Besonderer Emmaus-Gang: Marterlwanderweg von Hohenkemnath nach Haag

Der Ursensollener Heimatpfleger Josef Schmaußer nimmt uns mit auf eine etwa dreistündige Wanderung von Hohenkemnath nach Haag. Auf der Tour begegnen Wanderern einige Marterln und Flurmale.

Relativ selten auf Gemeindegebiet sind Baumbilder. Eines findet sich nahe der AS 21 am Wanderweg von Amberg zum Habsberg.
von Josef SchmaußerProfil

Der Ausgangspunkt der etwa dreistündigen Wanderung (auch mit dem Fahrrad lässt sich die zwölf Kilometer lange Tour gut machen) ist der Parkplatz auf dem Kirchvorplatz in Hohenkemnath. Immer wieder begegnen den Wanderern interessante Flurmale und religiöse Objekte, die zum Verweilen einladen. In der Gemeinde Ursensollen finden sich fast 80 dieser „Glaubenszeugen“.

Nach einem Besuch in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und der Donatuskapelle südlich des Ortes kann man auch noch den Vorgänger Donatus-Bildstock am Hohenkemnather Dorfplatz besichtigen. Dann begeben wir uns auf den „Schweppermann-Radweg“ nach Norden in Richtung „Predigtstuhl“. Im Tal biegt man nach rechts nach Oberleinsiedl ab.

In den 1990er Jahren wurde im Raum Haag Leinsiedl eine Flurbereinigung durchgeführt. Dabei wurden auch Flurmale renoviert. Den Beginn der Renovierung im Verfahrensgebiet Haag-Leinsiedl bildete das "Marterl" in Unterleinsiedl. Es steht auf dem Grund der Familie Franz. Der Bildstock aus Kalkstein mit einer Rundbogennische, der linker Hand der alten Straße steht, die bis 1964 von Amberg nach Hohenkemhath führte, besitzt eine für unsere Heimat recht ungewöhnliche Form. Nach Abschluss der Flurbereinigung im Raum Haag-Leinsiedl sollte ein Erinnerungskreuz die Verbundenheit der Bevölkerung mit dem überkommenen Erbe dokumentieren. Das Oberleinsiedler Eichenkreuz fertigte der spätere Schreinermeister Stefan Donhauser im Alter von gerade 15 Jahren an.

Schmiedeeiserneres Kreuz von 1948

Unter großer Beteiligung fast aller an der Flurbereinigungsmaßnahme Haag-Leinsiedl beteiligten Grundstücksbesitzer und ihrer Familien vollzog Pfarrer Josef Lobinger aus Hohenkemnath am 3. Oktober 1993 die kirchliche Weihe der zwei neu aufgestellten Flurkreuze und der Bildsäulen in Unterleinsiedl und im Haager Tal. Dieses Gemeinschaftswerk sollte den künftigen Generationen das geistige, religiöse und kulturelle Erbe der Vorväter weitervermitteln und Beispiel für andere sein.

Von Oberleinsiedl aus gehen wir zuerst über die AS 15 in Richtung Autobahn und besichtigen das Holzkreuz, das zur Erinnerung an die Flurbereinigungsmaßnahme Haag aufgestellt worden war. Wir gehen zurück zur Kreisstraße und biegen nach rechts, nach Rückertshof ab. Der Name Rückertshof lässt sich nach dem Ortsnamenbuch von Hans Frank als "bei den Höfen eines Richger" deuten. Schon 1215 wird der Ort als Richarshofen erwähnt. Das Kloster Ensdorf besaß hier ein Gut. Im Ort gehen wir weiter geradeaus und folgen dem Schotterfeldweg, der nach Osten führt. Am Ortsrand des in den vergangenen Jahren sehr schnell gewachsenen Dorfes begrüßt uns ein schmiedeeisernes Kreuz. Der Bauer Johann Rubenbauer ließ um das Jahr 1948 das ehemalige Friedhofskreuz auf einem Steinsockel an der Wegkreuzung errichten. Wir überqueren das Teersträßchen und sind nun auf dem Totenweg.

Holzkreuz für tödlichen Unfall

Der Name erinnert noch an die Zeit, als die Verstorbenen aus Köfering auf diesem Weg zum Friedhof nach Hohenkemnath gebracht wurden. Köfering war bis zum 16. September 1855 ein Teil der Pfarrei Hohenkemnath. Schulisch gehörte Köfering damals zu Erlheim. Erst 1855 wurden die Kinder nach Kümmersbruck eingeschult. Durch den Kiefernwald, der uns magere Sandböden (Kreide) anzeigt, geht es nun sanft bergab. Nach rund 800 Metern kreuzt der alte Weg von Haag nach Erlheim den Totenweg. Die Rotpunktmarkierung folgt dem Weg hinunter ins Erlheimer Trockental, und wir hören den Verkehr auf der A6. Aufmerksame Wanderer bemerken, dass auf dem Weg ins Tal der Schotter des entfernten Teilstückes der Eisenbahntrasse aufgetragen wurde. Bei der Flurbereinigungsmaßnahme 1978 wurde ein Stück der ehemaligen Bahntrasse der Lokalbahn Amberg - Lauterhofen entfernt. Als Ersatz für die Wanderer und Radfahrer wurde der „Totenweg“ ausgebaut.

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Amberg

Gusseisernes Kreuz vom Friedhof

Wenn die AS 21 von Haag nach Köfering gekreuzt wird, finden sich zwei Flurmale. Ein interessantes Baumbild, das die Familie Weiß aus Gailoh vor 25 Jahren mit dem „Heimatlichen Kreis AM-SUL“ renovieren ließ. Auf der anderen Straßenseite steht ein Holzkreuz, das in Erinnerung an den tragischen Unfalltod des jungen Timo Schlauch aus Hohenkemnath im Jahre 2007 aufgestellt wurde.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten, zum Huss'n-Marterl zu gelangen. Wanderer gehen das Tal entlang, unter dem Haager Viadukt hindurch bis zur AS 15 (Hohenkemnath – Amberg). Sie folgen dem Tal nach Westen und stehen bald vor dem Huss'n-Marterl. Radler verlassen das Teilstück des Schweppermann-Radwegs und biegen nach Norden in Richtung Haag ab.

In Haag biegen sie nach der Dorfkapelle nach links zum Hussenmarterl beim „Doolbauern“ ab. Es stand früher nördlich vom jetzigen Standort am Fußweg nach Amberg. Man sollte eigentlich Marterln nicht von ihrem ursprünglichen Standort weg versetzen, da sie sehr oft, wie auch in diesem Fall, alte Wege markieren. Josef Meier aus Haag kaufte um 1860 einen Acker vom Bauern Ebenhöch aus Gailoh, der den Hausnamen „Huß“ führte. Die Parzelle wurde beim Kauf als „Hussenkapelle“ bezeichnet. Ob nun Josef Meier den Bildstock anstelle einer Kapelle neu errichtet hat oder ob dieser schon vorher stand, war nicht mehr in Erfahrung zu bringen. Im Urkataster von 1843 ist der Bildstock bereits eingezeichnet.

Nun geht es zurück nach Haag entlang der AS 15 in Richtung Unterleinsiedl. Das neue Marterl am Zellerfeld, südlich von Haag, wurde auf Anregung vom damaligen Wegebaumeister Josef Nibler aus Haag aufgestellt. Er stellte auch das gusseiserne Kreuz zur Verfügung, das früher am Grab der Schwester seiner Großmutter Kunigunde Preißl (gestorben im November 1945) auf dem Hohenkemnather Friedhof gestanden hatte.

Im Haager Tal beim „Doolbauern“ finden wir das „Hussenmarterl. Es stand früher nördlich vom jetzigen Standort am Fußweg nach Amberg. Man sollte eigentlich Marterln nicht von ihrem ursprünglichen Standort weg versetzen, da sie sehr oft, wie auch in diesem Fall, alte Wege markieren.

"Schötz'n Kreuz" und "Rubenbauer-Martel"

Entlang der AS 15 in Richtung Leinsiedl lassen sich zwei weitere Marterln besichtigen. Gleich links steht das Rubenbauer-Marterl. Es trägt die Inschrift: „Wiedererrichtet vom Landkreis Amberg-Sulzbach“ 1968. Der quaderförmige Sockel mit einem Vierkantschaft aus Granit trägt eine Bildnische. Vor etwa 200 Jahren, so die örtliche Überlieferung, schlug ein Blitz das Handpferd eines ackernden Bauernknechtes zu Boden; das andere scheute und schleifte den Pflüger zu Tode. Im Urkataster von 1843 ist das Flurmal nicht eingezeichnet. Beim Bau der AS 15 (1964) war das alte Marterl, das etwa 200 Meter weiter in Richtung Haag stand, zerstört worden. Der Landkreis ließ 1968 die Bildsäule neu errichten.

Nur 200 Meter weiter findet sich auf der rechten Seite in einer Einfahrt mit einer Birke das Schötz’n-Kreuz. Im Urkaster von 1843 ist das Flurmal nicht eingezeichnet, allerdings stand 300 Meter westwärts an der Abbiegung nach Ullersberg damals schon ein Kreuz.

Das Kreuz, zwischen 1875 und 1880 aufgestellt, soll von der Familie Schötz, die früher auf dem Hof der Familie Josef Nibler saß, wegen eines Augenleidens ihrer Kinder errichtet worden sein. Ab 1905 finden wir auf dem Schötz’n-Hof die Familie Preißl, dann ab 1915 die Familie Schuller, heute die Familie Josef Nibler.

Bei Nebel erfasste Zug den VW-Käfer

Wer nicht an der Kreisstraße 15 entlang in Richtung Leinsiedl gehen will, sollte den Weg zurück nach Haag einschlagen, nach links „Zu den Brunnen“ abbiegen, damit der Wandergenuss nicht von vorbeifahrenden Autos beeinträchtigt wird. Über den anschließenden Flurbereinigungsweg erreichen wir Unterleinsiedl. Im Tal befinden sich zwei Brunnen des 1951 gegründeten Wasserzweckverbandes Hohenkemnather Gruppe, die seit 1953 Wasser für viele Orte im Albgebiet um Ursensollen liefert.

In Unterleinsiedl überqueren wir die Kreisstraße AS 15. Nichts erinnert hier noch an die ehemalige Lokalbahn Amberg - Lauterhofen, die hier bis zum Abbau 1973 parallel der Kreisstraße lief. Ein Nebengleis für Holztransporte und eine Viehrampe ergänzten die Haltestelle. Am Freitag, 30. September 1955, fand in Unterleinsiedl der Landmaschinenmechaniker Ludwig Bernreuther den Tod. Beim Bahnübergang in Unterleinsiedl wurde sein VW-Käfer bei dichtem Nebel von einem Triebwagen erfasst und mitgeschleift. Ludwig Bernreuther wurde so schwer verletzt, dass er kurze Zeit darauf verstarb.

Königreich Bayern oder Unfall?

Einige Meter weiter findet sich auf der linken Seite eines der interessantesten Marterln auf Gemeindegebiet. Der fast 1,50 Meter hohe Bildstock aus Kalkstein mit einer Bildnische zeigt auf der Frontseite eine Kreuzblume und darunter die Jahreszahl 1805. Über die Errichtung des Bildstockes, der eine für den Landkreis ungewöhnliche Form besitzt, war nichts mehr in Erfahrung zu bringen. Hier zwei Theorien: Die Jahreszahl 1806 könnte auf die Gründung des Königreiches Bayern 1806 hinweisen. Das Marterl mit der Jahreszahl 1806 könnte aber auch an einen Unfall oder einen Todesfall während der vielen Truppendurchzüge in napoleonischer Zeit erinnern. Die eindrucksvolle Bildtafel aus Blech, Maria mit dem Kinde, mit der Unterschrift „Hl. Maria, bitte für uns!“ bemalte 1993 wieder Herbert Warzecha aus Sulzbach-Rosenberg.

In Unterleinsiedl findet sich eines der interessantesten Marterln auf Gemeindegebiet. Der fast 1,50 Meter hohe Bildstock aus Kalkstein mit einer Bildnische zeigt auf der Frontseite eine Kreuzblume und darunter die Jahreszahl 1805.

In Oberleinsiedl kommen wir an der Dorfkapelle vorbei und stoßen wieder auf den „Schweppermann-Radweg“. Entlang des Weges nach Hohenkemnath befinden wir uns auf der „Allee der grünen Stars“. Schlusspunkt der Wanderung ist in Hohenkemnath am nördlichen Ortsrand der Artenschutzturm.

Hintergrund:

Was sind Marterln?

Marterln sind religiöse, kleine Denkmäler, die oft an Wegen stehen. Sie sind häufig aus Holz oder Stein gefertigt und zeigen ein skulpturales oder gemaltes Votiv- oder Andachtsbild.

Die Motivation ist jener bei Wegkreuzen ähnlich: als Anstoß zum Gebet unterwegs, als Zeichen der Dankbarkeit für überstandene Gefahren oder Seuchen sowie zur Erinnerung an Unglücksfälle.

 

 

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