Vom Betttuch zum Fußball: Die 100-jährige Geschichte des FC Kaltenbrunn

Vor 100 Jahren gründeten acht Pioniere den FC Kaltenbrunn. Eine Geschichte von Höhen und Tiefen, hölzernen Schuhen, Auswärtsfahrten auf US-Lastwägen und einem Diebstahl in Mamas Schlafzimmer.

Die Jugendelf des FC Kaltenbrunn im Frühjahr 1955 auf dem Sportplatz am Galgenbühl mit vorne sitzend von links Josef Pecho, Alfons Bösl, Karl Zeinz,, dahinter Hans Grünbauer, Hans Fischer, Adolf Neubauer und stehend von links Leonhard Bernklau, Hans Ertl, Martin Ertl, Karl Krauß, Karl Klier und Leiter Herbert Seidel.
von Siegfried BockProfil

Eigentlich hätte der FC Kaltenbrunn in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiern wollen. Aber: Die Jubiläumsfeier musste auf 2023 verschoben werden. Die Pandemie ist schuld. „Dann wollen wir unter dem Motto 100 +2 einen neuen Anlauf wagen“ signalisiert Vorsitzender Andreas Malzer.

Was steckt hinter dem Kaltenbrunner Sportverein? Von welchen Höhen, welchen Tiefen gibt es zu erzählen? Acht Pioniere gründeten 1921 im Gasthof Helmreich den Fußballclub Kaltenbrunn. Heute, im Jubiläumsjahr präsentiert sich der mit rund 320 Mitgliedern größte Ortsverein als finanziell gesund.

Erstes Spielfeld war der Marktplatz

Zurück in die Anfangsjahre. Aus den Aufzeichnungen gehen Karl Hanna, Josef Zeinz, Josef Dippl, Karl Liedl, Georg Harrer, Hans Bayer, Fritz Sparrer und Sepp Lobenhofer hervor. Sie setzten den Monatsbeitrag auf zehn Pfennig fest. Karl Hanna stibitzte seiner Mutter das Bettleinen, um aus dem Erlös einen Fußball zu kaufen. Als Spielfeld erkor man zunächst den Marktplatz, wo jetzt die Kirche steht, später den Galgenbühl. Fußballstiefel, Trikots und Schiedsrichter waren damals Fremdwörter. Gespielt wurde in Straßenkleidung und Holzschuhen und zu pfeifen hatte, wer zu schlecht zum Spielen war. Erst ab 1933 wird der Betrieb geregelter, Pässe werden üblich und die Hauptgegner heißen Grafenwöhr, Pressath und Mantel. Dann kam der Krieg.

Mit dem 2. Weltkrieg gingen viele Aktive und Förderer verloren. Ein Neustart war nötig. Am 18. November1945 trafen sich bei der „Helmreich-Kuni“ 36 junge Männer, um den FC wieder auf die Beine zu stellen. Gewählt wurden Albert Dippl zum Vorsitzenden und Adolf Zeinz zum Stellvertreter. Nicht zu vergleichen mit der heutigen Zeit waren auch die Fahrten der Mannschaften zu den Spielen, teils per Fahrrad oder mit dem US-Lastwagen.

Ball im Schlemmweiher

Zwischen 1945 und 1962 gab es nicht weniger als zwölfmal einen Wechsel im Amt des Vorsitzenden. Eine Ausnahme bildete Hans Bauer. Auf seine Vermittlung und dank der Unterstützung durch die US-Army, die auch eine Umkleidebaracke bereitstellte, konnte am 21. August 1955 die Platzeinweihung stattfinden. Die Gemeinde ließ dafür eigens Wald abholzen. Zuvor diente der Galgenbühl über den Schächten des Pegmatikwerks als Fußballplatz. „Immer wieder passierte es, dass der einzige Ball über das Spielfeld über die Mauerwand in den Schlemmweiher oder gar in die Schachteinfahrt rollte, was zu Spielunterbrechungen führte. Das waren noch Zeiten", erinnert sich der 85-jährige Ehrenvorsitzende Josef Lobenhofer.

Seine 15 Jahre lange Ära begann 1963. Angespornt von ihm als Motor und Manager ließen Fleiß und Opferbereitschaft zum eigens um ein Jahr verschobenen 50-jährigen Jubiläum 1972 ein neues Sportheim entstehen. Die Sparte Eisstock machte sich ab 1973 bald einen Namen, vor allem durch die Jugend. Der Bau der Stockhalle 2005 erweist sich als Motivator und ermöglicht Turniere mit Mannschaften bis aus Österreich. 1970 wird die Fußballjugend mit Leiter Johann Bauer und Trainer Horst Ludwig erstmals Meister.

Für einen Durchmarsch von der C- bis zur A-Klasse (heute mit Kreisliga vergleichbar) sorgten 1978 die Fußballer unter ihrem neuen Spielertrainer und Torschützenkönig Herbert Rudolph. „Der Erfolg war vorgezeichnet durch die hervorragende Jugendarbeit von Robert Häusler. Dabei ist es relativ schnell gelungen, diese jungen Spieler in die erste Mannschaft zu integrieren. Und der Zusammenhalt war beispielhaft“, erzählt Rudolph.

Kritik führt zur Krise

1979 übernahm Horst Ludwig den Vorsitz. Auf das Konto der Altherrenfußballer ging der An- und Ausbau des Sportheims. 1980 wird die Damengymnastikgruppe aus der Taufe gehoben. Es folgten Tischtennis- und Tennisabteilung. Der Boris-Becker-Boom führte zum Bau einer Tennisanlage.

1991 erlebte der Verein seine schwerste Führungskrise. Niemand war wegen unsachlicher Kritik mehr bereit, Verantwortung zu übernehmen. Der langjährige Jugendleiter Robert Häusler trat schließlich auf Bitte von Bürgermeister Georg Härning an. Die Sanierung des A-Platzes, die Erstellung einer Flutlichtanlage auf dem B-Feld, der Einbau einer Sauna, ein Gerätehaus und die Überdachung der Sportheimterrasse waren die Hauptprojekte, die Häusler und sein Stellvertreter Josef Pritzl meist mit nur wenigen Helfern verwirklichten.

Seit 2019 steht Andreas Malzer mit Umsicht an der Spitze des FC. Seine Vorgänger, die Ehrenvorsitzenden Häusler und Pritzl, sind noch immer unermüdlich bei Arbeitseinsätzen aktiv. Inzwischen wurde für den B-Platz eine automatische Beregnungsanlage installiert. Rund 8000 Euro wurden zuletzt in das FC-Stüberl im Sportheimkeller sowie in eine neue Küche für die Stockhalle investiert.

Was noch immer gilt: Der FC ist noch ein echter Amateurverein, ohne bezahlte Akteure. Das Klima bei den Kickern und in der jungen Vereinsführung stimmt. Dass dies so bleibt, ist sicher der Wunsch von Mitgliedern und Anhängern für das nächste Jahrhundert.

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Hintergrund:

Der FC Kaltenbrunn heute

  • Rund 320 Mitglieder
  • Vorstand: Andreas Malzer (seit 2019)
  • Abteilungen Fußball, Eisstock, Damengymnastik, Kinderturnen und Tennis
  • Fußballer spielen in der Kreisklasse West (nach 16 Spielen Rang acht)
  • Letzter Aufstieg: 2019 als Tabellenerster aus der A-Klasse Nord
  • Trainer: Stefan Stubenvoll
  • Kapitän: Christian Bauer (Mittelfeld)

 

 

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