Pfarrhof ist nun Geschichte

„Der Entschluss, den Pfarrhof zu veräußern, ist uns wirklich nicht leicht gefallen", betont Kirchenpfleger Karl Bauer. Letztlich blieb aber kaum eine andere Wahl.

Der Pfarrhof im Marktzentrum ist Geschichte: Eine sechsköpfige Familie aus Weiden hat ihn erworben und wird demnächst dort einziehen. Hinter dem Gebäude befindet sich ein großer Gemüsegarten.
von Siegfried BockProfil

"Nachdem uns von der Bischöflichen Administration mitgeteilt wurde, dass das Gebäude auch künftig als Priesterwohnung nicht mehr in Erwägung gezogen wird, blieben fast keine Alternativen“, meinte der Kirchenpfleger. Ruhestandspfarrer hätten kein Interesse gezeigt. „Es gab eine Voranfrage, mehr nicht. Also blieb nur die Möglichkeit vermieten oder verkaufen. Länger leer stehen und verkommen lassen, das ging ja auf keinen Fall“ so Bauer. Die Kirchenverwaltung habe sich gegen eine Vermietung ausgesprochen, da die Kosten für eine Renovierung wahrscheinlich durch die Einnahmen nicht hätten gedeckt werden können. Zumal die Diözese solche Vorhaben nicht mehr bezuschusse und ein vermieteter Pfarrhof immer wieder mit Arbeit verbunden sei.

Auch vom Baureferat der Diözese Regensburg wurde zum Verkauf geraten. Leider gab es auf die regionale Anzeige so gut wie kein Echo. Erst auf das Inserat im Internet meldeten sich mehrere Interessenten. „Inzwischen sind wir uns mit einer sechsköpfigen Familie aus Weiden einig geworden. Sie war bereit, den von einem Sachverständigen ermittelten Preis zu zahlen.“ Bauer: „Der stattliche Gebäudeerlös verbleibt bei der Katholischen Kirchenstiftung Kaltenbrunn und kann für Bedürfnisse der Ortskirche verwendet werden. Der Verkaufspreis für das 2298 Quadratmeter große Grundstück wird bei der Diözese für den Erwerb von Ersatzgrundstücken hinterlegt.“

Zur Historie: Am Gründonnerstag 1962 übernimmt der aus Schirmitz stammende, zuletzt in Sulzbach-Rosenberg St. Marien als Kaplan tätige Ludwig Bock die vorübergehend verwaiste Pfarrstelle. Noch im August beschließt die Kirchenverwaltung den Neubau eines Pfarrhofs im bisherigen Pfarrgarten, nachdem Domkapitular und Finanzdirektor Augustin Kuffner bei der Besichtigung des alten Pfarrhauses sein Einverständnis dazu erteilt hatte. Mit ungebrochenem Arbeitsfleiß geht die die Gemeinde ein Jahr später ans Werk. Allen voran der, den man in seinem von der Arbeit gekennzeichneten Overall kaum als einen Geistlichen hätte erkennen können: Pfarrer Bock.

Als Beleg dafür sei eine kleine Anekdote erzählt, die heute noch voller Humor an jene Tage erinnert. Ein ortsfremder Besucher, der offensichtlich im Pfarramt etwas zu erledigen hatte, suchte den Geistlichen und erkundigte sich entsprechend bei einem Arbeiter. Ohne es zu ahnen wandte er sich dabei an den Pfarrer selbst, der im Schweiße seines Angesichts als solcher nicht zu erkennen war. Sehr zur Erleichterung aller Eingeweihten verwies Bock den Fremden achselzuckend an die Haushälterin, die ihm aber mangels Zuständigkeit unverrichteter Dinge wieder ziehen lassen musste. „Don Camillo“, wie er oft genannt wurde, hat die 120 Meter lange und 2,20 Meter hohe Umfriedung mit Matthias Harrer Stück für Stück (jeweils vier Meter) eingeschalt. Den Beton lieferte die Firma Turban aus Mantel. Hans Bernklau (86) erinnert sich noch gut, wie er den Beton mit seinem Bulldog-Frontlader auflud und in die Schalung kippte. „Gut drei Monate haben wir daran gearbeitet.“

Nur dieser vom Pfarrer ausgelösten Motivation der Bereitschaft zum Anpacken war es zu verdanken, dass die reinen Baukosten auf 116 000 Mark beschränkt werden konnten. Freilich schlugen der Abbruch des alten Gebäudes sowie die Errichtung der beiden Garagen nochmal zu Buche. Doch auch hier zeigte sich, dass die Entscheidung der Pfarrgemeinde, sich ein zeitgemäßes Aussehen zu verleihen, solchen Opfern jederzeit gewachsen war. 2000 wurde ein neues, zeitgemäßes Bad installiert.

In den nahezu 60 Jahren waren auch höhe geistliche Würdenträger bei verschiedenen Anlässen zu Gast: Erzbischof Benedict Mar Gregorius (Indien), die Bischöfe Manfred Müller und Jebamalai Susaimanickam (Indien) und Anton Eduard Bösl (Hirschau/Bolivien), die Weihbischöfe Josef Hiltl, Vinzenz Guggenberger und Reinhard Pappenberger, die Domkapitulare Peter Hubbauer, Alois Reindl und Thomas Pinzer. Unvergesslich bleiben die Treffen von indischen Geistlichen und Freunden bei Pfarrer Devadass. So wurde der Pfarrhof auch Gasthaus „Zum guten Hirten“ genannt. So mancher Kaltenbrunner, der im Pfarrhof ehrenamtlich unzählige Stunden verbracht hat, dürfte nun nach dem Verkauf schon ein bisschen Wehmut empfinden.

Bewohner des Pfarrhofs:

Nach Pfarrer Ludwig Bock (von 1962 bis 1976) bewohnte bis 1986 Franz Winklmann, anschließend Heribert Englhard und von 2000 bis 2015 Irudayaraj Devadass den Pfarrhof. Seit dessen Rückkehr in seine Heimatdiözese Sivagangai im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu stand der Pfarrhof leer. Nur das Pfarrbüro befand sich noch dort, ist aber seit März 2019 im neuen Pfarrheim untergebracht.

Pfarrer Ludwig Bock vor dem Abbruch auf dem alten Pfarrhof.
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