24.11.2021 - 12:10 Uhr
HirschauOberpfalz

Hundebesitzerin aus Hirschau über Horror-Erfahrung mit Giftködern

Der Boden voll mit Blut, Exkrementen und Erbrochenem: Das Schreckensbild fand eine Hirschauerin in der Nacht vor. Ihr Hund wurde Opfer eines Giftköders. Kein Einzelfall im Kreis Amberg-Sulzbach, wie Recherchen von Oberpfalz-Medien zeigen.

In Hirschau mehren sich die Berichte über herumliegende Giftköder. Die Polizei rät, jeden verdächtigen Gegenstand bei den Beamten anzuzeigen.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Beinahe wäre der Hund von Christiane Schmidt (Name von der Redaktion geändert) aus Hirschau elendig krepiert. Das Tier wurde Opfer eines Giftköders. Ein Tierarzt hat ihr eigenen Aussagen zufolge geraten, sich mit der Geschichte an die Öffentlichkeit zu wenden. Schmidt hat mittlerweile auch Anzeige bei der Polizei erstattet. Nur so, sagt sie, ist es möglich, die breite Öffentlichkeit vor der oft unsichtbaren Gefahr am Straßenrand zu warnen.

Was Schmidt erlebt hat, scheint kein Einzelfall zu sein. Der Redaktion liegen Auszüge aus Hirschauer Facebook-Chat-Gruppen vor, in denen es heißt, ein drei Monate alter Welpe sei bei Ehenfeld erst kürzlich an einem Giftköder verendet. Aus den Auszügen geht ebenfalls hervor, dass auch an anderen Orten im Gemeindegebiet mit Rattengift gespickte Köder aufgetaucht sind - unter anderem sollen sie am Moosweiher in Hirschau und besonders brenzlig in der Nähe der Grundschule in Ehenfeld gefunden worden sein.

Schmidt schildert die Horrorszenarien, die sie zusammen mit einem ihrer Vierbeiner durchlebt hat. Ihren Angaben zufolge hatte ihr kleiner Hund am Dienstagabend, 9. November, angefangen, sich zu übergeben und Durchfall zu bekommen. Schmidt: "Das kam mir schon komisch vor. Ich habe mit den Wecker auf zwei Uhr gestellt, um noch mal nach dem Rechten zu sehen." Als sie dann die Küche betreten habe, in der ihre Hunde nachts schlafen, offenbarte sich ihr ein Bild des Schreckens. Überall seien Blut, Erbrochenes und Ausscheidungen am Boden gewesen. "Der Hund hat nur noch dunkelrotes Blut ausgeschieden. Mir ist himmelangst geworden", sagt Schmidt. Sie habe sofort einen Tierarzt verständigt, da das Tier apathisch war, torkelte, immer wieder umfiel und ihm die Atmung schwerfiel.

Tierarzt: "Das ist Gift"

"Der Tierarzt hat mir klipp und klar gesagt: Das ist Gift", erklärt die 59-Jährige. Ihr Hund habe sofort drei Spitzen bekommen - eine gegen Durchfall, ein Antibiotikum und ein Gegenmittel gegen das Rattengift. Das Gemeine: Rattengift schlägt bei Hunden nicht sofort an, sondern entfaltet seine Wirkung schleichend, indem es die Blutgerinnung außer Gefecht setzt. Der Tierarzt habe Schmidt von einem Fall eines durch einen Giftköder verendeten Tieres erzählt. "Er hat anschließend eine Obduktion durchgeführt und festgestellt, dass das Tier innerlich förmlich aus allen Poren geblutet hat", sagt sie.

Schmidts Hund hat die Giftköderattacke überlebt, doch hat er auch noch Tage nach der langen Behandlung durch den Tierarzt Blut verloren. Noch heute übergibt sich das Tier regelmäßig. Weil man nicht mehr sagen kann, wie viel Gift ein Hund zu sich genommen hat, wenn die Symptome einsetzen, sei es pures Glück gewesen, dass Schmidts Hund nicht gestorben ist. Die 59-Jährige sitzt nun zudem auf einer saftigen Tierarztrechnung, die ihr keiner bezahlt, weil der Täter nicht gefasst wurde.

Zu den Hintergründen vermutet sie, dass ein Hundehasser am Werk war. Eine Rattenbekämpfungsmaßnahme der Stadt Hirschau falle in jedem Fall als mögliche Ursache weg. Schmidt: "Die Stadt macht es zum einen öffentlich bekannt, wenn so was ansteht, und zum anderen legen sie Rattengiftköder nur in gesonderten Behältnissen aus, in die keine anderen Tiere als Ratten hineinkommen", erklärt sie. Ihre größte Sorge ist es, dass auf der Strecke zwischen Braunshofweg und Höllrieglstraße, auf der sie mit ihren Hunden Gassi geht, auch viele Schulkinder unterwegs sind. "Wer auch immer das Gift ausgelegt hat, sollte sich bewusst sein, dass er damit auch die Kinder gefährdet."

Weitere Fälle in vergangener Zeit

Die Redaktion der Amberger Zeitung erreichen immer wieder Meldungen über solche Vorfälle. Vor einigen Wochen erst hat die Auerbacher Polizei beispielsweise wieder vor möglichen Giftködern in Vilseck gewarnt. Dort hatte ein Hund im eigenen Garten des Besitzers seltsame Fleischstücke gefressen und anschließend wieder ausgewürgt.

Vielfach dramatischer war der Hintergrund für eine Warnung, die im Ammerthaler Gemeinderat vor einigen Wochen ausgegeben wurde. Dort hatte ein Hundebesitzer mehrere Tiere aufgrund vergifteter Wurststücke verloren. Die Gemeinde forderte Hundehalter auf, penibel darauf zu achten, was ihr Hund am Straßenrand findet.

Täter werden nur selten geschnappt

Dass das Thema längst keine Randerscheinung mehr zu sein scheint, zeigt alleine die Tatsache, dass es mittlerweile verschiedenste Anti-Giftköder-Trainings für Hundehalter gibt. Dabei ist es gar nicht so einfach, nachzuvollziehen, wie häufig Fälle von ausgelegten Giftködern im Kreis Amberg-Sulzbach auftreten. Polizeioberkommissar Claus Feldmeier von der Pressestelle des Oberpfälzer Polizeipräsidiums teilt dazu Folgendes mit: "Auswertungen von Giftköderfällen sind leider nicht, beziehungsweise nur äußerst eingeschränkt, möglich, da dieser Tatbestand unter den Vergehen nach dem Tierschutzgesetz und der Sachbeschädigung subsumiert wird, worunter auch andere Verletzungen oder Misshandlungen von Tieren fallen." Daher könne er nicht so ohne Weiteres mit Zahlen dienen.

Er appelliert an alle Hundebesitzer, die einen Giftköder finden, egal ob ihn der eigene Vierbeiner gefressen hat oder nicht, die Polizei zu verständigen. Nur so könnten "andere Besitzer gewarnt und Strafverfahren eingeleitet werden".

Saftige Strafen für Tierquäler

Welche Strafen den Tierquälern drohen, kann Polizeioberkommissar Feldmeier sagen. "Personen, die Giftköder ausgelegt haben, müssen mit einer Anzeige nach dem Tierschutzgesetz rechnen", erklärt er. Diese Vergehen könnten mit einer Geld- oder sogar mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden. Sollte ein Hund den Köder zudem gefressen haben, wird die Strafe sogar noch happiger.

Feldmeier: "Zusätzlich wird, wenn fremde Tiere Verletzungen davongetragen haben, ein Strafverfahren wegen Sachbeschädigung eingeleitet." Sollten sich die Köder gegen Wildtiere richten, stehen Vergehen der Jagdwilderei bzw. Artenschutzverstöße im Raum.

Der Polizeioberkommissar lobt das Verhalten Schmidts, den Vorfall der Polizei gemeldet zu haben. "So werden alle Beteiligten für das Thema sensibilisiert und die Bauhofmitarbeiter der Stadt wissen, dass sie die Augen offenhalten sollten."

Auch in Ensdorf wäre die Hündin Bella beinahe einem Giftköder zum Opfer gefallen

Ensdorf
Info:

Tipps der Tierschutzorganisation Vier Pfoten

  • Halter sollten Gebiete mit Giftköderwarnung meiden. Informationen gibt es über Aushänge, in Social-Media-Gruppen oder über spezielle Giftköder-Warn-Apps.
  • Die Organisation „Vier Pfoten“ rät, selbst Futter dabeizuhaben, so dass der Hund nicht auf die Idee kommt, Futter zu suchen.
  • Halter sollten mit dem Hund üben, dass er nicht jedes Futter aufnimmt oder ihm, wenn es nicht anders geht, einen Maulkorb aufsetzen.
  • Wenn der Hund einen Giftköder gefressen hat, sollten die Halter festhalten, was, wie viel und wann der Hund den Köder gefressen hat. Danach sollten sie umgehend einen Tierarzt anrufen. Im Idealfall bringt der Halter eine Probe des Köders mit zum Veterinär.
  • Vier Pfoten rät außerdem dazu, für den Notfall immer die Nummer einer mobilen Tierklinik parat zu haben. Auch über den Tierarzt lässt sich in Erfahrung bringen, welche Klinik in der Nähe liegt.

 

 

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