zahl der zum Kriegsdienst Einberufenen und ausbleibende Liefermengen von Kohle, Eisen, Öl und Strom für Probleme. Zur Arbeit mussten 220 Kriegsgefangene aus verschiedenen Nationen eingesetzt werden. Später folgten vornehmlich russische Zwangsarbeiter. Nach seiner Rückkehr als Werkdirektor kam die Produktion nur zögernd in Gange. Ab 1949 konnte er eine gründliche Modernisierung des gesamten Betriebes in die Wege leiten. Hatte die Firma 1946 noch 311 Mitarbeiter, war die Beschäftigtenzahl 1949 schon auf 416 angewachsen. Am 30. August 1962 wurde Direktor Droßbach durch einen Herzinfarkt aus seinem Lebenswerk gerissen.

Als der von AKW-Direktor Wolfgang Droßbach (am Rednerpult) gestiftete St.-Wolfgang-Kindergarten am 28. Juni 1953 eingeweiht wurde, berichtete selbst die Wochenschau über dieses Ereignis. Im Bild links: Schwester Celsina Schaller, die erste Leiterin. Im Bild rechts: AZ-Reporter Anderl Müller.

Wichtige Daten zu Wolfgang Droßbach:

  • geb. am 23. Juni 1898 als Sohn eines Zollbeamten in Schellenberg bei Berchtesgaden,
  • Besuch der Realgymnasien in Landau und Passau,
  • Nach Ablegung des Abiturs 1916 Einberufung zum Kriegsdienst
  • Einsatz bis zum Zusammenbruch an der Westfront
  • Nach Entlassung aus dem Heeresdienst Aufnahme des Chemie-Studiums an der Technischen Universität München
  • 1922 Examen als Diplom-Chemiker
  • 1922 Eintritt in die Firma AKW als Betriebsleiter
  • 1932 nach Unfalltod seines Schwagers Georg Schiffer alleiniger Geschäftsführer
  • 1933 Wahl in den Hirschauer Stadtrat und Wahl zum 2. Bürgermeister
  • 1940 Rücktritt als 2. Bürgermeister
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