25.03.2020 - 17:45 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

Beide Kandidaten beim Rathaus einig

Thomas Kaufmann (CSU, Freie Wähler) und Adrian Scheitler (Immenreuther Wählergemeinschaft) wollen Chef im Immenreuther Rathaus werden. Vor der Stichwahl am Sonntag, 29. März, erläutern beide ihre Standpunkte bei gewissen Themen.

Nach Ansicht von Thomas Kaufmann (CSU/Freie Wähler) soll ein Gremium die Aktionen der Vereine bündeln und besser vernetzen.
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Was das Rathaus anbelangt, ist Adrian Scheitlers Haltung eindeutig. "Wir sollten die Alternative Sparkasse nutzen." Dann könnte dort nach kleineren Sanierungs- und Umbauarbeiten die Verwaltung einziehen. Der IWG-Kandidat spricht sich gegen Komplettsanierung und Neubau des Rathauses, aber für dessen Umwandlung in ein Bürgerhaus aus, was zu 90 Prozent gefördert werde. Nach Abriss der alten Lehrerwohnung könnte das Gebäude Vereinen, für Gemeinderatssitzungen oder der Schule zur Betreuung von Ganztagsschülern überlassen werden.

Dann ohne Verwaltung vor Ort

Adrian Scheitler (IWG) will den Ehrenamtlichen in der Gemeinde einen Ansprechpartner als Berater zur Seite stellen.

Ähnlich sieht es Thomas Kaufmann. Für ihn scheiden ebenfalls Sanierung oder Neubau des Rathauses aus, angesichts erwarteter Kosten von jeweils geschätzten zwei bis drei Millionen Euro, für die es keine Zuschüsse gebe. Daher sei "mein Favorit das Sparkassengebäude". Es sei mit geringem Aufwand umzurüsten, und mit der untergebrachten Praxis könne die zahnärztliche Versorgung langfristig gesichert werden. "Damit würde man mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen." Aus dem Rathaus könnte ein "Haus der Dorfmitte" für die Jugend- oder Seniorenarbeit werden.

Geprüft werden könne als vierte Variante der Beitritt zur VG-Kemnath, aber dieser "liegt nicht in unserer Hand". Wie die Mitgliedsgemeinden Kemnath und Kastl müsste dazu unter anderem die Regierung zustimmen. Sollten all diese Stellen einem entsprechenden Antrag stattgeben, "dann gibt's keine Verwaltung mehr in Immenreuth", gibt Kaufmann zu bedenken. Ebenso seien die erzielbaren Einsparungen nicht seriös zu berechnen.

Doch gerade von Zahlen und Fakten aufgrund von Berechnungen des kommunalen Prüfungsverbandes macht Scheitler einen möglichen VG-Beitritt abhängig. Dieser müsse sich "langfristig gesehen lohnen". Ein Beitritt wäre "ein so großer Einschnitt", der mit den Bürgern besprochen werden sollte.

Obwohl in dieser Saison keinen Tag in Betrieb, möchte der IWG-Bewerber am Tannenberglift festhalten. Der Freizeiteinrichtung stehe der Förderverein Skilift Tannenberg zur Seite. Sie solle daher, "solange es keine größeren Reparaturmaßnahmen, die richtig Geld kosten, gibt", erhalten werden. Um etwaige Fördertöpfe anzuzapfen, möchte er mit Liftbetreibern im Fichtelgebirge sprechen. Auch gibt Scheitler zu bedenken: Eine Schließung des Liftes wäre ein tiefer Einschnitt für die dortige Bergwacht.

Für Kaufmann liegt es in der Natur von Freizeiteinrichtungen, dass sie einer Kommune ein Defizit bescheren. Auch der gemeinsame Kandidat von CSU und Freien Wählern würdigt den personellen sowie finanziellen Einsatz des Fördervereins für den Lift, der "der auch ein Stück Lebensqualität darstellt" und der sehr gut angenommen werde, wenn es die Witterung zulasse. Sollten jedoch große Investitionen anstehen, müsse mit dem Förderverein gesprochen werden. "Aktuell ist hier aber keine Schließung angedacht."

Neue Bauplätze verschlafen

Nachholbedarf sehen Kaufmann und Scheitler in Sachen Wohnraum/Bauland. "Vor acht bis zehn Jahren ist verschlafen worden, ausreichend Bauplätze zur Verfügung zu stellen", kritisiert Letzterer. Das damals ausgewiesene Baugebiet im Kemnath sei voll, Gleiches gelte für Kulmain. "Alle anderen sind gewachsen, wir sind geschrumpft", klagt der Vorsitzende der Feuerwehr Punreuth mit Blick auf die Nachbargemeinden. Dabei liege Immenreuth günstig. Mit Bahnhof, Schule, Kirche und Kindergarten sei alles Wichtige vorhanden. "Die Leute wollen hier bleiben", aber freie Wohnungen gingen in kürzester Zeit unter der Hand weg.

Noch am Anfang sieht Kaufmann die Gemeinde bei der Innerortsentwicklung. "Wir haben hier Leerstände, da müssen wir ran." Neben der Schaffung von Wohnraum sind nach Meinung des Kämmerers auch die Straßensanierungen jahrelang aufgeschoben worden. Es sei halt der Schwerpunkt unter anderem auf die Sanierung der Schule gelegt worden: "Das holt uns jetzt ein." Doch inzwischen seien 5 Straßenbauprojekte in der Pipeline, mit denen heuer noch begonnen werde.

Hochhalten wollen beide Konkurrenten um das Bürgermeisteramt das Ehrenamt. Kaufmann schwebt die Schaffung eines Budgets, beispielsweise für Vereine, die sich am Ferienprogramm beteiligen, vor. Darüber könnte ein kleines Gremium aus Vereinsvertretern und Jugendbeauftragter frei verfügen. Zudem sei es dann eine zentrale Anlaufstelle, um die bisher schon vielfältigen Aktivitäten zu bündeln, weiter zu vernetzen und den Ehrenamtlichen die Arbeit zu erleichtern.

Scheitler denkt dagegen an einen Ehrenamtsbeauftragten als Ansprechpartner der Gemeinde, der auch in Sachen Zuschüsse beraten könnte. Geschnürt werden könnte zudem ein "Ehrenamtspaket" für alle hier engagierten Bürger mit 20er-Karte für den Skilift, freiem Eintritt ins Naturerlebnisbad und weiteren Vergünstigungen von Einrichtungen der Umgebung. Statt wie bisher die Teilnahme am Ferienprogramm eines externen Anbieters zu bezuschussen, möchte Scheitler teilnehmenden Vereinen "eine angemessene Förderung zukommen lassen". Ein solches Ferienprogramm diene diesen ebenfalls zur Nachwuchsgewinnung und entlaste die Eltern.

Wahlkampf seit Tagen beendet

Sowohl für Scheitler als auch für Kaufmann ist der Wahlkampf im Hinblick auf die Stichwahl gelaufen. Die IWG habe das Mitte vergangener Woche beschlossen - ebenso die Gründung des Bürgernetzwerkes, um in der Coronakrise Hilfe zu leisten. Nur noch diese Gemeinschaftsarbeit werde auf Facebook, wo der ganze Wahlkampf "on top" bestritten worden sei, veröffentlicht. "Ansonsten sind nur noch ein paar Wahlplakate draußen", sagt Scheitler

Direkt nach dem ersten Wahlgang am 15. März sei geplant gewesen, "noch etwas rauszugeben". Doch die Entwicklungen seitdem "haben uns täglich überrollt", berichtet Kaufmann. Daher habe man sich auf die Unterstützungsleistung in der Krise konzentriert. "In den Wochen vor dem ersten Wahltermin ist sowieso alles gesagt worden."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.