14.10.2019 - 16:01 Uhr
IllschwangOberpfalz

Grünes Kreuz: Bauern-Sorgen empfangen Minister Albert Füracker in Illschwang

Die Wut und Angst der Landwirte richtet sich gegen das auf Bundesebene beschlossene Agrarpaket. Dafür stehen die grünen Kreuze. Junglandwirte in Illschwang machen damit einen prominenten Gast auf ihre Sorgen aufmerksam.

Die Lage ist ernst – dennoch gab es ein Lächeln für Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (Dritter von links) vor dem grünen Kreuz in Illschwang. CSU-Ortsvorsitzender Henner Wasmuth, Bürgermeister Dieter Dehling (von links) und Stefanie Roth im Kreis einiger Junglandwirte machten den Besucher auf ihre Nöte aufmerksam.
von Norbert WeisProfil

Finanz- und Heimatminister Albert Füracker war am Sonntag in Illschwang bei einer Veranstaltung mit dem Titel "Politik vor Ort". CSU-Ortsverband und Junge Union Amberg-Sulzbach hatten dazu eingeladen. Am Dorfplatz erwarteten Junglandwirte aus Illschwang und Birgland den Minister. Sie hatten an einem Baum ein großes grünes Kreuz aufgestellt. Daneben standen Gummistiefel.

Rückendeckung gefordert

Als Sprecherin der Interessengemeinschaft betonte Stefanie Roth, die Junglandwirte wollten auf die sehr angespannte Lage hinweisen. Sie hoffe, dass Füracker als jemand, der selbst einen landwirtschaftlichen Betrieb geführt hat, den Unmut verstehen kann. Gegenwärtig würden die Landwirte als Klimazerstörer, Umweltvergifter, Tierquäler und als Wasserverseucher an den Pranger gestellt: Es sei höchste Zeit, dass die Politik sich hinter sie stelle.

In der Öffentlichkeit müsse mehr geschätzt werden, "dass wir in Deutschland die am besten kontrollierten Lebensmittel erzeugen, die Kulturlandschaft pflegen und erhalten, Tiere mit viel Leidenschaft und Herzblut versorgen sowie Kindern beibringen, Natur und Umwelt zu schätzen und damit sorgsam umzugehen".

"Wenn die Gummistiefel leer sind, verwildern die Äcker": Darauf machte Roth aufmerksam. Die Teller der Bevölkerung wären dann zwar weiterhin voll, aber nicht mehr mit regional erzeugten Lebensmitteln. Sie übergab Albert Füracker "als Gedächtnisstütze" ein Agrarpaket - mit Lebensmitteln, erzeugt von regionalen Landwirten. Käse, Marmelade, ein Glas mit Wurst und eins mit Honig: Alles, was auf ein handwerklich hergestelltes Brot passe und was es auch in den Gemeinden Illschwang und Birgland gebe, sagte Roth. Dem Paket lag auch ein Brief bei, der nicht nur an Füracker, sondern auch an Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber gerichtet war.

CSU-Ortsvorsitzender Henner Wasmuth im Gespräch mit Minister Albert Füracker.

Füracker zeigte vollstes Verständnis für die Junglandwirte. Er selbst habe 23 Jahre lang in Lupburg einen Hof geführt. Es sei sehr wichtig, dass Bauern in der Öffentlichkeit Anerkennung und Wertschätzung finden. Er wandte sich entschieden dagegen, gerade auf diese Berufsgruppe einzuprügeln. Der Aspekt der regionalen Produktion sei eminent wichtig, betonte Füracker. Positive Beispiele seien die Regional- und Bauernmärkte, die in den Städten immer mehr im Kommen seien. Für Regionalität zahle der Kunde etwas mehr als beim Discounter. Der Minister forderte aber auch die Landwirte auf, sich anzustrengen und mit entsprechenden Ideen die Bürger für ihre Ziele zu gewinnen. Und er wies darauf hin, dass Bayern hohe finanzielle Aufwendungen in diesen Bereich aufbringe.

Minister zeigt Verständnis

Info:

Die grünen Kreuze

Überall sind auf den Feldern in Deutschland inzwischen grüne Kreuze zu sehen. Seit dem Beschluss des Agrarpakets der Ministerien geht in vielen landwirtschaftlichen Betrieben die Angst um, dass damit jegliche Produktion auf dem Acker und im Stall erschwert oder in Einzelfällen sogar unmöglich gemacht wird.

Die geplanten Maßnahmen greifen nach Auffassung der Kritiker massiv in die Eigentumswerte der Landwirte ein. Einzelne Flächen würden wertlos und könnten nicht mehr für die Nahrungsmittelproduktion genutzt werden.

Die Folge wäre, dass Lebensmittel aus dem Ausland importiert werden, ohne Rücksicht darauf, wie sie erzeugt worden sind, fürchten die Landwirte. Die Versorgung der Bevölkerung mit regionalen Produkten wäre gefährdet. Dies könne nicht im Sinn des Verbrauchers sein. Die grünen Kreuze sollen als Mahnung an die Gesellschaft verstanden werden, sich den Wert der heimischen Landwirtschaft bewusst zu machen.

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