Stadt Waldershof engagiert sich beim Ameisenschutz

Hohenhard bei Waldershof
12.10.2022 - 10:28 Uhr

Bei einem Ortstermin in Hohenhard hat die Waldershofer Bürgermeisterin Margit Bayer nun offiziell ein Projekt zum Schutz seltener Ameisenarten gestartet. Ein Mäh- und Pflegekonzept ist erstellt.

Viele Menschen nehmen Ameisen oft als lästige Insekten wahr. Dabei sind sie ein wichtiger Bestandteil unserer Umwelt. Die Nützlinge erledigen für die Natur zahlreiche Aufgaben. Schädlinge werden dezimiert. „Ameisen halten die Natur sauber“, schreibt Biodiversitätsberaterin Cornelia Straubinger in einer Pressemitteilung an Oberpfalz-Medien. Straubinger verweist auf die Fressgewohnheiten der kleinen Tiere, die auch Speisereste, Lebensmittelabfälle und tote Tiere vertilgen. Eine große Rolle spielen die Ameisen aber auch als Beute anderer Tiere (zum Beispiel Spechte).

Die bekannteste Vertreterin unter den schützenswerten Ameisen ist die Formica (Waldameise). Über Jahre hinweg stocken sie hohe Nester auf, um von dort aus in einem Umkreis von rund 300 Metern aktiv zu sein. Allerdings werden die Bauten oft beschädigt. Deshalb gehen die Stadt Waldershof, der Landesbund für Vogelschutz (LBV) und die ortsansässige Bund-Naturschutz-Gruppe (BN) seit einigen Jahren mit gutem Beispiel voran. In Abstimmung mit dem Bauhof hat die Stadt Waldershof jetzt auch ein Mähkonzept entwickelt, um den Erhalt der Tiere und deren Lebensraum zu sichern.

Kürzlich hatte nun Bürgermeisterin Margit Bayer zu einem Treffen nach Hohenhard eingeladen. Anlass für den Ortstermin war die Auftaktveranstaltung für das Projekt „Schutz der Ameisenarten“ im Raum Waldershof. Der Einladung folgten neben Bauhofleiter Markus Kremser Ursula Schimmel vom BN, die Vertreterin der Unteren Naturschutzbehörde Claudia Fuchs und die Biodiversitätsberaterin Cornelia Straubinger. Mit dabei auch Konrad Zier (Waldershof) vom LBV. Der Landesverband Ameisenschutzwarte wurde von Thomas Döhler aus Pechbrunn vertreten.

Hinweistafeln

In den Mittelpunkt des Treffens rückte eine kleine Tafel am Brandweg (ein vom Verkehr wenig berührter Seitenast der Kreisstraße TIR 13) in Hohenhard. Seit einigen Tagen weist das neue Schild (es ist das erste von vielen) auf hier lebende Wiesenameisen hin. Damit wird auch klar, weshalb man sich in Waldershof darauf geeinigt hat, in diesem Bereich nur noch in unregelmäßigen Abständen und besonders vorsichtig zu mähen.

„Weitere Informationstafeln werden noch in diesem Herbst auch an anderen Flächen mit erhaltenswerten Wald- und Wiesenameisen angebracht“, berichtet die Untere Naturschutzbehörde. Ziel sei es, den Schutz der Ameisenbauten zu verbessern und die Akzeptanz für das „wichtige Thema“ zu erhöhen, teilt die Biodiversitätsberaterin mit.

Anders als die Waldameise errichtet die Wiesenameise kein hohes Nest. Und trotzdem leben hier Tausende von Ameisen. In welcher Tiefe? „Das kann man“, so Konrad Zier vom Landesbund für Vogelschutz, „nur schätzen.“ Ein Meter vielleicht, meint der Fachmann aus Waldershof.

Laut Biodiversitätsberaterin Cornelia Straubinger ist der Raum Waldershof ein Ameisen-Hotspot. „Ameisen lieben Böschungen und Wegränder. Königinnen können bis zu 20 Jahre, ihre Untergebenen bis zu 5 Jahre alt werden, ergänzt Konrad Zier.

Viel Rücksicht

In der Stadtverwaltung Waldershof ist man sich dessen bewusst, dass der Bereich künftig schlechter gemäht werden kann. Mit viel Rücksicht werde dort auch der Winterdienst arbeiten müssen. Bürgermeisterin Margit Bayer spricht von einer „Gratwanderung“, die aber umsetzbar sei. „Die Grabenentwässerung muss aber weiter funktionieren“, macht Bayer deutlich.

An anderer Stelle unterstreicht die Rathaus-Chefin: „Die regelmäßigen Treffen mit Vertretern der Stadt Waldershof sind enorm wichtig.“ Die gute Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde bescheinigt auch Ursula Schimmel vom Bund Naturschutz: „Jeder lernt dazu.“ Die Aussage kann Margit Bayer nur unterstreichen und verspricht, dass die sensiblen Maßnahmen in Sachen Naturschutz weiter vorangetrieben werden. Bayer betont: „Ich hoffe, dass wir gemeinsam noch viele Projekte pflegen können, um, was den Erhalt unserer Natur betrifft, ein wachsendes Bewusstsein schaffen zu können.“

Hintergrund:

Die Wiesenameise

  • Vorkommen: an Böschungen und Wegrändern
  • Ernährung: vorwiegend durch Insekten und andere kleinere Beutetiere
  • Beschaffenheit der flachen Hügelnester: Streukuppel aus zerbissenen Halmen, Baumnadeln und kleinen Ästen
  • Nestdurchmesser: oft über ein Meter
  • Verbreitungsgebiet: Europa, Asien, Nordafrika und der Osten Nordamerikas
  • Schutz durch die Stadt Waldershof. Mäh- und Pflegekonzept an den von den schützenswerten Ameisen bewohnen Flächen
 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.