26.08.2021 - 17:28 Uhr
Hütten bei GrafenwöhrOberpfalz

Deshalb baut die Ziegler-Group in Hütten

Das neue Werk der Ziegler-Group soll in Hütten entstehen. Mehrere Gründe waren ausschlaggebend für die Region um Grafenwöhr. In Bärnau macht man sich derweil weiter Hoffnungen.

Auf dem Areal im Industriegebiet Hütten soll das neue Werk der Ziegler-Group entstehen.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Von Matthias Schecklmann und Armin Eger

Die Gerüchte haben sich bestätigt – Hütten soll die neue Heimat des geplanten Holzfaserdämmplattenwerks der Ziegler-Group werden. Das teilte das Unternehmen in einer Pressemitteilung am Mittwochabend mit. Eigentlich sollte Bärnau der neue Standort werden, doch dort formierte sich zunächst Widerstand gegen das Projekt. Trotz eines Bürgerentscheids, der letztlich für die Ansiedlung des Unternehmens ausfiel, entschied sich die Ziegler-Group gegen den Standort Bärnau.

Nun wird es also Hütten bei Grafenwöhr. Die Entscheidung fiel „auch aufgrund der sehr guten Zuarbeit der Stadt Grafenwöhr“, heißt es vonseiten der Firma. Bürgermeister Edgar Knobloch gibt das auch offen zu: „Wir haben uns total um die Ziegler-Group bemüht. Für ein solches Unternehmen aus der Region rolle ich gerne den roten Teppich aus. Die klaren Firmenverhältnisse und der Expansionskurs sprechen absolut für die Ziegler-Group.“

Kontakte schon 2019

Bereits 2019 gab es laut Knobloch erste Kontakte zum Plößberger Unternehmen. Schon damals bot er das Industriegebiet Hütten an, doch aus den „guten Gesprächen“ ergab sich damals nichts. „Vielleicht hat uns das ja jetzt geholfen“, mutmaßt der Grafenwöhrer Bürgermeister. Den ersten Kontakt zur Ziegler-Group wegen des Standorts Hütten hatte er Mitte Mai 2021. Ende Mai strich das Unternehmen die Investition in Bärnau.

Als Gründe für den Rückzug noch vor dem Bürgerentscheid über die Ansiedlung gab das Unternehmen damals an, dass zu viel Zeit verloren gehen würde. Die Bauarbeiten hätten noch 2021 starten können, 2022 hätte bereits produziert werden sollen. Ob das aber auch in Hütten möglich sein wird, kann auf Nachfrage keiner beantworten.

Denn bevor das Projekt, das 100 Arbeitsplätze schaffen soll, umgesetzt werden kann, steht noch viel Arbeit an. Das Areal ist noch nicht voll erschlossen, auf großen Teilen ist derzeit noch Wald, der gerodet werden muss. „Die Planungen laufen“, erklärt Knobloch. „Wir sind gerade dabei den Bebauungsplan zu ändern und es stehen noch Erschließungsmaßnahmen aus. Außerdem wird die Parzellierung so geändert, dass auch andere Anlieger Vorteile haben, sollten sie expandieren wollen.“ Die Änderung des Bebauungsplans beinhaltet unter anderem die Erhöhung der Grundflächenzahl von 0,6 auf 0,8 und die Aufhebung der Grenze von 10 Metern für die Höhe von Gebäuden. Knobloch verspricht sich davon eine bessere Nutzung des Gewerbegebiets und mehr Möglichkeiten für Bebauung.

Etwa 20 Hektar

„Ja, das Gebiet ist noch nicht voll erschlossen, aber vielleicht war das auch ein Vorteil, denn nun kann frei geplant werden“, meint der Bürgermeister. Die Fläche, welche die Ziegler-Group in Hütten nutzen wird, hat sich wohl vergrößert. Waren es in Bärnau noch 12 Hektar, ist nun im Gewerbegebiet Hütten von um die 20 Hektar die Rede.

Die Ziegler-Group nennt als Vorteile für den Standort Hütten neben der vorhandenen Fläche auch die „Nähe zu bestehenden Standorten in Pressath“ und „eine gute Verkehrsanbindung in alle Richtungen“. Der ursprüngliche Standort in Bärnau habe mit Hinblick auf die Kapazitäten „nicht mehr als die passende Lösung“ erwiesen. Das komplette Aus für einen Standort Bärnau bedeutet das laut Unternehmen aber nicht: Man habe das positive Votum beim Bürgerentscheid registriert und sehe weiterhin Potenzial.

Darauf verlässt sich auch Bärnaus Bürgermeister Alfred Stier, der hoffnungsvoll den weiteren Entscheidungen der Firma Ziegler entgegensieht. Mit dem Ergebnis des Bürgerentscheids und der komplett fertigen Bauleitplanung in nur fünfeinhalb Monaten „haben wir Ziegler das maximalste Zeichen gegeben, das wir geben konnten“. Stier sehe Bärnau nicht als Verlierer: „Wir werden punkten“, sagt er.

Kein Neid auf Grafenwöhr

Dies bestätigt für ihn die Aussage von Stefan Ziegler, dass dieser am Standort Bärnau für andere Projekte großes Potenzial sehe. Das sei ein Signal an die Bürger. Stier hofft, dass Ziegler relativ bald in der Stadt investiert. Er verstehe auch die Gründe des Unternehmens gegen Bärnau, da „Am langen Rain“ zwar die 12 Hektar Fläche ausreichen würden, aber die angedachte geplante Steigerung der Kapazität nicht möglich gewesen wäre.

Neidisch sei er nicht auf den Grafenwöhrer Bürgermeister. „Ich vergönne jedem das Doppelte, das er mir vergönnt. Wenn er 10 Millionen Gewerbesteuer hat, dann gebe ich mich mit 5 Millionen Euro zufrieden.“ Die Aussage „Wir finden in NEW bestimmt eine geeignete Fläche“, des Neustädter Landrats Andreas Meier auf Facebook nach der Ankündigung des Bürgerbegehrens in Bärnau habe natürlich für sehr starke Diskussion gesorgt.

Aus in Bärnau vor Bürgerentscheid

Denn als im Dezember 2020 bekannt wurde, dass die Ziegler-Group ein großes Projekt in Bärnau plant, war die Begeisterung groß. Von einer Jahrhundertchance sprach Bürgermeister Stier. Aber nicht alle Bärnauer jubelten über das Vorhaben im Gewerbegebiet. 45 Anwohner hatten Bedenken. Es gründete sich eine Bürgerinitiative. Ein Bürgerbegehren wurde für den 20. Juni initiiert.

Bereits am 25. Mai verkündete die Ziegler-Group das Aus für das Projekt in Bärnau, ohne wirklich genau die Gründe zu nennen, jetzt ist klar: Schon vor diesem Zeitpunkt gab es wohl Kontakt mit dem Grafenwöhrer Bürgermeister. Die Bärnauer wussten von all dem nichts, und Stier hoffte immer noch auf eine Ansiedlung des Plößberger Unternehmens. Grundlage sollte auch der Bürgerentscheid sein, der mit 80,5 Prozent für das Gewerbegebiet ausfiel. Seit Mittwoch, 25. August, herrscht Gewissheit: Das Holzfaser-Dämmplattenwerk wird im Gewerbegebiet Hütten bei Grafenwöhr entstehen.

Die Ziegler-Group reagierte auf weitere Nachfragen bezüglich Investitionsvolumen oder der genauen Fläche, die das neue Werk in Hütten einnehmen soll, am Donnerstag nicht. Auch die Frage, was mit dem Gelände in Bärnau passieren soll, blieb unbeantwortet.

Ziegler-Group streicht 60-Millionen-Projekt in Bärnau

Bärnau

Ziegler-Group baut neues Werk bei Grafenwöhr

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Oberpfalz
Info:

Chronik des Ziegler-Projekts in Bärnau

  • Dezember 2020: Im Bärnauer Stadtrat wird bekanntgegeben, dass die Ziegler-Group ein Holzfaser-Dämmplattenwerk und 40 Holzhäuser plant
  • Vorgesehener Baubeginn: Mitte 2021
  • Produktionsbeginn 2022
  • Investitionsvolumen: rund 60 Millionen Euro
  • Flächenbedarf: 12 Hektar. Die Ziegler-Group ist Eigentümer des Grundstücks
  • 80 bis 100 Arbeitsplätze sollen neu entstehen
  • 3. Mai 2021: 45 Anwohner des Wohngebietes „Am Kellerberg“ übergeben eine Unterschriftenliste gegen das Projekt an Bürgermeister und Stadtrat
  • 21. Mai 2021: Die Bürgerinitiative bringt die geforderten Unterschriften für den Bürgerentscheid bei
  • 25. Mai 2021: Die Ziegler-Group gibt bekannt, dass sie das Holzfaser-Dämmplattenwerk in Bärnau nicht baut
  • 20. Juni 2021: Beim Bürgerentscheid stimmen 80,5 Prozent für das geplante Gewerbegebiet
  • 22. Juni 2021: Der Stadtrat schließt in einer Sondersitzung die Bauleitplanung für das Gewerbegebiet ab
  • 25. August 2021: Die Ziegler-Group gibt bekannt, dass sie das Holzfaser-Dämmplattenwerk im Industriegebiet Hütten bei Grafenwöhr baut

 

 

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