16.01.2020 - 17:18 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

Keine "Liste Los" auf dem Wahlzettel

Bei der kuriosen Aktion "Liste Los" in Immenreuth wählte "Die Partei" zufällig die Kandidaten für den Gemeinderat und das Bürgermeisteramt aus. Doch wie reagierten die Gewinner darauf?

Nach der Aktion „Liste Los“ von „Die Partei“ in Immenreuth kontaktierten die Mitglieder die zufällig ausgewählten Kandidaten für den Gemeinderat und das Bürgermeisteramt. Doch niemand gab seine Zustimmung zu kandidieren
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Wird es bei der Kommunalwahl eine geloste Liste auf dem Wahlzettel in Immenreuth geben? "Das muss ich verneinen", sagt "Die Partei"-Vize-Ersatz-Pressesprecher Maco Kellner aus Ebnath auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Eine Frau habe Interesse gezeigt zu kandidieren: "Wegen eines Krankheitsfalls kam aber kein Treffen zustande", berichtet Marco Kellner Anfang Dezember waren die Mitglieder vom Kreisverband "Die Partei" in Immenreuth mit ihrer kuriosen Aktion "Liste Los" unterwegs. Doch wie reagierten die Leute auf ihre zufällige Kandidatur für die Gemeinde?

Alle Kandidaten kontaktiert

Über die Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung hatten die Mitglieder die Daten von 963 Immenreuther Bürgern im Alter zwischen 18 bis 60 Jahren für 70 Euro erworben. Im Dezember sind die gekauften Daten in einen Lostopf gekommen. Ausgangspunkt für die Mitglieder war die Onlinesuche nach einem Bürgermeisterkandidaten der SPD Immenreuth. Bei der Aktion wurden 24 Kandidaten für den Gemeinderat und 3 für das Bürgermeisteramt gezogen.

In den folgenden Tagen versuchte "Die Partei", diese zu kontaktieren. Um mit der "Liste Los" antreten zu können, brauchte sie erst deren Einverständnis und die Zustimmung. "Wir haben einen Tag dafür verwendet, die ganzen Telefonnummern der Gewinner zusammenzutragen und die Leute anzurufen", weiß Kreisvorsitzender Konstantin Kühnelt. An zwei weiteren Tagen hätten die Mitglieder an den Haustüren der Bürger geklingelt und Gespräche geführt. "Viele waren überrascht, dass wir tatsächlich nach der Aktion noch einmal in die Offensive gegangen sind."

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Immenreuth

"Beim Losen haben wir einen kompletten Querschnitt von Immenreuth getroffen", sagt Kellner. Unter den Kandidaten waren junge Mütter, ältere Menschen und sogar eine Gemeinderätin, die aber nach 16 Jahren ihren Posten abgeben will. Die Reaktionen seien überwiegend positiv gewesen. "Die meisten haben es mit Humor genommen und sind in ein Gespräch mit uns eingestiegen", berichtet Kühnelt. "Es gab natürlich auch Kritik", ergänzt Kellner. Am häufigsten hätten die Leute gefragt, wie "Die Partei" an ihre Daten gekommen sei. "Dann haben wir erzählt, dass wir die Daten legal gekauft haben." Vielen sei nicht bewusst gewesen, dass Bürger einer Gemeinde widersprechen müssen, damit Daten nicht weitergegeben werden. Andere hätten gefragt, was die Aktion eigentlich sollte. "Ist das ein Witz?" Diese Reaktion habe die Mitglieder wenig überrascht. "Unser Ziel war, die Menschen zu motivieren sich wieder mehr politisch im Gemeindeleben zu engagieren. Das betrifft einen ja jeden Tag", erklärt Kellner. So seien Personen dabei gewesen, die meinten, sie würden mit der Gemeinde nichts zu tun haben wollen. "Das fanden wir schade."

Aktive Beteiligung als Ziel

Andere wiederum waren bereits in Organisationen oder Vereinen vertreten, beziehungsweise tendierten eher zu anderen Parteien. "Das war für uns in Ordnung. Hauptsache die Leute beteiligen sich aktiv am Gemeindeleben." Auch generationsspezifische Unterschiede wurden festgestellt: "Wir telefonierten unter anderem mit einer älteren Dame. Am Schluss dachte sie, wir hätten schon aufgelegt und sagte: 'Die haben doch einen Datscher!'"

Als einzige Partei habe die Immenreuther Wählgermeinschaft auf die Aktion reagiert. "Wir haben uns mit dem Bürgermeisterkandidaten Adrian Scheitler getroffen", berichtet Kellner. "Dabei haben wir versucht klarzustellen, dass wir Immenreuth nichts Böses wollten." Bis zu diesem Zeitpunkt war den Mitgliedern nicht bekannt, dass es die IWG gibt.

Sie stellten klar, dass der Ort aus ihrer Sicht stellvertretend auch für andere Kommunen, in denen es schwer sei, genügend politisch Interessierte aus der Gemeinde zu finden, stehe. "Nach der Auswertung unserer Aktion sind wir zufrieden", so Kühnelt. Er denkt, dass es ein lustiger Weckruf gewesen sei und sich künftig nun mehr Menschen Gedanken zur Lokalpolitik machen werden.

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