31.05.2021 - 12:58 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

Immenreuther Feuerdrachen als Rehkitz-Retter

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"Zum Helfen sind wir stets bereit." Diesem Motto getreu standen die Immenreuther Feuerdrachen am Sonntag in aller Herrgottsfrüh vor einer großen Wiese. Um Rehkitze zu retten, übertraten sie gleich mehrere Grenzen.

Ein Rehkitz fand Noah. Jagdpächter Adrian Scheitler zeigte dem Feuerwehrnachwuchs in der Gemeinde Immenreuth, wie es richtig aufgenommen und gerettet wird.
von Bernhard KreuzerProfil

Der Morgentau lag noch reichlich auf der Grasfläche südlich von Schmettersloh. Am gleichen Tag sollte sie noch gemäht werden. Um zur Rehkitzrettung überhaupt auf das Areal zu gelangen, mussten die Feuerdrachen drei Grenzen überqueren – die der Gemeinde Immenreuth, des Landkreises und des Regierungsbezirks. Denn das Einsatzgebiet lag in der Gemeinde Kirchenpingarten in Oberfranken.

Alexander Danzer begrüßte zu der ungewöhnlichen Aktion die Kinder der Nachwuchsfeuerwehr und Jagdpächter Adrian Scheitler. Er ist auch Vorsitzender der Feuerwehr Punreuth, Gemeinde Immenreuth. Der Weidmann hatte zur Demonstration zwei Plüschtiere in der Größe eines Rehkitzes mitgebracht. Das eine diente dazu zu zeigen, wie es nach dem Fund aufzunehmen und zu retten ist. Das Zweite war einem Rehkitz gleich auf der Wiese versteckt und sollte die Feuerdrachen für die Suche sensibilisieren.

Erstes Tier nach 50 Minuten

In einer breiten Reihe durchsuchten die Mädchen und Buben das ausgedehnte Areal. Unterstützt wurden sie dabei von Drohnenpilot Johannes Frauenholz. Mit seinem Fluggerät hatte er in den beiden Tagen zuvor bereits neun Kitze aufgespürt. Nach 50 Minuten wurden die Feuerdrachen fündig. Noah wäre fast über das Kitz gestolpert. Tief im hohen Gras und kaum zu erkennen kauerte es auf den Boden.

Jagdpächter Adrian Scheitler konnte den Feuerdrachen nun vor Ort veranschaulichen, wie ein Rehkitz vor dem Mähwerk geborgen wird. In einer mit Gras ausgelegten Wanne wurde es zu einem sicheren Ort im nahen Wald gebracht.

Entenküken in Brutstation

Den Feuerdrachen sollte gleich darauf noch ein zweites Erlebnis beschert sein. Das Gelege eine Stockente mit fünf Eiern wurde gefunden. Die Küken hätten nur noch wenige Tage zum Schlüpfen gebraucht. Um das Nest herum zu mähen und es in einer grünen Insel zu belassen mache keinen Sinn, meinte Jagdpächter Scheitler. Junge Enten verließen nach dem Schlüpfen ihr Nest. Auf der Wiese wären sie dann schutzlos und eine leichte Beute für Raubtiere. Aus diesem Grund werden die Entenküken in einer Brutstation das Licht der Welt erblicken, und wenn sie flügge sind wieder in die freie Wildbahn entlassen. Die Feuerdrachen werden dabei sein.

Zur Rehkitzrettung selbst führte Adrian Scheitler aus, dass in diesem Jahr die Setzzeit der Rehgeiße und die Mahd zeitlich zusammenfallen. Die Kitze sind deshalb stärker gefährdet als in anderen Jahren. Eine Botschaft richtete er an alle Landwirte. Er bat sie, die Jäger rechtzeitig vor einer Mahd zu informieren, damit die Kitze aus den Wiesen genommen werden können. Scheitler räumte ein, dass es aufgrund des Wetters schwierig war und ist, einen festen Termin für das Mähen festzulegen. "Die Rehkitzrettung gewinnt immer mehr an Geltung", unterstrich er.

Die Arbeit der Rehkitzrettung Tirschenreuth

Friedenfels

Eine weitere Bitte war an die Nutzer der Natur gerichtet. Sie wird seit Corona stärker und bis in die späten Stunden frequentiert. Mehr Rücksicht wünschte er sich von Joggern, Hundeführern sowie insbesondere von den motorisierten Cross- und Quadfahrern. "Ich überlege, eine Bratwurstbude im Revier aufzumachen. Die geht bestimmt gut", sagte etwas spaßig Adrian Scheitler. Ein Wunsch war ihm aber ganz ernst. Jeder solle seinen Müll wieder mit nach Hause nehmen.

Hintergrund:

Jährlich 100 000 Tiere

Der Verein Rehkitzrettung Tirschenreuth schreibt auf seiner Homepage, dass bundesweit etwa 100 000 Rehkitze bei der Mahd durch das Mähwerk getötet werden. Von Mitte April bis Ende Juni bieten die Mitglieder Landwirten und Jägern im Landkreis Tirschenreuth unter anderem die Rettung von Rehkitzen an. Ihre Bilanz in diesem Jahr (Stand: 30. Mai)

  • 6 Tage im Einsatz
  • 48 mit einer Drohne geflogene Missionen
  • 137 Hektar abgeflogene Fläche
  • 21gerettete Kitze

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