20.09.2021 - 12:07 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

Ex-Bürgermeister erneut vor Gericht

Immenreuths Ex-Bürgermeister Heinz Lorenz muss sich erneut vor dem Amtsgericht Tirschenreuth verantworten. Ihm wird vorgeworfen, eine Bekannte um 10.000 Euro betrogen zu haben.

Heinz Lorenz (links) bei der Gerichtsverhandlung im Januar 2019 im Gespräch mit Rechtsanwalt Sebastian Lehr.
von Bernhard KreuzerProfil

Mit der eindringlichen Aufforderung, Licht ins Dunkel zu bringen, beendete Amtsgerichtsdirektor Markus Fillinger den ersten Verhandlungstag gegen den ehemaligen Bürgermeister der Gemeinde Immenreuth, Heinz Lorenz. In dem Betrugsprozess geht es um 10.000 Euro. Ein Urteil wurde noch nicht gesprochen, weil ein Hauptzeuge entschuldigt war und nur eine schriftliche Erklärung von ihm vorlag. Die Verhandlung wurde deshalb unterbrochen.

Viele Fragen offen

Nachdem Heinz Lorenz im Januar 2019 wegen Untreue gegenüber der Kommune zu elf Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, verurteilt worden war, saß er nun erneut auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Betrug vor. Er soll laut Anklageschrift am 8. März 2019 von einer Bekannten 10.000 Euro erhalten haben, um kurzfristig eine offene Summe von 12.890 Euro ausgleichen zu können. Der Angeklagte habe damit eine Umschuldung durchführen wollen – hier wurden zwei Beträge in Höhe von insgesamt 100.000 Euro genannt. Von dem Betrag habe Lorenz bis zur Anzeige nur 500 Euro zurückgezahlt.

Die Staatsanwaltschaft wurde aufgrund der Anzeige der betrogenen Bekannten tätig. Mittlerweile beglich Lorenz seine Schulden und zahlte den restlichen Betrag von 9500 Euro dieses Jahr in einer Summe zurück. Der Angeklagte führte vor Gericht aus, dass die Umschuldung Ende März 2019 von der Bank abgelehnt worden sei. Seiner Bekannten habe er angeboten, das Geld in Raten zurückzuzahlen, obwohl ihm dies sehr schwer gefallen wäre. Die 10.000 Euro habe er in bar erhalten, die Übergabe sei an einem Holzstapel bei Neustadt am Kulm erfolgt. Das bestätigte die Geschädigte als Zeugin. Ihr Sohn habe sie dorthin gefahren.

Wofür Lorenz das Geld letztendlich benötigte oder verwendete, darüber lieferte er vor Gericht weder eine Erklärung noch Zahlungsbelege. Auch die Frage, warum das Geld in bar überreicht und nicht überwiesen worden sei, blieb offen. Ungeklärt ist ebenso, aus welchen Gründen drei Banken ein Darlehen ablehnten.

Fünf Wochen nach Verurteilung

Für Richter Fillinger war es nicht nachvollziehbar, dass der Angeklagte bereits fünf Wochen nach seiner Verurteilung wegen Untreue die neuerliche Tat begangen habe. Er warf Lorenz vor, die Klägerin immer wieder mit den Zurückzahlungen vertröstet zu haben.

Als Zeuge geladen, aber entschuldigt war ein Bankangestellter. Aus seiner schriftlichen Erklärung ging hervor, dass Lorenz mitgeteilt wurde, nicht den gewünschten Kredit von der nun Geschädigten zu bekommen. Keine Erwiderung kam vom Angeklagten auf den Vorwurf des Richters, die Bekannte betrogen zu haben.

Näheren Einblick gab der von der Zeugin vorgelegte Whatsapp-Chat-Verlauf vom 7. bis 9. März 2019 zwischen ihr und Lorenz. Erkennbar wurde die Forderung des Angeklagten, dass seine Bekannte das Geld nicht überweisen durfte. Er gaukelte ihr vor, dass ihm die Bank einen Kredit geben würde, wenn er am folgenden Tag das Geld einzahlen würde. 60.000 Euro wären für eine Umschuldung und 40.000 Euro für ein Wohnungsbaudarlehen vorgesehen.

Lorenz soll "in sich kehren"

Unbeantwortet blieb, ob Lorenz vor dem Geldempfang wusste, dass er keinen Kredit von der Bank bekommen würde. Diese entscheidende Frage will das Gericht beim Fortsetzungstermin am 29. September klären. Denn bereits zwei Tage vor der Geldübergabe soll die Mitteilung ergangen sein, dass der Darlehensantrag abgelehnt wurde. Amtsgerichtsdirektor Fillinger forderte den Angeklagten auf, "in sich zu kehren und die zu klärenden, offenen Fragen zu beantworten". Dann beendete er die Sitzung.

Der ehemalige Bürgermeister und Kämmerer von Immenreuth verliert seinen Beamtenstatus

Immenreuth
Hintergrund:

Der Fall Heinz Lorenz

  • Von 2011 bis 2014 hatte er sich als Kämmerer der Gemeinde selbst 17.000 Euro für angebliche Überstunden ausbezahlt.
  • Als Bürgermeister erteilte er dann für ein Baugebiet die Baufreigabe, obwohl die Voraussetzungen nicht gegeben waren. Der Gemeinde entstand finanzieller Schaden.
  • Lorenz war seit Beginn der Affäre im September 2017 krank geschrieben.
  • Heinz Lorenz wurde im Januar 2019 vom Amtsgericht Tirschenreuth wegen Untreue in elf Fällen zu elf Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt.
  • Daraufhin nahm die Landesanwaltschaft in München ihr disziplinarrechtliches Verfahren gegen ihn wieder auf und erließ im Juli 2019 eine vorläufige Dienstenthebung.
  • Als weiterer Schritt wurde ein Disziplinarverfahren beim Verwaltungsgericht Regensburg eingeleitet.
  • Im November 2020 entließ das Verwaltungsgericht Regensburg Heinz Lorenz aus dem Beamtenverhältnis. Damit verlor er auch seine Pensionsansprüche.

 

 

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