Nun spricht auch der chinesische Künstler Ai Weiwei davon, dass in Europa die Stimmung wie in den 1930er Jahren ist. Sein Blick ist der Blick von außen. Er lebt erst sein wenigen Jahren in Deutschland - und kommt doch zu so einem bitteren Urteil. Es ist die Feindseligkeit, die Fremdenfeindlichkeit, die ihm hierzulande entgegenschlägt. Ihm, den die Deutschen noch vor kurzem als Helden des Widerstands, als Kämpfer für die Menschenrechte im autoritären China gefeiert hatten.
Das gesellschaftliche Klima hat sich in der Tat dramatisch verändert. Ressentiments, Feindseligkeit, Fremdenfeindlichkeit sowie Hass und Feindschaft dem Anderen gegenüber sind zurückgekehrt. Die Würde des Menschen wird viel zu oft mit Füßen getreten, nicht vom Staat wie in China, sondern von gesellschaftlichen Gruppen, Parteien und Extremisten.
Es ist bitter, wenn die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, feststellt, dass die Angst vor dem Judenhass zum jüdischen Leben in Deutschland heute wieder dazugehört. Sie warnt, wie andere auch, vor dem wachsenden Antisemitismus - und das zu Recht.
Es ist nicht nur der importierte Antisemitismus, wie manche glauben machen wollen, obwohl es diesen auch gibt - und das nicht zu wenig. Judenhass ist ein uraltes deutsches Ressentiment, sei es von links oder von rechts. Und: Judenfeindschaft ist seit langem auch in der Champagner-Etage zu Hause. Dort wird dann von der "Diktatur der Hochfinanz von der Ostküste" geraunt.
Es ist nicht nur Aufgabe des Staates, Antisemitismus entgegenzutreten. Jeder ist gefordert. Die freiheitliche demokratische Gesellschaft, die Antisemitismus zulässt, verrät die Menschenrechte, die Würde des Menschen und sich selbst.













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