30.07.2019 - 11:27 Uhr
ImmenreuthOberpfalz

SPD sucht Kandidat per Internet

Eins ist klar in Immenreuth: Nach der Kommunalwahl 2020 gibt es einen neuen Bürgermeister. Doch wer kommt in Frage? Die SPD geht auf der Suche nach einem Kandidaten oder einer Kandidatin neue Wege.

SPD-Kreisvorsitzende Brigitte Scharf.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

"Der SPD-Ortsverein Immenreuth bietet kommunalpolitisch interessierten Personen die Möglichkeit, Bürgermeisterkandidat/in (m/w/d) für die Kommunalwahl 2020 zu werden", heißt es seit vergangener Woche auf der Homepage der Sozialdemokraten. Die ungewöhnliche Stellenanzeige wurde auch über Facebook verbreitet. Darin heißt es: "Das Bürgermeisteramt ist hauptamtlich. Es ist nicht Voraussetzung, jedoch von Vorteil, in Immenreuth zu wohnen, Ebenso nicht Voraussetzung ist die Zugehörigkeit zur Sozialdemokratischen Partei Deutschlands."

Als Ansprechpartner ist Alfred Schuster genannt. Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins sieht den Aufruf als Chance, wie er auf Nachfrage betont. Der Grund der überregionalen Suche ist profan: "Wir haben keinen gefunden", bedauert Schuster die mangelnde Resonanz in den eigenen Reihen. Erst im Januar 2019 hatte sich der ehemalige Leiter des SOS-Kinderdorfes breitschlagen lassen, noch einmal den Ortsvorsitz zu übernehmen. Seine Bedingung war, dass das Veranstaltungsprogramm der SPD ausgedünnt wurde.

Schuster, der 2014 nicht mehr in den Gemeinderat gewählt wurde, schließt eine eigene Kandidatur "als Übergangs-Bürgermeister", wie er sagt, aus. Der wegen Untreue zu einer Bewährungsstrafe verurteilte Heinz Lorenz habe einiges an Problemfällen hinterlassen. Da würde es sich eigentlich anbieten, wenn alle demokratischen Kräfte an einem Strang ziehen würden. Doch CSU und Freie Wähler hätten auf das Ansinnen, einen gemeinsamen Kandidaten aufzustellen, signalisiert: "Im Moment kein Bedarf."

Schuster räumt ein, dass er noch im Oktober 2018 den Geschäftsstellenleiter und Kämmerer Thomas Kaufmann für einen guten Bürgermeisterkandidaten gehalten habe. Doch der stehe nicht für einen Neubeginn, verweist er auf die Überstundenbelastung, die jetzt schon bestehe und bei der zusätzlichen Aufgabe als Rathauschef noch weiter steigen werde. "Wie soll das gehen?"

Neuer Ärger für Bürgermeister Heinz Lorenz?

Immenreuth

Der seit September 2017 nur noch auf dem Papier amtierende Bürgermeister Heinz Lorenz hatte 2014 mit über 70 Prozent der Stimmen als Kandidat der CSU gegen den langjährigen Amtsinhaber Peter Merkl (SPD) gewonnen. Er war als Hoffnungsträger gestartet, hat in Immenreuth aber eine äußerst schwierige Situation hinterlassen. Das Amtsgericht Tirschenreuth verurteilte ihn Anfang 2019 wegen Untreue zu elf Monaten Haft auf Bewährung. Unter anderem hatte sich Lorenz für Überstunden in seiner Zeit als Kämmerer selbst 17000 Euro ausbezahlt und als Bürgermeister widerrechtlich ein Baugebiet freigegeben. Nun droht disziplinarrechtlich das dicke Ende durch Suspendierung und endgültige Entfernung aus dem Beamtenverhältnis.

"In dieser Lage ist es sinnvoll, jemanden von außen zu holen", sagt Alfred Schuster. Er verweist auch auf die neue Immenreuther Wählergemeinschaft (IWG), die als "vierte Kraft" im Gemeinderat antreten wolle, wie es bei der Gründung vergangene Woche hieß. Unter den "Abtrünnigen" befinden sich drei amtierende Gemeinderäte: Ludwig Melzner und Jürgen Kreuzer, die 2014 auf der SPD-Liste eingezogen sind, sowie der bisherige FWG-Gemeinderat Florian Hösl sind im Vorstand der neuen Wählervereinigung vertreten.

Der Weg des Ortsvereins, einen Bürgermeister-Kandidaten per Stellenanzeige zu suchen, hat Kreisvorsitzende Brigitte Scharf zwar überrascht. "Eure Entscheidung, aber ich drücke euch alle Daumen", reagierte sie nach eigener Auskunft. Die Situation in Immenreuth sei verfahren, da werde es schwierig, einen Kandidaten aus den eigenen Reihen zu finden. Die Suche per Internet sei ungewöhnlich, aber völlig legal und könne jemandem von außen eine gute Chance bieten. "Das ist ein hauptamtlicher Arbeitsplatz in einer schönen ländlichen Gemeinde", urteilt Scharf.

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