Hirschau
11.05.2026 - 11:43 Uhr

Hirschauer Innenstadt gleicht einer Großbaustelle

Die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt und das Rathaus dominieren seit Beginn des 15. Jahrhunderts das Bild der Hirschauer Innenstadt. Beide historischen Gebäude präsentieren sich seit geraumer Zeit als Großbaustellen.

Das Hirschauer Rathaus ist aktuell komplett mit weißen Tüchern verhüllt und erinnert an den 1995 vom bereits verstorbenen Verhüllungskünstler Christo verhüllten Reichstag in Berlin. Die Tücher um das Rathaus haben natürlich keinen künstlerischen, sondern einen ganz praktischen Zweck. Sie sollen die Umgebung vor den Staubemissionen schützen, die bei den Sanierungsarbeiten unvermeidbar sind. Denn hinter der Umhüllung wird seit 20. Oktober 2025 kräftig gebohrt, gestemmt, geschliffen und gehämmert – schlicht und einfach gearbeitet.

Im Vorfeld schien die Rathaussanierung lange Zeit so manchem Stadtratsmitglied nicht finanzierbar. Auf etwa 2,6 Millionen Euro ist sie veranschlagt. Staatliche Zuschüsse gibt es dafür nicht. Hirschaus Ehrenbürger Klaus Conrad machte es möglich, dass die Maßnahme trotzdem in Angriff genommen werden konnte. Er greift der Stadt mit einer Spende in Höhe von 1,5 Millionen Euro unter die Arme – zweckgebunden für die Rathaussanierung. Die restlichen Mittel muss die Stadt selbst aufbringen.

Brandschutz und Modernisierung

Schwerpunkte der Sanierung sind die brandschutztechnische Ertüchtigung und die energetische sowie funktionale Modernisierung des Rathauses. Der Brandschutz hat sowohl die strukturelle Abschottung der Stockwerke als auch einen zweiten Rettungsweg vom zweiten Stock ins Erdgeschoss notwendig gemacht. Dafür wurde das Gewölbe durchbrochen. Das Geländer im Treppenhaus muss wegen Sicherheitsmängeln ersetzt werden. Der 2. Stock mit dem Sitzungssaal wurde total entkernt und befindet sich im Rohbauzustand.

Im Saal sollen künftig bis zu 100 Personen Platz finden. Die schadstoffbelastete Dämmung und Isolierung des Daches wurden erneuert. Im Erdgeschoss werden die Heizung ertüchtigt und eine Funktionsküche eingebaut. Der Haupteingang wird nach Osten verlegt und behindertengerecht gestaltet. Nach der Sockelsanierung erhält das gesamte Gebäude einen neuen, denkmalgerechten Anstrich. Ende des Jahres soll alles fertig sein.

Alles planmäßig

Bei der Sanierung des Kirchturms, der bis über das (abgenommene) Kreuz hinaus eingerüstet ist, läuft nach Aussage von Kirchenpfleger Roland Maier alles planmäßig. Mit den Arbeiten wurde heuer am 2. März begonnen. Die Kosten sind auf 650 000 Euro veranschlagt. Dazu erhält die Pfarrei von der bischöflichen Finanzkammer einen fünfzigprozentigen Zuschuss. Das Kreuz, dessen Befestigung ebenso nachgerüstet werden muss wie die der Kugel, ist derzeit im Glockenturm untergebracht. Die Kupfereinblechung des unteren und oberen Turmhelms und der Laterne ist bereits entfernt worden und wird durch eine neue ersetzt. Im Moment werden die morschen Balken der Unterkonstruktion überprüft, nach statischen Vorgaben ausgerichtet, ergänzt oder nach historischem Vorbild erneuert. Außerdem werden die Risse im Mauerwerk gereinigt und geschlossen.

Bei den Arbeiten selbst gab es bislang keine Probleme. Solche machten in der Anfangsphase einige übermütige Jugendliche, die über die Absperrung und dann das Turmgerüst hinauf kletterten. Nach eindringlichen Mahnungen von Stadtpfarrer Johann Hofmann wurden die waghalsigen Abenteuer aber eingestellt. So ist man bei der Kirchenverwaltung guter Dinge, dass die Sanierung, wie geplant, im Oktober abgeschlossen werden kann.

Zum Eindruck, dass die Innenstadt einer Großbaustelle gleicht, trägt auch das ebenfalls eingerüstete Gebäude der Bäckerei Heuberger (ehemals Bäckerei Schneider) unmittelbar neben dem Pfarrhof bei, das ebenfalls generalsaniert wird.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.