09.10.2020 - 09:08 Uhr
Hütten bei GrafenwöhrOberpfalz

Ultramarathon: Manuel Palecki läuft zwei Mal um den Truppenübungsplatz Grafenwöhr

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Es ist eine riesige Leistung. Zwei Mal umrundet Manuel Palecki im Laufschritt den Grafenwöhrer Truppenübungsplatz. 166 Kilometer am Stück lässt der Marathonläufer dabei hinter sich – in weniger als 19 Stunden.

Manuel Palecki hat es fast geschafft. Nur noch das letzte Stück des Ultramarathons wartet auf den 30-Jährigen. Seine Begleiter lassen ihn dabei nicht allein.
von Jürgen MaschingProfil

Am Tag nach seinem Lauf arbeitet Manuel Palecki schon wieder im Garten. Dass er fast 24 Stunden zuvor einen Marathon um den Truppenübungsplatz Grafenwöhr gelaufen ist, sieht man ihm nicht an. Der Hüttener wollte aber nicht nur einen "normalen" 42-Kilometer-Marathon laufen. Nein, es sollte ein Ultramarathon sein - eine Strecke, die noch länger als eine Marathon-Distanz ist. Das sind in Paleckis Fall 166 Kilometer.

Der 30-jährige Sportler läuft seit über fünf Jahren regelmäßig. Fast jeden Tag ist er unterwegs, ob mit dem Fahrrad in die Arbeit nach Parkstein oder einfach mal eine 20-Kilometer-Runde zu Fuß. „Meine Frau kennt mich nicht anders und unterstützt mich auch“, sagt Palecki. Und so bereitet er sich jedes Jahr auf verschiedene Ultramarathons vor.

Aber wenn man über 18 Stunden mit sich alleine unterwegs ist, dann kennt man sich erst selbst.

Manuel Palecki

So auch in diesem Jahr auf den "Goldsteig Ultrarace", der Mitte September hätte stattfinden sollen. Die Strecke sollte von Marktredwitz bis Neunburg vorm Wald auf einer Länge von 160 Kilometer durch die Landschaft führen. Doch aufgrund der Corona-Pandemie musste der Marathon kurzfristig doch abgesagt werden. „Nun hatte ich ein halbes Jahr darauf hintrainiert. Was tun?“, sagt sich Manuel Palecki. Dann kommt ihm die Idee: Er absolviert einfach allein einen Ultramarathon. Als Anregung nimmt er den 110. Geburtstag des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr. „Dieser führt direkt an der Haustüre vorbei“, erklärt der Sportler seine Streckenwahl. Einmal rund um den Truppenübungsplatz sind etwa 83 Kilometer – noch zu wenig für Palecki. Mit einer zweiten Runde sind es schließlich 166 Kilometer, sogar noch etwas mehr als beim "Goldsteig Ultrarace". Zur Vorbereitung fährt er zunächst die Strecke mit dem Fahrrad ab, um diese kennenzulernen. Dann schnürt er die Laufschuhe.

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Mit seinen Gedanken allein

Um 18 Uhr geht es los. Von Hütten über Kaltenbrunn, Freihung, Vilseck nach Königstein. Dort durch den Wald nach Nitzlbuch, Auerbach, Degelsdorf nach Altzirkendorf. Weiter nach Kirchenthumbach, Eschenbach, Grafenwöhr wieder nach Hütten. Danach die zweite Runde. „50 Prozent Straße, 30 Prozent Radwege und der Rest Schotterwege. Schwer ist sie eigentlich nicht, aber es waren trotzdem 1500 Höhenmeter.“ Als anstrengendste bleibt ihm die Strecke von Degelsdorf nach Altzirkendorf in Erinnerung, wo er mit dem Höhenunterschied doch so seine Probleme hat. Und auch mit seinen Gedanken während des Laufes. „Jeder meint, sich selbst zu kennen. Aber wenn man über 18 Stunden mit sich alleine unterwegs ist, dann kennt man sich erst selbst. Da kommt man auf Gedanken, ohne zu wissen, wo dieser überhaupt herkam.“

Es gibt aber auch schöne Erinnerungen: den Sonnenaufgang beispielsweise, und die Unterstützung, die er während des Laufes erfährt. „Es war immer wer dabei, ich war nie alleine.“ Auch nach der ersten Runde, als er im Hof eine längere Pause einlegt und die Kameraden der Feuerwehr ihn empfangen. Sie stehen am Ende auch am Ziel und begrüßen Palecki.

Einfach ausprobieren

„Ich habe mir eine Zeit von unter 19 Stunden vorgenommen", sagt der Sportler. Geschafft hat er die 166 Kilometer in 18 Stunden und 42 Minuten. Stolz ist er auch auf den Eintrag bei „Fastest Known Time“, einer Webseite, wo Trailrunner ihre Strecken selbst eintragen können. Bedanken möchte er sich bei allen, die ihn unterstützt haben, von seinem Begleiter Markus, bis hin zur Feuerwehr Hütten und seinem Patenkind.

Auf die Frage, wieso er sich für so einen Lauf entschieden hat, muss Palecki lachen. „Die Frage kommt immer wieder, sie ist auch schwer zu erklären. Man fängt an zu laufen, immer mehr und immer mehr. Irgendwann liest man etwas über den Marathon, Ultramarathon. Und ich bin ein Typ, der muss das dann auch probieren.“ Die Vorbereitungen für das nächste Jahr laufen auch schon wieder. Und mal sehen, vielleicht sieht man Manuel Palecki auch im nächsten Jahr um den Truppenübungsplatz Grafenwöhr laufen.

Endlich im Ziel: Nach 18 Stunden und 42 Minuten hat Manuel Palecki die 166 Kilometer hinter sich gebracht.
Das Wichtigste neben der Unterstützung ist natürlich die Verpflegung. "Jeder hat so seine eigenen Vorlieben", sagt Manuel Palecki.

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