21.07.2019 - 11:26 Uhr
HirschauOberpfalz

Hirschauer Stückl: „Die Erbschaft“ muss man gesehen haben

Der Auftakt zu den „8. Hirschauer Stückl-Festspielen“ ist geglückt. Das Volksstück „Die Erbschaft“ – gespickt mit Hirschauer Schelmenstreichen – feierte am Freitag eine glänzende, vom Publikum mit anhaltendem Applaus belohnte Premiere.

von Werner SchulzProfil

Der Vorsitzende des Festspielvereins, Altbürgermeister Hans Drexler, konnte die rund 250 Zuschauer - unter ihnen die gesamte lokale Polit-Prominenz mit Bürgermeister Hermann Falk an der Spitze sowie die Festspiel-Sponsoren – im komplett neu gestalteten Schlosshof begrüßen: Neue Bühne und neue Tribüne mit darunter eingebauten Toiletten. Dass all das rechtzeitig zum Festspielbeginn fertig wurde, sei einer großartigen Gemeinschaftsleistung zu verdanken. „Die Erbschaft“ habe man bei den ersten Festspielen schon einmal aufgeführt. Die Regie-Debutanten Dieter Held und Saskia Krügelstein hätten in die Neuinszenierung frische Ideen eingebracht und das 60-köpfige Schauspielerensemble bestens auf ihre Rollen vorbereitet. Die Vorstellung lieferte dafür den Beweis.

Es sind vornehmlich acht Akteure, die dem Geschehen im Hirschau des Jahres 1848 ihren Stempel aufdrücken: Die Rolle des erfolgreichen, aber in mancher Hinsicht einfältigen Geschäftsmannes Otmar Buche wird von Roland Fritsch ideal verkörpert. Schnöseliger als Christian Gnan es tut, lässt sich der Schnösel Geologe Dr. Thieme nicht darstellen. Gleiches gilt für Kerstin Ackermann als giftige und Intrigen spinnende Frau Wilhelm. Ludwig Koller spielt den durchsetzungsfähigen Vorarbeiter und schüchternen Liebhaber Sebastian. Sein Herz gehört der ebenso hübschen wie selbstbewussten, von Meike Birner gespielten Annemarie Buche, die letztlich nicht die Konfrontation mit ihrem Vater scheut. Ruhender Pol bei allen Turbulenzen ist Corinna Falk als im Dienste der Gerechtigkeit so manche Fäden ziehende Wirtin Maria. In ihren Rollen überzeugen auch Johannes Fleischmann als diplomatischer Herr Winter und Holger Schwandner als spitzbübischer Sepp. Wenn es um eines der Hirschauer Stückln geht, hat er fast immer seine Finger mit im Spiel. So schneidet er z.B. dem Dr. Thieme seine nassen Stiefel ab und jubelt sie ihm als warme Pantoffeln wieder unter und macht Herrn Buche ganz heiß aufs Elbertritscherlfangen.

Turbulent geht das Stück auch los mit einem tradierten Hirschauer Stückl, dem Ausrücken der Feuerwehr zum Löscheinsatz in Gemboch. Statt der Feuerwehrspritze rückten die Schlaf- bzw. Alkoholtrunkenen mit der Drehorgel aus, die im Spritzenhaus abgestellt war.

Lebendig und spannend wird es auf der Bühne mit der Ankunft von Otmar Buche (Roland Fritsch) und der Eröffnung des Testaments der verstorbenen Lilian Kretschmar durch Notar Schulze (Alfred Härtl). Frau Wilhelm (Kerstin Ackermann), die die Verstorbene gepflegt hat, fällt aus allen Wolken, dass nicht sie, sondern Buche das Anwesen erbt, Schmuck usw. an seine Tochter Annemarie gehen. Ihr bleibt nur der „Derblecka“. Buche holt gleich seinen Freund Winter (Johannes Fleischmann) und den Geologen Dr. Thieme (Christian Gnan) nach, den er als künftigen Mann für seine Tochter Annemarie (Meike Birner) auserkoren hat. Als Annemarie in Hirschau ankommt, verliebt sie sich Hals über Kopf in den jungen Sebastian (Ludwig Koller), den ihr Vater kurz vorher zum Vorarbeiter ernannt hat. Buche gibt seinen ursprünglichen Plan auf, eine Eisenbahn zu bauen, als man bei den Arbeiten auf Kaolin stößt. Eine Fabrik ist das neue Ziel. Frau Wilhelm bringt die Arbeiter durch Fehlinformationen dazu, langsamer zu arbeiten. Sebastian versorgt sie mit der falschen Information, Annemarie sei die Verlobte von Dr. Thieme, den sie in Wirklichkeit nicht ausstehen kann. Als ihr Vater von der sich anbahnenden Liebesbeziehung zwischen Annemarie und Sebastian erfährt, verbietet er ihr den Umgang. Es kommt zur handfesten Konfrontation zwischen Vater und Tochter. Diese löst sich auf, als Thieme per Post erfährt, dass auf ihn daheim eine lukrative Erbschaft wartet. Auf die Heimreise nimmt er gleich Frau Wilhelm mit, deren Intrigen in der Zwischenzeit aufgedeckt sind. Dem Happy-End steht nichts mehr im Wege.

In die Handlung gut eingebaut sind einige Schelmenstreiche, mit denen sich die Hirschauer somit selbst auf den Arm nehmen. Als Beispiele seien genannt die Versuche, mit Säcken Licht in das fensterlose Rathaus zu tragen oder dieses sogar mit Muskelkraft zu verschieben. Otmar Buche lässt sich bis zum Schluss nicht davon abbringen, dass er bei seinen nächtlichen Jagdausflügen bereits ein Elbertritscherl gesehen hat und daher auch irgendwann eines fangen wird. Zum guten Ende machen sich alle Hirschauer auf Elbertritscherl-Jagd.

Ausgezeichnet gelungen ist das aufwändige Bühnenbild. Beeindruckend die Ankunft der Buches mit dem Aaglander und die von Dr. Thieme und Herrn Winter mit der von einem Pony (halbes PS) gezogenen Kutsche. Vorbildliche Arbeit leisteten Sepp Strobl und Rudi Richthammer in Sachen Tontechnik und Bühnenbeleuchtung.

Kurzum Fazit: Wer sich „Die Erbschaft“ nicht anschaut, versäumt etwas – auch dann, wenn er das Stück 2005 schon gesehen hat.

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