30.05.2018 - 10:32 Uhr
HohenburgOberpfalz

Die Zukunft der Fledermäuse ist gesichert

Nach sechs Jahren ist das Life-Projekt für seltene Fledermausarten ausgelaufen. Doch die Verantwortlichen machen sich stark, dass die Tiere weiterhin geschützt und im Fokus stehen werden.

Die Kunstwanderstation in Hohenburg an der Uferpromenade der Lauterach ist auch der Ausgangspunkt für mehrere Fledermauswanderwege rund um Hohenburg. In den vergangenen Tagen wurde er freigegeben.

(bö) Fledermausexperte Rudolf Leitl will sich nicht zurücklehnen und zuschauen, was seine Schützlinge, die selten gewordene Fledermausart der großen Hufeisennase künftig macht. "Alleine lasse ich meine Zöglinge nicht. Auch, wenn das Life-Projekt jetzt ausläuft." Wichtig sei ihm, dass eine Nachfolgemaßnahme nun anlaufe. Auch Bürgermeister Florian Junkes macht sich dafür stark: "Wir Hohenburger freuen uns, dass mit dem Ende des Projekts nicht der Endpunkt gesetzt wird. Es ist schön, dass die Maßnahme mit eigenständigen Strukturen weitergeht."

Umfangreiche Planungen

Eine dauerhafte Nachfolgelösung zu finden und die Zugänglichkeit des Fledermaushauses zu erhalten, sei das Ziel umfangreicher Besprechungen und Planungen gewesen. Jetzt ist es amtlich: Die Zukunft der "Hohenburger Hufis" ist gesichert. Wie der Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz, Christian Barth, im Hohenburger Rathaus informierte, wurden im Projektgebiet "Fledermausquartiere um Hohenburg" im Lauterachtal und im Truppenübungsplatz Hohenfels über eine Million Euro eingesetzt, um das Überleben der großen Hufeisennase nachhaltig zu sichern. Die Hälfte der Kosten hat die EU getragen, knapp 37 Prozent der Bayerische Naturschutzfonds und der Naturpark Hirschwald 3,3 Prozent. Den Rest von etwa 103 000 Euro bringen die mit beteiligten Träger Landesbund für Vogelschutz (LBV) mit 103 000 Euro und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) für das Gebiet des Truppenübungsplatzes mit 75 000 Euro in die Finanzierung ein.

Landschaft kennenlernen

Mit der Eröffnung des Fledermauswanderweges hat man jetzt auch die Gelegenheit geschaffen, die für die Fledermauskolonie lebenswichtige Landschaft kennenzulernen und in die Bevölkerung zu bringen.

Der neue Hufi-Weg beginnt in Hohenburg bei der Kunstwanderstation an der Uferpromenade und bietet Varianten mit zwei, vier und acht Kilometern Länge. An insgesamt elf Informationstafeln wird über Flugrouten, die Bedeutung von Brachen, Weiden, Streuobstwiesen sowie über den Wert der Karsthöhlen als Winterquartier informiert. Der Naturpark Hirschwald wird sich künftig verstärkt um dieses Projekt kümmern.

Info:

Hintergrund

Bis zur Rettung der letzten Wochenstube war es ein steiniger Weg: Zum Erhalt der Kolonie wurde das ehemalige Ackerbürgerhaus zunächst gepachtet. Im Jahr 2007 ging das Anwesen mit Förderung des Naturschutzfonds in den Besitz des Marktes Hohenburg über.

Die endgültige Rettung gelang mit dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung im Jahr 2009. Mit rund einer Million Euro wurde das Gebäude saniert und das Fledermausquartier optimiert. „2012 startete der LBV das Life-Projekt große Hufeisennase“, berichtete Christian Barth. Die bestehende Population sollte nachhaltig gestärkt und die Neugründung weiterer Wochenstuben gefördert werden. Ziel war es, die öffentliche Wahrnehmung und Sensibilisierung für Fledermäuse zu verbessern. „Heute weiß man, dass dies der richtige Weg war“, davon ist auch Andreas von Lindeiner vom LBV überzeugt.

Zusätzlich zu den angelegten Rinderweiden übernehmen auch die pestizidfreien Flächen des Truppenübungsplatzes eine wichtige Funktion. „Die Flächen stellen mit ihrem Insektenreichtum einen idealen Jagdlebensraum und damit einen Schlüsselfaktor zum Überleben der letzten deutschen Kolonie der großen Hufeisennase dar, sagte von Lindeiner. Auch die 150 neu gepflanzten Obstbäume haben eine zusätzliche Landschaftsstruktur und vor allem als Lebensraum für Beuteinsekten eine große Bedeutung für die gefährdete Fledermausart.

Projektbetreuer Rudolf Leitl freut sich, dass nach sechs Jahren das LIFE-Projekt so erfolgreich abgeschlossen werden konnte und eine Anschlussmaßnahme gewährleistet ist.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp