11.05.2021 - 14:23 Uhr
Hundsbach bei WaldsassenOberpfalz

Erster Wolfsabwehrzaun im Jagdrevier Münchenreuth

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Anton Schicker darf seine Schafe auf der Weide unweit seines Anwesens in Hundsbach nun sicher wissen. Die Tiere stehen in einer Umfriedung, die Wolfsangriffe abweisen soll.

Anton Schicker hat auf seinem Grundstück bei Hundsbach einen Herdenschutzzaun errichten lassen. Von links der Hobby- und Nebenerwerbslandwirt zusammen mit Jagdherr Willi Robl, Hundeführer Otto Hecht und Hubert Schicker, Vorsitzender des Hegerings Münchenreuth.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

"Wir sind jetzt Wolfsgebiet", verdeutlicht Anton Schicker seine Ansicht, wonach die Neuanschaffung auf seinem Grundstück in der Nähe von Hundsbach in Richtung Waldsassen unvermeidlich sei. Auf der Wiesenfläche zwischen Wondreb und Waldrand, in der Nähe der Talstation der Skianlage, hat der Hobby- und Nebenerwerbslandwirt einen Herdenschutzzaun errichten lassen.

Eine Fachfirma aus Baden-Württemberg hatte die Umfriedung mit einem 500 Meter langen Zaun und einem Gatter errichtet. Bei einem Ortstermin präsentiert Schicker seinen Jagdkollegen die Zaunanlage: Strom führt sie noch nicht, auch sind noch keine Tiere auf der rund ein Hektar großen Weide. Doch künftig soll die Anlage bis zu 20 Schafe innerhalb der Einfriedung vor Wolfsattacken schützen.

Zu 100 Prozent gefördert

"Der Zaun wird zu 100 Prozent gefördert", erklärt Schicker und beziffert die Kosten auf rund 12.000 Euro. "Für den Wolf ist ein großer Topf da." Der Landwirt ist froh darüber.

"Ich hätte den Zaun auch so gebaut", sagt Schicker, der das Material für den Zaunbau in Eigenregie und auf eigene Kosten schon geordert hatte. Denn er als Tierhalter habe eigentlich nur zwei Möglichkeiten, sagt Schicker. "Entweder ich gebe meine Schafe zum Schlachten oder ich baue diesen Zaun. Was will ich denn sonst machen?"

Der Wolf hat entschieden

"Wir haben das Thema schon länger", sagt Schicker über die Debatte. "Wir haben die Grundsatzdiskussion geführt über den Wolf." Dieser aber habe sich längst entschieden. "Ihm gefällt es hier, er bleibt da." Für Landwirte bedeute dies, für das Tier Lebensraum zu schaffen. "Deshalb müssen wir unsere Herden schützen."

"Vielleicht bringt es der Wolf fertig, den Freizeitdruck wieder aus dem Wald zurückzudrängen."

Jäger und Hobby-Landwirt Anton Schicker

Dies müsse man jeden Bauer ans Herz legen, damit dieser ebenfalls seine Tiere schützt. „Dafür ist auch der Fördertopf da“, so Schicker über die von ihm genutzte Möglichkeit. "Das muss man annehmen, wir haben den Wolf zu akzeptieren."

Mountainbike-Trails

Schicker erklärt, dass er am Anfang etwas skeptisch gewesen sei im Hinblick auf den Wolf. "Aber irgendwo freut es mich auch, dass er da ist", so der Hobbylandwirt und Jäger. Er sieht in dieser Aufgabe vor allem auch die Hege als besondere Herausforderung und sagt mit einem Augenzwinkern: "Vielleicht bringt es der Wolf fertig, den Freizeitdruck wieder aus dem Wald zurückzudrängen."

Damit geht Schicker auch auf die aktuelle Entwicklung ein, die ihn und seine Jagdkollegen auf die Barrikaden bringt: Die Stadt Waldsassen will in Zusammenarbeit mit den Staatsforsten im Freistaat Mountainbike-Trails ausweisen – einen davon in der Nähe von Hundsbach, direkt am neuen Herdenschutzzaun auf Schickers Grund.

Mittel des Umweltressorts

"Das ist aktuell im Landkreis", so ein Sprecher des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Tirschenreuth im Hinblick auf den Bau von Herdenschutzzäunen und der Förderung. Die Behörde bearbeitet die Zuschussanträge; die finanziellen Mittel werden vom bayerischen Umweltministerium bereitgestellt.

Die Förderkulisse, wonach für Herdenschutzmaßnahmen gegen den Wolf finanzielle Mittel fließen, wurde zu Beginn des Jahres angepasst, "je nach Sichtung", wie es heißt. Mit Ausnahme der Gemeinde Mähring seien inzwischen alle Kommunen im Landkreis Tirschenreuth in das Programm „Investition Herdenschutz Wolf“ aufgenommen.

Zuerst im westlichen Landkreis

Den Angaben zufolge sind bisher im Landkreis Tirschenreuth 14 Herdenschutzprojekte gefördert worden, der größere Anteil im westlichen Landkreis, darunter im Raum Erbendorf. Nach der Ausweitung der Förderkulisse werden auch Antragsteller in den östlicheren Regionen berücksichtigt – darunter Tierhalter in Mitterteich, Triebendorf oder bei Münchenreuth.

"Das hat schon an Fahrt aufgenommen", heißt es beim AELF über die Anzahl der Förderanträge. Komplette Anlagen würden nun aber nicht mehr finanziert; inzwischen gebe es einen festen Zuschussbetrag pro Meter Zaun.

Immer öfter tauchen Wölfe in der Region auf und reißen Tiere

Hohenfels
Hintergrund:

10.000 Volt Stromspannung auf dem Herdenschutzzaun

  • Der rund 1,40 Meter Herdenschutzzaun steht unter Strom: 10.000 Volt Spannung führen die über die gesamte Länge quer verlaufenden sieben Elektrolitzen. Die unterste verläuft dicht über dem Boden, weshalb auch kein Unterwühlschutz nötig ist. Menschen sollen bei Berührungen des Weidezauns nicht zu Schaden kommen, wie es heißt.
  • Die Stromversorgung des Zauns ist immer in Betrieb. Für die Schafe soll der Zaun ungefährlich sein.

 

 

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