21.06.2018 - 16:52 Uhr

Wenn auf den Hügeln Feuer brennen

Heidnischer Brauch wird christliche Tradition. Johannisfeuer feiern den Geburtstag von Johannes dem Täufer.

Die rituellen Feuer zur Sommersonnenwende wurden zur Kirchentradition. exb
Die rituellen Feuer zur Sommersonnenwende wurden zur Kirchentradition.

Jetzt brennen sie wieder, die vielen Johannisfeuer auf den Hügeln auch der Oberpfalz. Doch was steckt hinter diesem uralten Brauch? Der eigentliche Anlass ist die Sommersonnenwende zwischen 20. und 22. Juni. Zwar versuchte man die Feier abzuschaffen, aber das gelang nicht. Wie so oft sollten hier alte, sogenannte „heidnische“ Bräuche mit Festen aus der christlichen Tradition überformt werden, in diesem Fall dem Geburtstag von Johannes dem Täufer, der angeblich am 24. Juni ist.

Das Datum des Johannistages leitet sich davon ab, dass Johannes nach dem Lukas-Evangelium sechs Monate vor Jesus Christus geboren sein soll. Johannes „der Täufer“ soll Jesus Christus getauft haben. Neben Jesus Christus und Maria ist Johannes deshalb der Einzige, dessen Geburtstag in der katholischen Kirche als Hochfest gefeiert wird.

Johannes war ein jüdischer „Bußprediger“, der um 28 nach Christus in Galiläa und Judäa auftrat. Er wirkte im palästinischen Judentum und hatte auch in der jüdischen Diaspora Anhänger. Ob es Johannes wirklich gab, ist umstritten, wird aber nach heute vorherrschender Ansicht durch den jüdischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus verbürgt.

Johannes wird im von Urchristen in griechischer Sprache verfassten Neuen Testament als Prophet der Endzeit und Wegbereiter Christi mit eigener Anhängerschaft dargestellt. Daraufhin verehrten in viele Kirchen als Heiligen. Auch im Islam gilt Johannes als der drittletzte Prophet vor Jesus und Mohammed.

Eines der größten Johannisfeuer der Region wird in Freudenberg im Landkreis Amberg-Sulzbach entzündet. Uli Piehler, der Heimatpfleger der Gemeinde Freudenberg: „Wir haben sogar einen Johannisberg, und oben steht ein dem Heiligen Johannes geweihtes Kirchlein. Früher war hier eine heidnische Kultstätte und ein keltischer Ringwall.“ Auch hier habe man früher rituelle Feuer zur Sommersonnenwende entzündet, die später von der Kirche übernommen wurden. Veranstalter ist heute die Katholische Landjugend Freudenberg.

„Die holen schon seit vier Wochen 15 bis 20 Fuhren trockenes Holz aus dem Wald.“ Am Samstag, 23. Juni, wird dann das Feuer angezündet, nachdem ein Standkonzert bei der Brauerei Märkl abgehalten wurde. Abmarsch zum Berg ist um 21 Uhr. (moh)

Info:

Die Sonnenwende

Die Sommersonnenwende ist nicht überall ein religiös überprägtes Fest. In Schweden etwa zählt „midsommar“ neben Weihnachten zu den wichtigsten Familienfesten des Jahres, ohne Bezug zu einer Religion zu nehmen. Gefeiert wird hier der längste Tag des Jahres, der bekanntlich oberhalb des Polarkreises dazu führt, dass die Sonne nicht untergeht. Aber auch weiter im Süden zieht sich der Sonnenuntergang in den Tagen vor der Sommersonnenwende immer länger hinaus.

Der Grund dafür liegt in der schrägen Drehachse der Erde. Durch den Kreiseleffekt ist diese stabil. Die Jahreszeiten entstehen durch die unterschiedliche Ausleuchtung der beiden Erdhalbkugeln, also die verschiedenen Winkel, in denen die Sonnenstrahlen auf der Erdoberfläche ankommen. Je steiler der Einfallswinkel, desto mehr Energie wird übertragen, sprich, es ist Sommer auf der jeweiligen Halbkugel. Am 21. Juni, der Sommersonnenwende, befindet sich die Sonne auf 23 Grad 27 Minuten nördlich des Äquators. Von diesem Tag an geht die Sonne wieder immer weiter südlich auf, bis sie am 21. Dezember, der Wintersonnenwende, mit 23 Grad 27 Minuten südlich des Äquators ihren südlichsten Punkt erreicht hat. (moh)

Info:

Tiere vor dem Tod im Feuer retten

Meist schon Wochen vor dem Termin des Sonnwendfeuers beginnen die Organisatoren mit dem Errichten der Holzstapel. Zeit genug für viele Tierarten, sich darin einen vermeintlich sicheren Unterschlupf zu suchen. Naturschutzverbände wie der Landesbund für Vogelschutz (LBV) bitten eindringlich darum, die Reisighaufen vor dem Abbrennen zu überprüfen, damit Igel und andere Tiere nicht in den Flammen ums Leben kommen.

Igel, Mäuse, Marder und Amphibien nutzen die Holzstapel gerne als Wohnquartiere. „Außerdem brüten einige Vogelarten wie Zaunkönig, Rotkehlchen und Heckenbraunelle sehr gern in solchen Haufen“, teilt der LBV mit. Igel laufen bei Lärm nicht weg, „sondern ducken sich erst Mal und warten ab“.

Der LBV rät, das Brennmaterial vor dem Feuer umzuschichten. Wo dies nicht möglich sei, helfe der Einsatz eines Ultraschallgerätes, das zum Beispiel als Marderschreck verwendet werde, die Tiere zu vertreiben und somit zu retten. Grundsätzlich sollte mit dem Aufschichten so spät wie möglich begonnen werden. Dadurch werde verhindert, dass sich Kleintiere und Vögel überhaupt erst darin ansiedeln könnten. Falls ein Haufen schon vorher aufgebaut werden müsse, könne der Zugang für die Tiere mit Netzen oder engmaschigen Zäunen versperrt werden.

Ist bekannt, dass länger aufgeschichtete Holz- oder Reisighaufen von Tieren als Brut- und Wohnstätte genutzt werden, so dürfen diese nicht mehr durch Abbrennen zerstört werden, da Wildtiere durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt sind. Beobachten genügend Zeugen den Flammentod von Wildtieren, kann es für den Veranstalter teuer werden: Derartige Ordnungswidrigkeiten können mehrere tausend Euro kosten. (nd)

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