21.06.2021 - 13:07 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

Immenreuth erste Wehr im Landkreis Tirschenreuth mit Drohne

Eine hochmoderne Flugdrohne zählt die Feuerwehr Immenreuth nun zu ihren Einsatzmitteln. Damit übernehmen die Brandschützer im Landkreis Tirschenreuth eine Vorreiterrolle.

Klein, aber technisch hocheffizient, ist die Drohne der Feuerwehr, die über der Landefläche schwebt. Kommandant Uwe Engelbrecht steuert sie.
von Bernhard KreuzerProfil

Die Flugdrohne DJI-Mavic 2 Enterprise Advanced ist mit hochentwickelten Geräten ausgestattet. Sowohl die Einsatzmöglichkeiten als auch der Einsatzraum der Wehr wird enorm erweitert. Es ist das erste Fluggerät dieser Art bei den Feuerwehren im Landkreis. Nur beim Bayerischen Roten Kreuz in Bärnau gibt es ein vergleichbares Einsatzmittel.

Am Sonntagvormittag hob der Quadrocopter erstmals offiziell ab. Stefan und Patrick König vom Drohnenfachhändler Modellbau Kuno aus Kemnath übergaben das Gerät an Kommandant Uwe Engelbrecht und seinen Stellvertreter Christopher Hörl. Acht Piloten für das Fluggerät befinden sich zurzeit unter Leitung des gewerblich fliegenden Piloten Patrick König in der Ausbildung. Den theoretischen Teil haben sie bereits erfolgreich absolviert. Was jetzt noch ansteht, sind Handhabung und Einsatztaktik.

Corona erschwert Ausbildung

Bei der Übergabe mit dabei waren selbstverständlich Bürgermeister Thomas Kaufmann und Kreisbrandmeister Florian Braunreuther. Das Gemeindeoberhaupt sah im Gespräch mit Oberpfalz-Medien in den unschlüssigen Vorgaben der Vergangenheit und in der Corona-Pandemie den Grund, dass die Übergabe erst mit viel Verzögerung erfolgen konnte. Besonders die Pandemie erschwerte die theoretische Ausbildung. Viel Stoff musste Zuhause am Computer durchgepaukt werden und brachte alles in Verzug.

Kreisbrandmeister Florian Braunreuther verwies darauf, dass noch keine Feuerwehr im Landkreis über ein derartiges, modernes und weit einsetzbares Einsatzmittel verfüge. "Da sind wir stolz darauf", betonte er. Für Kommandant Uwe Engelbrecht bedeutet die Neuanschaffung eine Aufwertung der Sicherheit der Bevölkerung im gesamten Umkreis. Sein Dank galt dem Feuerwehrverein, der die Anschaffung aus der Vereinskasse und aus mehreren zweckgebundenen Spenden unterstützte, sowie einem nicht genannten Bürger, der mit einer größeren Einzelspende das Upgrade auf diesen Multicopter erst ermöglicht habe. Der Gemeinde dankte er für die Übernahme des Versicherungsschutzes und Modellbau Kuno für die sehr gute Betreuung, das preisliche Entgegenkommen und der kostenfreien ganztägigen Praxisschulungen. Die Kosten für das Gerät wollte von den Verantwortlichen aber keiner nennen.

Lautsprecher oder Scheinwerfer

Was noch fehlt ist ein Übertragungssystem, um die Daten vom Monitor auf den Bildschirm im Einsatzfahrzeug zu übertragen. Corona hinterlässt auch hier eine negative Spur. Denn durch die ausgefallenen Feuerwehrfeste fehlen die finanziellen Mittel für die ergänzende Ausstattung.

Für die Drohne stehen wahlweise ein Lautsprecher oder ein Scheinwerfer zur Verfügung. Per Lautsprecher können Einsatzkräfte Anweisungen an Personen geben, die mit normalen Mitteln nicht zu erreichen sind. Mit 100 Dezibel können wichtige Mitteilungen und Anweisungen aus einer Höhe von 80 Metern übermittelt werden. Der Scheinwerfer kann bei Einsätzen unter schlechten Lichtbedingungen genutzt werden. Mit bis zu 11 Lux können Objekte in einer Reichweite bis zu 30 Meter angestrahlt werden - zur Verbesserung der Video- oder Fotoaufnahmen, aber auch um strategische Ziele zu markieren und so den Einsatz zu erleichtern. Ein Sensor überwacht beim Flug den umgebenden Luftraum, damit Zusammenstöße mit anderen Fluggeräten vermieden werden. So können bemannte Flugzeuge über ein Transponder-Signal auch auf 20 Kilometer Entfernung erkannt werden. Ein Blinklicht auf dem Rücken macht den Quadrocopter für überfliegende Flugzeuge sichtbar.

Die Bärnauer Kameraden werden bald nachziehen

Bärnau

Fünf intelligente Akkus gehören zur Ausrüstung. Um den Einsatz auch unter Extrembedingungen zu gewährleisten, wurde der Copter mit selbstheizenden Akkus ausgestattet. Dies garantiert Einsätze weit unter der Grenze von 0 Grad Celsius. Sie wärmen sich in der kalten Jahreszeit vor dem Start auf 15 Grad auf, um die maximale Flugleistung zu garantieren. Bevor ein Akku leer wird, kehrt die Drohne automatisch zum Landeplatz zurück. Rundherum-Sensoren verhindern zudem, dass die Drohne mit einem Hindernis in Berührung kommt. Was jetzt noch fehlt ist ein Notlandesystem, ein Fallschirm. "Der ist bestellt", verriet Kommandant Uwe Engelbrecht.

Hintergrund:

Technische Daten

  • Die Drohne verfügt über vier Rotoren und wiegt 1,1 Kilogramm.
  • Die maximale Flughöhe beträgt 6000 Meter, die Maximalgeschwindigkeit (Sportmodus) 72 Kilometer pro Stunde. Die operative, gesetzlich zugelassene Flughöhe liegt bei 120 Metern. Eine automatische Durchsage macht den Piloten aufmerksam, wenn sie erreicht wird.
  • Die integrierte Wärmebildkamera bietet in der besten Sensor-Auflösung 640 mal 512 Pixel und 16-fachen Zoom. Diese liefert gestochen scharfe Bilder aus 120 Metern Höhe. Eine Bildwiederholrate von 30Hz ermöglicht eine Temperaturmessgenauigkeit von ±2° Celsius.
  • Weiter gehört eine Fotokamera mit 48 Megapixeln und 32-fachenm Zoom zur Ausrüstung.
  • Die Flugzeit liegt bei bis zu 31 Minuten
Ein Fluggerät, das wie ein Spielzeug aussehen mag, aber keines ist.
Eine der vielen Möglichkeiten. Hier liefert die Drohne ein Schwarz-Weiß-Bild aus 16,6 Meter Höhe vom Platz des Feuerwehrgerätehauses.
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