22.10.2021 - 12:00 Uhr
Höfen bei TirschenreuthOberpfalz

Verschmuste „Wüstenschiffe“: Familie Richter hat fünf Kamele im Stall

Claudia und Thomas Richter haben sich bei der Auswahl ihrer Haustiere für fünf Kamele entschieden. Ihre Leidenschaft zu den großen Wüstentieren entdeckten sie bei einem Urlaub auf Fuerteventura.

Claudia und Thomas Richter haben sich vor fünf Jahren als gemeinsames Hobby Kamele angeschafft. Nach vielen bürokratischen Hürden leben sie mit fünf der sanften "Wüstenschiffe" auf einem Bauernhof in Höfen.
von Ulla Britta BaumerProfil

Auf dem bäuerlichen Anwesen in Höfen laufen Shiela, Kasimir, Patme, Omar und Ivan raus aus den Stall und runter auf die Wiese, vorbei an ein paar Ponys und Pferden, die auch der Familie Richter gehören. Dort grasen sie in Ruhe unter einer Baumreihe. Bis es soweit war, mussten Claudia und Thomas Richter viel Papierkram abarbeiten.

Auf die Idee Kamele zu halten, kamen der 51-jährige Bauunternehmer und seine 45-jährige Frau und Mitarbeiterin nach einem Urlaub. "Das war auf Fuerteventura. Wir sind häufig Kamelen und Dromedaren begegnet. Wir fanden sie sanft, friedlich und liebenswert." Wieder daheim, damals noch in Schönfeld bei Wiesau, beschäftigten sich Claudia und Thomas Richter weiter mit ihrer Urlaubsbegegnung. Immer mehr reifte der Entschluss, Kamele als Haustiere zu halten. "Ich bin leidenschaftliche Reiterin, Thomas Passion gehört dem Motorrad. Wir hatten nichts Gemeinsames für die Freizeit damals", erzählt die 45-Jährige. Ein gemeinsames Hobby sollte her.

Aber ausgerechnet Kamele? Auf diese Frage muss das Ehepaar schmunzeln: "Das fragen alle". "Die Leute meinen, Kamele gehören in die Wüste und in den Zirkus." Der Glaube, Kamele in der Oberpfalz zu halten sei schwierig, sitzt fest. Dabei können sich Kamele bestens an das Oberpfälzer Klima anpassen. "Sie buddeln sich sogar im Winter manchmal im Schnee ein", erzählt Claudia Richter. Nur feuchte Witterung mögen sie überhaupt nicht, ergänzt Thomas Richter in Hinblick auf den diesjährigen, nassen Sommer.

Erstes Kamel vor sieben Jahren

Vor drei Jahren sind die Richters samt der fünf Kamele auf einen Bauernhof nach Höfen umgezogen. Hier sei mehr Platz und Auslauf für die Tiere, erklärt Thomas Richter. "Hier fanden wir dann das perfekte Umfeld für unser Hobby." Das erste Kamel, dass sich die Familie 2014 anschaffte, war Kasimir. Weil die Tiere aber lieber in Gesellschaft leben, holten die Richters noch Shiela und wenig später Patme zu sich. Zur Herde gehören zudem Ivan und Omar. Ivan, ein männliches Tier, ist mit seinen 16 Monaten das "Küken" im Stall. Mit etwa sieben Jahren sind Kamele ausgewachsen.

"Alle fünf sind in Deutschland geboren", bestätigen Claudia und Thomas Richter. Doch allein die Suche nach Kamelen gestaltete sich nicht einfach. "Wir fanden dann nach und nach Züchter in Deutschland. Aber es gibt nicht viele." Der 51-Jährige schätzt gut 100 Kamelzüchter und -halter deutschlandweit. Über eine eigene Zucht denken die Richters bisher aber nicht nach. Vielleicht später einmal.

Friedliche Schmusetiere

Ein echtes Schmusetier ist Kasimir. Und ein Schönling. Der 16-jährige, stattliche Hengst steht in der Mitte seines Lebens. Kamele können 30 bis 40 Jahre alt werden. Er ist kastriert, wie die anderen männlichen Tiere. Kasimir hat ein wunderbar kuscheliges, dickes Fell. "Im Frühjahr schauen sie nicht besonders schön aus. Da verlieren sie ihr graues Kleid", erklärt Claudia Richter zur Pflege der Tiere, während sie Shiela schmust, die unbedingt am Bauch gekrault werden möchte. Striegeln und kämmen könne man sie ganz leicht, wie Pferde.

Aber beim Winterfell-Wechsel gebe es wenig Möglichkeiten, einzugreifen. Die dicke Wolle fällt ihnen in Fetzen von der Haut. "Dann sind sie eine Weile so gut wie nackt", lacht Claudia Richter. Das Fell könnte zu wertvollen Kamelhaarprodukten verarbeitet werden. Aber die Menge von fünf Kamelen sei zu wenig, um sie zu verarbeiten. Ansonsten sind die sanften Wüstentiere mit den großen Augen weitgehend anspruchslos. "Und fressen weniger als Pferde", ergänzt Thomas Richter. Heu, Stroh und Gras genügen. "Ein Strohballen pro Woche im Stall reicht aus. Der Stall muss regelmäßig gemistet werden", erklärt der Unternehmer.

Anspruchslos und genügsam

Die Mongolischen Kamele sind genügsam und friedlich. Auch das sei ein Grund, warum sich das Paar für die Kamele entschied. Thomas Richter ist fasziniert von der Ruhe, die die Tieren ausstrahlen. Claudia, Thomas, ihre Kinder Leonie und Mike und die fünf Kamele sind zu einer großen Familie zusammengewachsen. "Wenn wir mal eine Woche Urlaub machen, werden alle fünf unruhig", erzählen sie lachend. Lange fahren die Höfener deshalb nicht weg. Familie Richter macht gern lange Spaziergänge mit ihren Kamelen. Wer Shiela, Kasimir, Ivan, Omar und Patme näher kennenlernen möchte, kann eine eineinhalbstündige Tour auch buchen.

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