18.10.2020 - 16:21 Uhr
HohenburgOberpfalz

Jugendliche aus Hohenburg, Schmidmühlen und Kastl setzen Zeichen gegen das Vergessen

„Dem Kriegsende und den Todesmärschen durch das Lauterachtal ein deutliches Zeichen setzen“, galt als Zielvorgabe. Jetzt erinnern Beton-Fußstapfen an das Schicksal der KZ-Häftlingen aus dem Außenlager Hersbruck in den letzten Kriegstagen.

Zusammen mit der Jugendbeauftragten des Marktes Hohenburg Susanne Braun füllten die Jugendlichen aus Hohenburg die Formen für ihre Fußstapfen in Beton zur Erinnerung an die Todesmärsche von KZ Häftlingen im Lauterachtal
von Paul BöhmProfil

Mit Fußspuren in Beton gegossen erinnern Jugendliche im Lauterachtal von Schmidmühlen über Hohenburg bis Kastl an die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges, als die Todesmärsche von KZ-Häftlingen aus dem Außenlager Hersbruck auch ins Lauterachtal kamen.

Wegen der Corona-Pandemie zwar zeitversetzt, werden jetzt auf Anregung von Ortsheimatpfleger Josef Popp aus Schmidmühlen an exponierten Stellen in den drei Gemeinde diese Fußspuren künftig zu sehen sein. Etwas zeitversetzt läuft in diesen Tagen die Aktion, weil die Covid-19 Pandemie dazwischen gekommen war, sagten Ortsheimatpfleger Josef Popp aus Schmidmühlen und Bürgermeister Florian Junkes. Jugendliche aus Schmidmühlen, Hohenburg und Kastl haben sich daran gemacht, diese erinnernden Fußspuren in Beton zu gießen.

Vor 75 Jahren

Vor 75 Jahren haben sich diese Schicksale im Lauterachtal abgespielt. Mehrere Marschkolonnen sind es gewesen, die damals von schwer bewaffneten SS-Schergen über das Lauterachtal in Richtung Regensburg getrieben worden sind. So schreibt auch der Hohenburger Heimatchronist Friedrich Spörer in seinen Erinnerungen: „Das Furchtbarste aber waren mehr als tausend von Konzentrationslagerhäftlingen, die aus der Hölle der unterirdischen Waffenfabrik von Happurg und Hersbruck kamen. Einer dieser Fußmärsche kam nur noch bis Schmidmühlen, wo von den Amerikanern für sie ein Lager und Verpflegung angeordnet wurden. Manche SS-Begleiter wollten fliehen, sollen aber von den Gefangenen erschlagen worden sein. Bei Hausen wurde einer der Häftlinge, der nicht mehr gehen konnte, einfach erschossen und in den Straßengraben geworfen, an anderen oft Dutzende“.

Die Amerikaner hatten bereits Nürnberg erreicht, als die Evakuierung des KZ-Außenlagers von Flossenbürg in Hersbruck und Happurg evakuiert wurden, um die Spuren der Verbrechen an den Menschen zu vertuschen, erzählten Bürgermeister Florian Junkes und der Schmidmühlener Heimatpfleger Josef Popp den Jugendlichen im Bauhof der Gemeinde Hohenburg.

Es ist eine Idee von ihm gewesen, mit diesen in Beton gegossenen Fußstapfen an exponierten Stellen im Lauterachtal an diese menschlichen Tragödien und Schicksale zu erinnern.

In den ersten Apriltagen des Jahres 1945 zogen damals etwa 1100 ausgemergelte Menschen durch die Märkte Lauterhofen, Kastl, Hohenburg und Schmidmühlen in Richtung Regensburg. Auch in Hohenburg sind diese Marschkolonnen durchgezogen. Angetrieben wurden sie von Wachmannschaften der SS, die sich auch nicht dafür scheuten, kraftlos zurückgebliebene Männer zu prügeln und sogar zu erschießen. Selbst das Zustecken von Lebensmitteln war unter Strafe für die Zivilbevölkerung verboten gewesen, erzählte Karolina Wein aus Hohenburg, die damals als junges Mädchen diese grauenvollen Ereignisse miterlebt hat.

Erschossen und verscharrt

Liest man in den Aufzeichnungen bei den beiden Heimatchronisten Friedrich Spörer aus Hohenburg und Franz Xaver Eichenseer nach, wird man sehr schnell fündig werden, dass mancher er entkräfteten Häftlinge einfach am Straßenrand erschossen und verscharrt worden ist.

Die Menschen trauten sich oft nicht den Häftlingen zu helfen oder gar mit Essen zu versorgen, weil sie ebenfalls von den SS-Leuten bedroht worden sind, wenn sie den ausgemergelten Gestalten zu nahe gekommen sind.

Eine menschliche Tragödie ereignete sich in Schmidmühlen ganz in der Nähe der heutigen Schule an der Lauterach: Am 4. April 1945 war noch eine Marschkolonne mit etwa 230 Häftlingen von Hohenburg her in Schmidmühlen angekommen, erzählte Ortsheimatpfleger Josef Popp den Jugendlichen in Hohenburg.

In einer Feldscheune an den Lauterachwiesen suchten sie Unterschlupf und Schutz vor einsetzendem Regen. Doch das Gebälk brach zusammen und begrub eine ganze Gruppe von Menschen unter sich. „Man vernahm das Krachen von Gewehrschüssen, was für manchen Häftling den sicheren Tod bedeutete“, erzählte Lotte Hannewald im Jahr 2005.

Häftlinge exhumiert

Ein Teil der ums Leben gekommenen Häftlinge wurde auf dem Friedhof in Schmidmühlen und ein Teil auf der Wiese in der Nähe der Feldscheune durch ihre Kameraden unter Ausschluss der Bevölkerung begraben. Später wurden die Häftlinge exhumiert und nach Hammelburg überführt, um ihnen ein menschenwürdiges Grab zu geben. Im Friedhof in Schmidmühlen erinnert ein Gedenkstein am Leichenhaus an dieses Ereignis.

Mehr zum Todesmarsch

Schmidmühlen
Jugendliche aus Hohenburg gießen im Beisein von Bürgermeister Florian Junkes sowie Ortsheimatpfleger Josef Popp aus Schmidmühlen und den Bürgermeistervertretern aus Schmidmühlen Martin Bauer und Mathias Huger Fußstapfen in Beton zur Erinnerung an die KZ-Todesmärsche durch das Lauterachtal vor 75 Jahren.
Auf dem Bauhofgelände in Hohenburg haben Jugendliche Fußspuren gegen das Vergessen der Todeszüge der KZ-Häftlinge vor 75 Jahren gegossen. An exponierten Stellen werden sie dann angebracht werden.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.