16.05.2019 - 11:58 Uhr
Höhengau bei HahnbachOberpfalz

Kehlkapelle: Ort voller Geschichten

Die Grotte bei Höhengau existiert seit 270 Jahren. Einst ist ein Kreuzweg errichtet und später wieder niedergebrannt worden.

Das Moos, das die Kehlkapelle ummantelt, verleiht der Grotte etwas Uriges.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

(doz) Hans Winkler aus Höhengau wird nicht müde, das Andenken an das ungewöhnliche Gebäude zu erhalten. Zum Jubiläum erinnert der 73-Jährige an die Historie des kirchlichen Gebäudes. Zu einem Pressetermin bringt er einen ganzen Packen an Zeitungsartikeln, Fotografien, Erinnerungsstücken und Sterbebildern mit, die mit dem Motiv der Kehlkapelle bebildert sind.

Grotte 1795 geschlossen

Papierene Schätze, die einen Einblick in die wechselvolle Geschichte der Kehlkapelle gewähren. Erbaut worden ist sie 1749 auf die Initiative von Georg Winkler, einem Vorfahren von Hans Winkler. Aus einem pyramidenförmigen Sandsteinblock ist die Kapelle herausgemeißelt worden. Anlass war eine Hochzeit. Es gibt unterschiedliche Quellen zum Anlass der mühevollen Arbeit, wonach Georg Winkler selbst oder ein Kind von ihm geheiratet haben muss. Im Felsen ist heute noch die Inschrift "17GW49" zu lesen. Nach der Errichtung der Kehlkapelle pilgerten viele Menschen mit ihren Anliegen zum "gegeißelten Heiland", was von der Kirche mit zunehmender Skepsis betrachtet wurde. Im Opferstock der Kapelle sammelten sich ansehnliche Geldbeträge, die jedoch nicht beim Pfarrer in Gebenbach abgegeben, sondern von den Höhengauern selbst in Verwahrung genommen wurden. Das ist alten Zeitungsberichten zu entnehmen. Hans Winkler berichtet dasselbe. Die Grotte wurde schließlich um das Jahr 1795 geschlossen, vielleicht sogar vermauert - genaue Erkenntnisse gibt es dazu nicht. Das Gnadenbild kam in die Mausbergkirche. In späteren Jahren kam der Bildstock in die Kehlkapelle zurück, worauf die Wallfahrt in bescheidenem Umfang noch einmal auflebte, ehe sie kurz nach dem Krieg völlig zum erliegen kam - obwohl 1929 sogar ein Kreuzweg errichtet worden ist.

Vor 70 Jahren renoviert

Ein Pater des Amberger Franziskanerklosters am Mariahilfberg erteilte die kirchliche Weihe. Im Februar 1945, kurz vor Kriegsende, wurde allerdings das Gnadenbild geraubt und die 1929 aus Holz erbauten Kreuzwegstationen verbrannt. Einst hingen in der Grotte auch Krücken und Votivtafeln, haben die Feuchtigkeit des Sandsteins hat ihnen aber im Lauf der Zeit so zugesetzt, dass nur mehr 15 Votivtafeln aus drei Jahrhunderten erhalten sind, die heute an sicherer Stelle verwahrt werden. Zur 200-Jahrfeier wurde die Kehlkapelle renoviert.

Auch das Bild des gegeißelten Heilands ist wieder aufgetaucht. Es prangt wieder in der knapp zwei Meter hohen und fünf Quadratmeter großen Grotte. Heute pilgern wieder einige Menschen zur Kehlkapelle, wenngleich nicht so viele wie früher. Hans Winkler berichtet, dass an Wochenenden bei schönem Wetter immer wieder Leute anzutreffen seien. Alle vier bis sechs Wochen werde sogar ein Blumenstrauß niedergelegt.

Einer Sage nach soll der Teufel seine Fußspuren in der Kehlkapelle hinterlassen haben.
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