08.06.2020 - 12:04 Uhr
HohenburgOberpfalz

Erster Nachwuchs im Fledermaushaus Hohenburg

"Die erste Geburt ist immer etwas Besonderes", sagt Johannes Pirner – das gilt auch für die Große Hufeisennase. Der Experte freut sich über die ersten Fledermaus-Babys des Jahres in Hohenburg.

Ein Bild aus dem Fledermaushaus in Hohenburg: Hier lebt Deutschlands letzte Kolonie der Großen Hufeisennasen - und bekommt auch Nachwuchs.
von Heike Unger Kontakt Profil

"Heute morgen um 6 Uhr gab es die erste Geburt", berichtet Johannes Pirner vom Landesbund für Vogelschutz am Montag im Gespräch mit der Redaktion. Pirner betreut die Kolonie der Großen Hufeisennase im Fledermaushaus in Hohenburg (Landkreis Amberg-Sulzbach). Die dortige Population der seltenen Art wachse weiter, stellt Pirner erfreut fest: Bis 9 Uhr seien zwei Hufi-Babys geboren worden, in den nächsten Tagen "werden sicher noch einige dazu kommen". Genau sagen könne man es natürlich nicht – "aber wir rechnen mit 110 Geburten" in diesem Jahr.

Nah dran per Webcam

Eine Webcam im Fledermaushaus ermöglicht es nicht nur Pirner, sondern auch anderen interessierten Naturfreunden, quasi live dabei zu sein, wenn in Hohenburg Nachwuchs zur Welt kommt. Dort ist es zwar stockdunkel, aber da die Kamera mit Infrarot-Technik ausgestattet ist, sind spannende Einblick möglich. Das begeistert sogar Experten wie Pirner: "Die erste Geburt des Jahres ist immer etwas Besonderes", betont er, deshalb "fiebern wir schon seit Tagen darauf hin".

Helfen muss der Betreuer den Fledermaus-Müttern übrigens nicht – obwohl die Geburt für sie ein echter Kraftakt ist: Die Hufeisennasen gebären ihren Nachwuchs kopfunter hängend. Dabei muss die Mutter gegen die Schwerkraft anpressen. Ihr Baby bringt da schon etwa ein Fünftel ihres eigenen Körpergewichts auf die Waage. Die Nabelschnur ist dabei quasi eine Sicherungsleine, allerdings umfangen die Mütter ihre Babys auch gleich mit den Flügeln und drücken sie an sich.

Die ersten beiden Geburten

Auch wenn Pirner dabei nicht eingreifen muss und kann, ist er doch per Kamera dabei. "Wir haben das genau im Blick", sagt er und sitzt momentan, wegen der Geburten, regelmäßig am Bildschirm, vor allem morgens. "Die Geburten finden immer zwischen 6 und 9 Uhr statt", das werde man in den nächsten Tagen vermehrt beobachten können. Es lohne sich, hier morgens online vorbeizuschauen: "In den nächsten Tagen gibt es eine hundertprozentige Garantie, dass man etwas sieht", verspricht er. Der Fledermaus-Betreuer kann die Kamera steuern, und so auch Laien mit weniger geschulten Augen interessante Einblicke geben.

Jetzt, Anfang/Mitte Juni, ist die Zeit im Jahr, in der die Hufis Nachwuchs bekommen. Eine Geburt dauert laut Johannes Pirner etwa eine Stunde. Danach "wird das Junge erst einmal von der Mutter trocken geleckt", berichtet er und betont: "Körperkontakt ist sehr wichtig." Etwa eine Stunde nach der Geburt wird das Kleine zum ersten Mal gesäugt. Ungefähr acht Wochen ernährt sich das Baby von Muttermilch. Flugfähig ist es erst nach 16 Tagen. Dann machen die kleinen Hufeisennasen erste Flugversuche im Fledermaushaus, um ihre Muskulatur zu trainieren. Ihre ersten Ausflüge ins Freie unternehmen sie danach mit ihren Müttern, die den Kleinen alles zeigen, was sie über die Jagd wissen müssen, wenn sie alleine losziehen. "Mit acht Wochen sind sie selbstständig", sagt Pirner.

Abstürze sind selten

Die Aufzucht ihrer Jungen sei für die Fledermaus-Mütter sehr kräftezehrend, erklärt der Experte. Deshalb fliegen sie auch nach der Geburt jeden Abend zur Jagd. Die Babys bleiben zurück, sie müssen dann dann schon alleine im Haus "rumhängen". Abstürze seien selten, weiß der Fachmann. Im vergangenen Jahr seien zwei Babys von der Decke gefallen –"aber die Mütter sammeln sie dann wieder auf".

Eine andere Gefahr für die Hufis kam in den vergangenen zwei Jahren aus der Luft: In Hohenburg seien Sperber auf die Jagd nach den Fledermäusen gegangen. "Heuer schaut's aber besser aus", zeigt sich Pirner zuversichtlich, dass diese Gefahr nicht wieder ein Thema wird. Rund 260 erwachsene Tiere zählt die Population in Hohenburg. "Das ist schon viel", erklärt Pirner und freut sich, dass jetzt noch weitere Hufis dazu kommen. Besuchen kann man sie momentan allerdings nicht: Weil sich hier die Corona-Vorschriften nicht einhalten lassen, gibt es bis auf Weiteres keine Führungen im Fledermaushaus. Aber über die Webcam kann man ja trotzdem jederzeit dort vorbeischauen.

Hohenburger Fledermäuse sind virenfrei

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