17.06.2020 - 13:20 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

Elektrifizierung bis Schirnding: Für Osten wenig Neues

Mehr als eine Pflichtangelegenheit im Planungsverfahren für die Elektrifizierung der Bahnstrecke Nürnberg-Schirnding war die Informationsveranstaltung am Dienstag nicht. Fragen konnten die Bürger über Chat stellen. 42 waren es am Schluss.

von Bernhard KreuzerProfil

Eine Stunde dauerte die - wegen der Coronakrise - Online-Bürgerversammlung der Deutschen Bahn für den Abschnitt von Immenreuth bis Schirnding (ohne den Bereich Marktredwitz). Neue Erkenntnisse blieben auf der Strecke. Vielmehr war es eine Zusammenfassung des Projekts, aufgegliedert in die Bereiche Bahnausbau Nordostbayern, Abschnitt Immenreuth-Schirnding und Fragen.

Zunächst erläuterte der Leiter Bahnausbau Nordostbayern, Matthias Trykowski, die Elektrifizierungspläne und hob die Vorteile hervor: schnellerer Nah- und Fernverkehr, Chancen für Industrie und Tourismus, Entlastung der Straßen und Schaffung wichtiger Verbindungen von Osten nach Westen und Norden nach Süden. Laut Trykowski spart die Elektrifizierung 90 Millionen Lkw-Straßenkilometer jährlich ein. Der Ausbau des Schienennetzes sei wichtig für Europa.

Nachteile, die sich für die Bewohner der Region ergeben werden, blieben außen vor, ebenso die im Scoping-Verfahren angesprochenen Belastungen für die Umwelt. 140 Bahnkilometer umfasst die Ausbaustrecke Nürnberg-Schirnding, Bauzeit rund zehn Jahre. Betrachtet wurde dabei der Abschnitt von Immenreuth bis zur tschechischen Grenze.

Externes Lärmschutzgutachten

Den Lärmschutz betraf die erste Frage. Sie kam aus Arzberg. Wie Projektleiter Michael Engelmann berichtete, sei ein externes Gutachten über die Schallsituation entlang der Strecke in Auftrag gegeben worden. Das Ergebnis werde umgesetzt. Es könne geändert werden, wenn nach Inbetriebnahme mehr Verkehr registriert werde. Auch verwies er auf eine freiwillige Lärmsanierung für Gebäude entlang der Strecke.

Mehr Lärm wurde vor allem durch längere Züge befürchtet. 440 Meter lange Güterzüge eingeplant. Die Bahnvertreter beschwichtigten mit dem Hinweis, dass Güterzüge durch neue Technik heute schon beim Bremsen und Rollen deutlich leiser seien. Auch ausländische Züge hätten die Vorgaben zu erfüllen. Zur Frage, wie sich der Güterverkehr entwickelt, war die Aussage kurz: "Es ist keine signifikante Steigerung erkennbar." Auf die Strecke allerdings komme wieder der Fernverkehr von Nürnberg nach Prag. Eine leichte Steigerung werde beim Nahverkehr erwartet.

"Elektrifizierte Strecken brauchen Platz", sagte Engelmann mit Verweis auf die Oberleitungen. Diesen böten einige Straßenbrücken nicht. Für deren Neubau trügen Bahn, Bund und die betroffene Gemeinde, "wenn sie die Kosten aushalten kann", die Ausgaben zu je einem Drittel. "Kommunen werden vielleicht zu stark belastet" wurde eingeräumt. Es wurde aber auch die Aussage getroffen: "Die Gesetze haben sehr hilfreiche Regelungen getroffen".

Der 20 Kilometer lange Abschnitt von Immenreuth bis Marktredwitz beherbergt die beiden nicht für die Elektrifizierung geeigneten Tunnels im Planungsbereich Armannsberg und Langentheilen. Engelmann erläuterte dazu nochmals die drei Ausbauvarianten: Ausweitung der bestehenden Tunnel, Bau eines ein- oder zweigleisigen Paralleltunnels. Nicht mehr verfolgt, aber auch nicht vom Tisch sind die Überlegungen für die Stilllegung des Tunnels Armannsberg mit einer neuen Röhre durch den Schwarzberg.

Nur eingleisig verläuft die Strecke von Marktredwitz bis Schirnding. Sie war einmal zweigleisig geplant, deshalb könnten die Masten auf die Brücken gestellt werden, führte Engelmann aus. Angepasst werden müssten hier drei Bahnübergänge. In Arzberg seien zwei Gleise auf 750 Meter zu verlängern, das dritte Gleis werde rückgebaut und in Schirnding ein neuer Bahnsteig erforderlich.

Totalsperrungen zwingend

Mit Einschränkungen im Bahnverkehr haben die Fahrgäste während der Bauzeit zu rechnen. "Ohne Totalsperrungen wird es nicht gehen." Ein konkretes Datum für den Baubeginn blieb offen. Das Etappenziel ist von den eingebrachten und noch nicht eingebrachten Themen und Anregungen abhängig. Ebenso kann erst nach Abschluss der Vorplanung etwas zu den Kosten gesagt werden. "Tausende von Anlagen müssen verändert werden", so die Sprecher der Bahn.

Zusätzliche Leitungen für den Bahnstrom seien kein Thema, führte Matthias Trykowski aus. Der Strom solle komplett aus Umweltenergie abgedeckt werden. Eine Elektrifizierung stellt die einzige sinnvolle Lösung dar. Wasserstoffzüge, dieser Forschung widmet sich die Deutsche Bahn, war die Auskunft auf eine der vielen Fragen. Barrierefreiheit wurde angemahnt, zur befürchteten Strahlenbelastung hieß es, sie werde sich nicht im gefährlichen Bereich bewegen.

Die Pläne der Deutschen Bahn stießen im Kulmainer Gemeinderat auf wenig Gegenliebe

Kulmain

Ins Scoping-Verfahren war auch die Gemeinde Neusorg eingebunden

Neusorg

Die Deutsche Bahn sagte zum Schluss zu, den Online-Informationsabend allen auf ihrer Web-Seite zugänglich zu machen. Der nächste Informationsabend im Internet findet am Dienstag, 23. Juni, um 18 Uhr statt. Er betrifft den Bahnausbau und die -stromversorgung im Bereich von Irrenlohe über Amberg bis Ottensoos.  

Hintergrund:

Bahnübergänge bleiben bestehen

Bahnübergänge werden laut den Ausbauplänen nicht aufgelassen, weil auf der Strecke Nürnberg–Marktredwitz Züge keine Geschwindigkeiten über 160 Kilometer pro Stunde erreichen, hieß es zu einer Anfrage. Als Scherz empfand ein Diskussionsteilnehmer die beabsichtigte Auflassung des Eisenbahnviadukts bei Riglasreuth, einem Wahrzeichen mit Geschichte, und dem damit verbundenen Neubau einer neuen Eisenbahnbrücke. Von Baumaßnahmen betroffen sind die Bahnhöfe in Neusorg und Waldershof.

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