14.09.2021 - 14:55 Uhr
Kaibitz bei KemnathOberpfalz

Erich Ebermayer rückt Kaibitz in Zentrum seiner Werke

Der Heimatkundliche Arbeitskreis Kemnath und die Kulturfreunde Kaibitz beleuchteten das Leben und die Werke des Schriftstellers Erich Ebermayer. Auch persönliches Wissen floss in die Matinee mit ein.

von Arnold KochProfil

Zum Tag des offenen Denkmals hatten die Kulturfreunde und der HAK am Samstag und Sonntag nach Kaibitz eingeladen. Leben und Werke des Schriftstellers und Schlossherrn Erich Ebermayer, 100 Jahre Kunstmühle Kaibitz und 200 Jahre Brauhaus Kaibitz waren die Themen. Die Veranstaltung zum Motto des Denkmaltages "Sein und Schein" begleiteten Robert Schön (HAK) und Helene Eibisch (Kulturfreunde), die Ausstellung hatte Katrin Pasieka-Zapf vorbereitet. Nach der Begrüßung durch Kulturfreunde-Vorsitzenden Ely Eibisch und Robert Schön eröffneten die Schlossbläser Kaibitz die Veranstaltung am Samstag mit dem Stück "Der Fürstenruf".

Fast nach Schönreuth

"Erich Ebermayer war eine schillernde Persönlichkeit, wenn man sein Leben und Wirken besonders während der NS-Zeit betrachtet. Mehrere seiner Werke wurden verboten. Ihm halfen seine Kontakte bis in die Führungsebene der NS-Zeit diese Ära unbeschadet zu überstehen", berichtete Schön. Ebermayer sei kurz vor Kriegsbeginn in Berliner Kreisen geraten worden, sich aus Berlin und dem Rampenlicht zurückzuziehen. Eines seiner Reiseziele war Bayreuth, wobei der Drehbuchautor, Jurist und Schriftsteller auch Interesse zeigte, das Schönreuther Schloss zu erwerben. Nachdem er sich mit dessen Besitzer nicht einigen konnte, erwarb er das Kaibitzer Schloss 1939 von Ernst Sauer.

",Wir haben einen ganz besonderen Schlossherrn', erzählte meine Schwiegermutter, als ich 1968 hier einheiratete. Er ist ein Schriftsteller. Und ich war sehr gespannt, ihn mal zu sehen", erzählte Helene Eibisch. Sie erinnerte sich, dass Ebermayer öfters morgens in seinem weißen Bademantel zu Fuß zum Hammerweiher ging, um dort zu baden. Seine Gäste seien oft und gerne in Kaibitz auch bei ihren Schwiegereltern gewesen. Eine besondere Freundschaft pflegte Ebermayer mit der Freifrau von Lindenfels, geborene Gräfin von Schulenburg. Sie illustrierte auch manche seiner Bücher. Auch sein Lebensgefährte Bert Baedecker war häufig in Kaibitz und besuchte die Familie Eibisch immer mit einem Blumengeschenk. Urlaubskarten aus deren Domizil auf der Insel Capri zeugten von der Verbundenheit.

"In seinem Buch ,Hubertus' zeichnet er ein identisches Bild seiner Spaziergänge rund um die Weiher, vorbei an der Kapelle hinein in seinen ewigen Wald, den Hessenwald. Seine Besuche im Schloss Wolframshof mit der alten Gräfin sind detailliert beschrieben", berichtete Helene Eibisch. Sie las alle Bücher und sammelte Erinnerungsstücke des im Jahr 1900 geborenen Schriftstellers. "Ich denke noch heute gern an ihn, der unseren schönen Ort in den literarischen Mittelpunkt seines Schaffens und das seiner schreibenden Gäste rückte", erinnerte sich Helene Eibisch.

Bücher im Dritten Reich verboten

Ebermayer sah seinen literarischen "Meister" in Thomas Mann und wurde von Gerhart Hauptmann zum "Wahlsohn" ernannt. In seinen Erinnerungen im Werk "Eh ich's vergesse" spiegelt sich die literarische und kulturpolitische Welt der 1920er Jahre, die nach 1933 durch Bücherverbrennung und Exil gespalten wurde. Ebermayer, der in Deutschland blieb, erzählt darin als unmittelbar Beteiligter, wie dessen Bücher im Dritten Reich verboten waren.

Sein und der Grabstein seines Vaters befinden sich auf dem Schlossgelände, erzählte Schön. HAK-Mitglied Max Neumann ergänzte, dass er Ebermayer während seiner Besuche in Kaibitz mit seiner Pferdekutsche zum und vom Bahnhof zum Schloss transportiert habe. Als Aufmerksamkeit erhielt er ein von ihm signiertes Buch.

Zur Abrundung der Veranstaltung erläuterte Ely Eibisch die Geschichte der alten Kunstmühle des Schlossgutes Kaibitz. Darin konnte erstmals weißes Mehl gemahlen werden. Die danebenliegende Schlossschänke wurde vor 200 Jahren als Brauerei errichtet. Die Verantwortlichen bedankten sich bei Katrin Pasieka-Zapf für die Zusammenstellung der Ebermayer-Ausstellung in der Mühle. Am Sonntagnachmittag gab es in der Schlossschänke Kaffee und Kuchen.

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