02.07.2019 - 16:26 Uhr
HirschauOberpfalz

Raiffeisenbank Hirschau liefert gutes Ergebnis ab

Niedrigzins und zunehmende Regularien der Bankenaufsicht: Trotz allem hat die Raiffeisenbank Hirschau 2018 gut abgeschlossen. Aufsichtsratsvorsitzender Martin Nagler sparte aber nicht mit Kritik an der europäischen Bankenaufsicht.

Mitglieder der Raiffeisenbank Hirschau, die seit 50 Jahren Genossen sind. Ihnen gratulierten (von links) Hirschaus 3. Bürgermeister Peter Leitsoni und Landrat Richard Reisinger.
von Autor GFRProfil
Liborius Gräßmann (rechts) schied turnusgemäß als Aufsichtsrat aus, wurde aber erneut in das Gremium gewählt. Im Bild die Aufsichtsräte und Vorstände (von links): Alwin Märkl, Dieter Kohl, Michael Hirmer, Norbert Waldhauser sowie Aufsichtsratsvorsitzender Martin Nagler.

Kein gutes Haar ließ Martin Nagler, Aufsichtsratsvorsitzender der Raiffeisenbank Hirschau an der Europäischen Bankenaufsicht. In ihrem Regulierungsbestreben werfe sie globale Großbanken und regional tätige Genossenschaftsbanken in einen Topf. "Wobei aber die EZB scheinbar von der Idee eines Friedrich Wilhelm Raiffeisen nahezu keine Ahnung hat."

Nagler sprach bei der Generalversammlung davon, dass es in der europäischen Bankenlandschaft mit Niedrigzins und unzähligen Regularien heiß her gehe. Wenn aber die EZB schon regulieren will, "dann bitte auch die Digitalbanken oder eine Facebook-Kryptowährung, die mehr als unsicher einzustufen ist".

Nagler erklärte, dass Großbanken vieler klammer EU-Staaten "faule Kredite", die nie zurückgezahlt werden können, in ihre Bilanzen aufnehmen dürfen. Genossenschaftsbanken sei es nur nach heftiger Intervention der deutschen Kreditwirtschaft gestattet worden, Genossenschaftsanteile als Eigenkapital anzusetzen. Im Geschäftsbericht wies Vorstand Michael Hirmer auf notwendige Investitionen in die Digitalisierung, anhaltenden Niedrigzins und zunehmende Regularien der Bankenaufsicht hin, die dabei aber nicht zwischen Großbanken und kleineren Regionalbanken differenziere. Trotzdem sei der Raiffeisenbank Hirschau gelungen, 2018 erfolgreich abzuschließen, die Bilanzsumme um drei Prozent zu steigern und mit fast 170 Millionen Euro die Erwartungen zu übertreffen.

Die Forderungen an Kunden seien um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 81,7 Millionen Euro angestiegen. Von einer "Kreditklemme" sei nicht zu sprechen, so Michael Hirmer. "Auch wenn wir jede Finanzierung gründlich prüfen" und somit das konservative Geschäftsmodell weiter aufrechterhalten". Ein deutlicher Trend zu Darlehen mit langfristiger Zinsfestschreibung sei festzustellen, vor allem für Baufinanzierungen. Die Kundenguthaben auf Giro-, Spar- und Festgeldkonten bezifferte Michael Hirmer auf 128,2 Millionen Euro und einem Plus von 3,8 Prozent gegenüber 2017. Das betreute Kundenvolumen - Aktien oder Wertpapiere, Fondsguthaben bei Union Investment, Bausparverträge oder Bestände bei Versicherungen - beläuft sich laut Hirmer auf 342,9 Millionen Euro. Weiter erwähnte Hirmer einen Jahresüberschuss von mehr als 100 000 Euro und einer deutlich über den aufsichtsregelnden Vorgaben liegenden Gesamtkapitalquote von 17,65 Prozent.

Aus dem Jahresüberschuss werde eine Dividende von drei Prozent auf die Geschäftsguthaben ausgezahlt, 25 000 Euro würden in die gesetzliche Rücklage eingestellt, weitere 20 000 Euro in andere Ergebnisrücklagen. Die persönliche Nähe zur Region bringt die Raiffeisenbank Hirschau laut Vorstandssprecher Norbert Waldhauser alljährlich durch ihr soziales Engagement zum Ausdruck. Waldhauser erwähnte mehr als 27 000 Euro an Spenden an Vereine und Kindergärten, womit die vielen ehrenamtlich Tätigen gewürdigt würden.

Im ehemaligen Bankgebäude in Freudenberg werde das Obergeschoss auch künftig als Arztpraxis genutzt. Das Lagerhaus müsse veräußert werden, da aufgrund des baulichen Zuschnitts und fehlender öffentlicher Förderung keine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung gegeben sei. Vorstand Michael Hirmer hob hervor, dass mit 2809 Mitgliedern und 12 290 Geschäftsanteilen ein neuer Höchststand erreicht sei. Künftig könnten Genossenschaftsmitglieder zehn statt fünf Geschäftsanteile zeichnen. Für langjährige Treue zur Genossenschaftsbank wurden zahlreiche Mitglieder ausgezeichnet: Matthias Götz (60 Jahre), Johann Binner, Adolf Birner, Michael Bogner, Johann Böhm, Hans Enderer, Bernhard Epp, Hermann Gebhard, Johann Gradl, Hans Grieger, Max Haberl, Maximilian Heindl, Hans Heining, Dieter Hoffmann, Greta Kropp, Andreas Lederer, Hans-Jörg Lenz, Manfred Luber, Leo Nake, Alois Niebler und Karl Wildenauer (alle 50 Jahre).

Zum wirtschaftlichen Erfolg der Raiffeisenbank Hirschau könne er, selbst als „Sparkassenmitarbeiter“ nur gratulieren, sagte Landrat Richard Reisinger. Trotz fortschreitender Digitalisierung seien für viele Bürger eine Bank vor Ort und der persönliche Kontakt zum Finanzberater wichtig. Hirschaus 3. Bürgermeister Peter Leitsoni, meinte, in Hirschau prägten Kirche, Rathaus und Raiffeisenbank das Zentrum der Stadt. Die Raiffeisenbank fördere hier Jugend und Soziales und verwirkliche damit den Grundgedanken eines Friedrich Wilhelm Raiffeisen.

Info:

Geänderte Servicezeiten

Seit Montag, 1. Juli, hat die Raiffeisenbank Hirschau in Freudenberg und Schnaittenbach wegen zurückgehender Kundenfrequenz und Verlagerung des Standartgeschäfts auf die Online-Filiale geänderte Schalteröffnungszeiten. Ein Mitarbeiterteam steht nach Terminabsprache täglich von 8 Uhr bis 20 Uhr vor Ort für Beratungen zur Verfügung, hieß es bei der Generalversammlung. In beiden Geschäftsstellen seien Geldautomaten installiert, Kunden könnten dort rund um die Uhr Ein- und Auszahlungen vornehmen. Über den Telefonservice seien Mitarbeiter der Raiffeisenbank Hirschau wochentags von 6 bis 22 Uhr, am Wochenende von 9 bis 14 Uhr zu erreichen.

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