31.01.2020 - 12:48 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

Nicht gemeinsam auf der Bühne

Eine Podiumsdiskussion der drei Bürgermeisterkandidaten in Immenreuth wird es nicht geben. Unter dem Motto "Sie fragen - wir antworten" hätte im Sportheim am 28. Februar der öffentliche Meinungsaustausch stattfinden sollen.

In Immenreuth geht es im Vorfeld des Wahlkampfes heiß her.
von Bernhard KreuzerProfil

"Die angedachte Podiumsdiskussion mit den drei Bürgermeisterkandidaten kommt nicht zustande", teilte der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Alfred Schuster, am Dienstag per E-Mail mit. Im Gespräch mit ihm sagte Schuster am Mittwoch: "Anton Dornheim wäre bereit gewesen, sich den Fragen und Themen zu stellen." Schuster verwies dabei auf das große Interesse der Bevölkerung bei einer vergleichbaren Veranstaltung in Erbendorf. "Über die Demokratie darf man sich nicht beklagen, wenn solche Gelegenheiten nicht wahrgenommen werden", stellte er zur Absage seiner Gegenkandidaten Thomas Kaufmann und Adrian Scheitler fest.

Bereits am 4. Januar wurde die Diskussionsrunde per E-Mail bei CSU-Vorsitzendem Lothar Porst, Freien-Wähler-Vorsitzendem Eberhard Besold, SPD-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat Erich Hader und dem Vorsitzenden der Immenreuther Wählergemeinschaft (IWG) Ludwig Melzner angeregt. Eberhard Besold antwortete umgehend und teilte mit, die Freien Wähler stellten sich nicht quer. Der gemeinsame, mit der CSU nominierte Kandidat Thomas Kaufmann müsse erst befragt werden. Mit ihm solle gleich Kontakt aufgenommen werden. Die Antwort war kurz, betonte Schuster. Sie lautete: "Aufgrund dessen, was bisher passiert ist, muss man verstehen, dass ich nicht zur Verfügung stehe."

Schwer erreichbar

Gescheitert sei es nach den Worten von Schuster, Kaufmann persönlich in der Gemeindekanzlei anzusprechen. Dieser sei nur schulterzuckend vorbeigegangen, erzählte Schuster. Schwer zu erreichen wäre die IWG gewesen. Wie bei der CSU habe man keine Antwort erhalten. Anton Dornheim bedauerte gegenüber dem Neuen Tag: "Es wäre ein Gewinn für die Bevölkerung gewesen, weil sie die Kandidaten vergleichen hätte können."

Die IWG räumte auf Nachfrage ein, versehentlich eine falsche Kontaktadresse auf ihrer Facebook-Seite veröffentlich zu haben. Ungeachtet dessen sei die Anfrage nicht angekommen, weil in einem Adressteil "Immenreuth" und nicht "Immenreuther" stand. Spätestens bei der Fehlermeldung hätte reagiert werden können.

Zurückgewiesen wurde die Aussage, dass Vorsitzender Ludwig Melzner angeschrieben worden und die IWG schwer erreichbar sei. Melzner wurde nicht angeschrieben und mit ihm wurde auch kein persönlicher Kontakt aufgenommen, obwohl die vollständigen Kontaktdaten auf der Facebook-Seite veröffentlicht seien. Die IWG stellte fest: Zu keiner Zeit sei persönlicher Kontakt mit ihrem Kandidaten Adrian Scheitler aufgenommen worden. "Dementsprechend hält die IWG die Vorwürfe der SPD nur für Wahlkampfgeplänkel ohne jegliche Substanz", heißt es in der Antwort.

Der Bürgermeisterkandidat der CSU und Freien Wähler, Thomas Kaufmann, betont, die Einladung zur Podiumsdiskussion wurde am 4. Januar an die Wählergruppen versandt. Von einer "fairen und sachlichen Wahlauseinandersetzung" wurde gesprochen. SPD-Kandidat Dornheim hatte den Weg eines fairen und sachlichen Wahlkampfs bereits zu diesem Zeitpunkt lange verlassen, so Kaufmann. Er sieht sich durch den Tweet von Anton Dornheim vom 18. Dezember in eine kriminelle Ecke gestellt. Dornheim schrieb damals: "Thomas Kaufmann ist derzeit Kämmerer auf der Gemeinde Immenreuth. Vom Kämmerer zum Bürgermeister? Hoffentlich wiederholt sich die Geschichte nicht! Der Vorgänger Heinz Lorenz war erst Kämmerer, dann Bürgermeister und jetzt mit Bewährungsstrafe suspendiert."

Zwei Tage, bevor Kaufmann vom SPD-Vorsitzenden zur Podiumsdiskussion angesprochen wurde, twitterte Dornheim: "Doch den beiden Herren Josef Hecht von der CSU und Eberhard Besold von den FW geht es ausschließlich um Machterhalt. Wer glaubt, dass sich unter dem gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten Thomas Kaufmann etwas ändern wird, glaubt auch, dass die Erde eine Scheibe ist."

In die gleiche Kerbe schlägt ein Facebook-Beitrag zu den Neujahrsgrüßen von Kaufmann. Hier wird Kaufmann mit dem suspendierten und zu einer Bewährungsstrafe verurteilten Bürgermeister Heinz Lorenz gleichgesetzt. Der Beitrag wird der Tochter von Dornheim zugeschrieben. Sich mit dem SPD-Kandidaten an einen Tisch zu setzen, lehnt Kaufmann auch aus einem anderen Grund ab. Bei einen seiner Hausbesuche soll dieser einen Bürger gefragt haben, ob er auch der "asozialen CSU" angehöre.

Es wäre ein Gewinn für die Bevölkerung gewesen, weil sie die Kandidaten vergleichen hätte können.

Anton Dornheim, SPD-Bürgermeisterkandidat

Anton Dornheim, SPD-Bürgermeisterkandidat

Strafrechtliche Beleidigungen?

Kaufmann weist den Vorwurf von Alfred Schuster zurück, schulterzuckend an ihm vorbeigegangen zu sein. "Herr Schuster betrat am Freitag, den 17.01.2020, vormittags die Gemeindeverwaltung, genau in diesem Augenblick verließ ich das Bürgerbüro und begegnete Herrn Schuster. Ich begrüßte ihn und reichte ihm die Hand. Er bedauerte, dass ich abgesagt habe, daraufhin sagte ich zu ihm: 'Ich kann es leider nicht ändern, die Lage ist wie sie ist'." In den Beiträgen der SPD sieht Kaufmann Beleidigungen, die bereits ins Strafrechtliche gehen.

Aufgrund dessen, was bisher passiert ist, muss man verstehen, dass ich nicht zur Verfügung stehe.

Thomas Kaufmann, CSU- und FW-Bürgermeisterkandidat

Thomas Kaufmann, CSU- und FW-Bürgermeisterkandidat

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.