Hohenkemnather Reservisten gehen in Unfrieden aus dem Verband

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Normalerweise werden Kameradschaft und Geselligkeit bei den Reservisten in Hohenkemnath und dem Landkreis sehr hoch gehalten. Doch derzeit schießen diese nicht auf Wettkämpfen miteinander, sie legen aufeinander an - und zwar mit Vorwürfen.

RK-Vorsitzender Manfred Rösl (hinten) wurde im Rahmen der diesjährigen Jahreshauptversammlung vom KSK-Vorsitzenden Hermann Knauer (vorne) zum Ehrenvorsitzenden der RK ernannt.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Mit einem Paukenschlag hat vor kurzem die Reservistenkameradschaft (RK) Hohenkemnath den Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBw) verlassen und sich der Bayerischen Kameraden- und Soldatenvereinigung (BKV) angeschlossen. Als Begründung geben die Hohenkemnather Reservisten die Unzufriedenheit mit den Finanzen sowie "Bevormundungen durch den Kreisverband" an. Der Kreisvorsitzende des VdRBw, Bertram Gebhard, vermutet hingegen auch einen politischen Grund.

An sich sind die Hohenkemnather Reservisten zwei Verbände - das geht auch aus dem Namen hervor: RK/KSK Hohenkemnath. Bisher war die RK, also die Reservistenkameradschaft unter Vorsitz von Manfred Rösl im VdRBw organisiert. Die Krieger- und Soldatenkameradschaft KSK unter Hermann Knauer hingegen in der BKV. Hermann Knauer trat auch als Sprecher der gemeinsamen Gruppierung RK/KSK auf. Nun kam es nach Auskunft von Hermann Knauer und Kassier Achim Kuchenbecker über die Finanzen zum Zerwürfnis mit dem Dachverband. Konkret sei es um den sogenannten Revisionsbericht gegangen, präzisiert Kuchenbecker. "Das war früher eine einzige Seite", so sagt er. "Und jetzt haben sie plötzlich einen vier- oder fünfseitigen Bericht aufgesetzt." Niemand habe verstanden, welchem Zweck das dienen solle. "Das hat das Ganze einfach nur komplizierter gemacht."

Nur zehn von 30 Euro

Außerdem sei es um den Beitragsrückfluss auf das Konto der Hohenkemnather Reservisten gegangen, sagt Kuchenbecker. Genauer gesagt, um die Höhe dieses Rückflusses, ergänzt Vorsitzender Hermann Knauer im Gespräch mit der Amberger Zeitung. Der Mitgliedsbeitrag von 30 Euro pro Jahr sei nämlich vom Landesverband eingezogen und dann an die Ortsverbände weitergegeben worden. Allerdings nur zum Teil - lediglich zehn Euro seien in Hohenkemnath angekommen, 20 Euro seien für den Kreis-, Bezirks- und Landesverband einbehalten worden. "Wir haben denen also 105 Kündigungen gebracht", schildert Knauer das weitere Vorgehen.

"Wir haben uns einfach irgendwann überlegt, ob wir das überhaupt noch brauchen", sagt Kuchenbecker. Der sich vor allem darüber ärgert, dass sich der RK zwar zum Jahresende 2019 auflösen wollte, das Vereinskonto aber bereits im Oktober vom Landesverband gesperrt worden sei. "Wäre da ein größerer Betrag drauf gewesen, dann wäre das Geld jetzt weg." Trotzdem sei die Summe verloren, die die Gemeinde Ursensollen für die Kranzniederlegung am Volkstrauertag überwiesen habe. "Das ist ja schließlich Gemeindegeld."

Heftiger Widerspruch kommt vom Vorsitzenden des VdRBw-Kreisverband Oberpfalz-Mitte, Bertram Gebhard aus Poppenricht. So entspreche der Revisionsbericht für die Schatzmeister, den er übrigens anhand der Vorgaben des Landesverbands selbst entworfen habe, nur dem, was unbedingt notwendig sei. "Er ist aufgebaut wie eine Steuererklärung, selbsterklärend und am Rechner auch selbstkorrigierend." Außerdem habe er den Bericht für 2018 gemeinsam mit dem Hohenkemnather Schatzmeister Kuchenbecker ausgefüllt. "Er hätte also nur die neuen Zahlen eintragen müssen."

"Das war wohl ein bisschen zu sehr herausfordernd für manche", kann sich Gebhard eine gewisse Süffisanz nicht verkneifen. Er vermutet unter anderem, dass die RK Hohenkemnath wegen ihrer Altersstruktur das militärische Angebot des Verbandes ohnehin nicht mehr benötige und nicht zuletzt deshalb zur BKV gewechselt sei. Aber natürlich sei das Konto des Vereins sofort gesperrt worden, das sei bei Austritten aus dem Verband so üblich. "Danach ist der Kontakt leider abgebrochen." Denn natürlich hätte den Hohenkemnathern das Geld auf dem gesperrten Konto noch zugestanden. "Aber die haben sich ja nicht mehr gerührt."

Spielt Politik eine Rolle?

Bertram Gebhard vermutet aber noch einen anderen Grund hinter der Aktion, einen politischen. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Freien Wähler Poppenricht habe er nämlich bei der letzten Bürgermeisterwahl eine Empfehlung für den SPD-Kandidaten Roger Hofmann abgegeben, so sagt er. "Für die Person, nicht die Partei, wohlgemerkt." Nun seien die Hohenkemnather Reservisten aber eher CSU-nah - Kassier Achim Kuchenbecker kandidiert bekanntlich für den Bürgermeisterposten. "Ich denke, das hat auch eine Rolle bei der Entscheidung gespielt", sagt Gebhard. Dagegen verwahrt sich Kuchenbecker ausdrücklich. Mit Lokalpolitik habe dieser Vorgang rein gar nichts zu tun. „Das war eine Entscheidung der Vorsitzenden und der 120 Mitglieder.“

Das war wohl ein bisschen zu sehr herausfordernd für manche.

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