Ipflheim bei Ebermannsdorf
02.05.2021 - 17:51 Uhr

Hubert Aiwanger diskutiert mit Landwirten in Ebermannsdorf

Wird die Landwirtschaft fair behandelt? Darüber diskutierte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger am Freitag mit Landwirten in Ipflheim (Ebermannsdorf/Landkreis Amberg-Sulzbach). Er war zu Gast im Familien-Betrieb von Georg Straller.

Minister Hubert Aiwanger (Mitte) war am Freitag zu Gast im Ebermannsdorfer Ortsteil Ipflheim, auf dem Hof von Georg Straller (links) und dessen Ehefrau Annemarie. Bild: e
Minister Hubert Aiwanger (Mitte) war am Freitag zu Gast im Ebermannsdorfer Ortsteil Ipflheim, auf dem Hof von Georg Straller (links) und dessen Ehefrau Annemarie.

Ist Politik und Bevölkerung eigentlich bewusst, dass der „Bauer vor Ort für sichere Nahrung sorgt, der praktisch mit Grund und Boden dafür gerade steht“, dem dabei aber die Preise davonliefen und den auch eine Flut von Reglementierungen hemme? Diese Frage warf Landwirt Georg Straller auf, als er am Freitag prominenten Besuch auf seinem Hof in Ipflheim (Ebermannsdorf) bekam. Hubert Aiwanger, stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister, diskutierte mit Straller, Berufskollegen und Vertretern von mit der Landwirtschaft verbundenen Branchen über die aktuelle Situation der Bauern.

Georg Straller und seine Kollegen sehen sich als Hersteller hochwertiger, regionaler Produkte. Landwirte in Bayern gewährleisteten nicht nur die Versorgungssicherheit der Menschen mit gesunden Lebensmitteln, sie seien auch ein zentraler Baustein regionaler Wertschöpfungsketten, mittlerweile drittgrößter bayerischer Wirtschaftsbereich, stellten jeden siebten Arbeitsplatz: Darin war sich die Runde einig. Und fragte dabei aber: Wird die Landwirtschaft auch fair behandelt?

Bauern fühlen sich im Stich gelassen

Rund zwei Stunden nahm sich Minister Aiwanger Zeit, um sich die Sorgen der Landwirte anzuhören. Außer ihnen waren auch viele Vertreter der der Landwirtschaft nachgelagerten Wertschöpfungskette dabei: Alfons Wolff (Bundesvorsitzender Freie Bauern) aus Sachsen-Anhalt, Vertreter der regionalen Hofmetzger, der Ferkelerzeugung, Brauereien, Schweinemast sowie Bürgermeister Erich Meidinger (Ebermannsdorf), Bankenvertreter und Einzelhandel. Der Besuch stand unter dem Motto „Moderner Bauernhof: Zukunft der Landwirtschaft, heimischer Lebensmittelerzeugung und erneuerbare Energien“.

Apropos Zukunft: Rosig scheint die nicht, wenn man die Probleme ernst nimmt, von denen die Rede war. Die Aussichten sind eher verhalten, die Landwirte fühlen sie sich von der Politik mehr oder weniger im Stich gelassen. „Die billigen Lebensmittel werden von der EU gekauft und die heimischen Produkte haben das Nachsehen“, sagte Straller. Und auf Corona lasse sich nicht alles schieben. Georg Straller, auch stellvertretender Bundesvorsitzender der Freien Bauern, betreibt in Ipflheim Schweinemast mit dem Siegel „ohne Gentechnik“. Er hatte die Zusammenkunft initiiert.

"Wollt ihr uns überhaupt noch?"

Der Landwirtschaft als „moderner Betrieb, als Wirtschaftsfaktor am Land“, die nicht „bevorzugt werden will, aber fair behandelt“ redete Hubert Aiwanger das Wort. Jedem Bauern sollte die Politik Möglichkeiten offenhalten, Nischen zu suchen. „Maschinen, Chemie aus Bayern, werden exportiert, warum nicht auch Lebensmittel?", fragte er. Unter dem Strich stellten sich wohl manche Landwirte die Frage: „Wollt ihr uns überhaupt noch?“

Klare Reaktionen der Politik forderte die Runde in Ipflheim. „Die Bevormundung muss abgebaut werden“, verlangte der Bundesvorsitzende der Freien Bauern, Alfons Wolff – und eine „Politik für Bauernhöfe und gegen die Agrarkonzerne“ müsse her. Der Verbraucher müsse überdies erkennen, welche Produkte was sind und woher sie stammen. Aiwanger meinte dazu, die Deklaration der Lebensmittel sei teilweise ein Etikettenschwindel. „Die überbordende Bürokratie“ beklagte Bankenvertreter Michael Doblinger. Er gab auch Einblick in seine Branche mit dem Hinweis, "der Vernichtungskampf gegen die kleinen Banken wird europaweit geführt“.

Steigende Bau-, niedrige Holzpreise

Ebermannsdorfs Bürgermeister Erich Meidinger prangerte die steigende Baupreise an. Gehe es so weiter, stehe der Bau nächstes Jahr still, fürchtet er. Alfons Meier aus Hohenfels kritisierte die Holzpolitik: „Es kommt nichts an. Wir sind bei einem Preisniveau von 1990.“ Die Politik habe keine Antwort auf fehlende oder unterbrochene Lieferketten. Derzeit sei die Politik „eigentumsfeindlich“. Helmut Graf (Lengenfeld) kritisierte die Milchpolitik: „Bei der Landwirtschaft schiebt die Politik alles auf die lange Bank.“

Schweinemäster Georg Straller und seine Familie waren die Gastgeber beim Aiwanger-Termin. Bild: e
Schweinemäster Georg Straller und seine Familie waren die Gastgeber beim Aiwanger-Termin.
Landwirts-Kollegen und Vertreter der mit den Bauern verbundenen Branchen nutzten die Chance zum Gespärch mit Minister Hubert Aiwanger (rechts). Bild: e
Landwirts-Kollegen und Vertreter der mit den Bauern verbundenen Branchen nutzten die Chance zum Gespärch mit Minister Hubert Aiwanger (rechts).
Ortstermin mit Abstand auf dem Hof von Georg Straller in Ipflheim. Bild: e
Ortstermin mit Abstand auf dem Hof von Georg Straller in Ipflheim.
 
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