Auch Afrika geht alle an

Interessant wird es immer dann, wenn man Insider-Wissen hören kann. Genau dies zeichnet eine Informationstagung für ehrenamtliche Helfer von Asylbewerbern aus.

"Unser Netzwerk ist nach wie vor aktiv", sagt Flüchtlingshilfekoordinator Manfred Weiß ( links). Bei der Tagung über Flucht und Fluchtursachen referierten Jörg Barandat und Christina Engl (vordere Reihe von von rechts).
von Siegfried BühnerProfil

(sbü) Netzwerk Asyl, Katholische Erwachsenenbildung (KEB) und das Evangelische Bildungswerk hatten eine Tagung zu Flucht und Krieg in Afrika und Syrien im Haus Johannisthal organisiert. Im Mittelpunkt der zwei Tage standen zwei Expertenvorträge. Der ehemalige militärische Berater im Außenministerium und heutige Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr Jörg Barandat lieferte am Beispiel von Syrien tiefe Einblicke in weltpolitische Zusammenhänge und ihre Auswirkungen auf die deutsche Politik.

Zunächst zeigte er das Netzwerk der vielen Akteure in Syrien auf. Dabei mischen Staaten, nicht-staatliche politische Machthaber, global agierende Unternehmen und die organisierte Kriminalität mit. Die wichtigsten Aussagen des Vortrags hatten Allgemeingültigkeit und galten nicht nur für Syrien. Unter Anspielung auf die derzeitige Situation in der EU meint Barandat: „Da in Syrien ein Machtvakuum entstanden war, wurde es von anderen aufgefüllt.“ Sehr pessimistisch klangen grundsätzliche Feststellungen wie „Die Systemdynamik überfordert unser menschliches Gehirn“ und „Wir reden über chaotische Systeme, ihre Ordnung verstehen wir nicht“.

Anschaulich machte der Referent seine Aussage mit einem Mobile, das er den Zuhörern vorführte. Bewegt sich ein Element, ändern alle anderen ihre Lage, ohne dass dies vorausberechnet werden kann. Auch gebe es auf der Welt keine Inseln mehr, für die wir uns nicht zu interessieren brauchten. Globalisierung und die Kommunikationssysteme machten viele Ereignisse auf der Welt zu „Faktoren“. Doch das menschliche Denken neige zur „dualistischen Logik“.

Dies habe in der Zeit des Kalten Krieges Berechtigung gehabt. Heutzutage müsse aber nach Wahrscheinlichkeiten agiert werden. „Populisten geben einfache Antworten“ stellte Barandat fest, meinte aber auch: „Die Ächtung der AfD ist falsch, man muss auch mit diesen Leuten reden.“ Vorher hatte er auch schon empfohlen, mit Russland den Dialog zu suchen. Schließlic hblicke jeder aus einem anderen Blickwinkel, den man kennen sollte, auf einen Umstand.

Insgesamt sieht Barandat „eine tiefe Krise in der EU und der Gesellschaft“. Er fragt: „Sind wir überhaupt noch politikfähig?“. Lösungen könne es nur geben, wenn die „Muster erkannt und beachtet werden“. Barandat forderte ein „systemisches Denken und Handeln“ dabei „abwägen, in Alternativen und vom Ende her und in Netzwerken denken“. Gerechtigkeit sei wichtigsten Kriterium bei Entscheidungen. Und die Akteure müssten zur Kooperation bereits sein, auch wenn es immer „einen Fast-Gewinner“ gebe.

Im zweiten Vortrag berichtete Christina Engl von der Caritas Regensburg über das Flüchtlingslager Mai Ayni in Äthiopien. Vor wenigen Tagen war sie von dort zurückgekehrt. 20000 Menschen leben dort, 900000 Flüchtlinge seien es insgesamt in Äthiopien. Flüchtlinge und äthiopische Bevölkerung lebten weitgehend getrennt. Längst sei Mai Ayni kein Zeltcamp mehr. Hütten und kleine Häuser seien entstanden. Die Grundbedürfnisse der Menschen dort seien auf „niedrigem Niveau abgedeckt“.

Für Kinder gebe es Schulen, Kindergärten und später einfaches Berufstraining. Doch die Erwachsenen hätten wenig zu tun und würden keine Zukunft sehen. Unterschiedliche Antworten gebe es auf die Frage, ob die Flüchtlinge weiter nach Europa ziehen wollten. Das Fazit des Vortrags lautete: „Lösungen könnten mit internationaler Hilfe geschaffen werden.“ Moderiert wurde die Tagung von Flüchtlingshilfekoordinator Manfred Weiß.

"Unser Netzwerk ist nach wie vor aktiv", sagt Flüchtlingshilfekoordinator Manfred Weiß ( links). Bei der Tagung über Flucht und Fluchtursachen referierten Jörg Barandat und Christina Engl (vordere Reihe von von rechts).

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