10.01.2021 - 09:36 Uhr
Kastl bei KemnathOberpfalz

45 Jahre Kastler Kinderhaus "Pusteblume": Langes Hin und Her feiert Geburtstag

Im Kinderhaus "Pusteblume" der Gemeinde Kastl sind die Kleinsten das Größte. Seit über 45 Jahren dreht sich in der Einrichtung alles um sie. Die Feier des halbrunden Geburtstages musste aber wegen Corona ausfallen.

von Holger Stiegler (STG)Profil

Dieses Jubiläum ist für die Gemeinde Kastl gewiss eine kleine Sensation: Denn ursprünglich hielt man diese Einrichtung nicht für unbedingt nötig und erst nach längerer Diskussion entschied sich die Kommune dafür.

Bevor es in Kastl einen Kindergarten gab, brachten einzelne Familien ihre Kinder in Einrichtungen umliegender Gemeinden unter. Da bereits mehrere Kinder aus Kastl den Trabitzer Kindergarten besuchten, kam von dort in den Jahren 1972 und 1973 der Antrag, die Gemeinde Kastl solle sich am Defizit der Einrichtung beteiligen - was aber wegen fehlender Haushaltsmittel abgelehnt wurde. "Auch die damalige Gemeinde Preißach drängte die Gemeinde Kastl mehrfach, sich an den Kosten des Kindergartens in Trabitz zu beteiligen, weil aus Kastl mehr Kinder gemeldet waren als aus Preißach selbst. Deshalb forderte die Kommune 30 Mark pro Kind im Monat, was ebenfalls einstimmig abgelehnt wurde", weiß Bürgermeister Hans Walter.

Zunächst Kostenbeteiligung

Wohl wissend, dass sich der Bau einer Einrichtung in Kastl wohl noch länger hinziehen würde, beschloss das Kastler Gremium 1972, sich mit 20 Prozent an den Personalkosten zu beteiligen, wenn vertraglich sichergestellt sei, dass alle Kastler Kinder bei Bedarf einen Kindergartenplatz bekommen.

Erstmals besprochen wurde das Thema Kindergarten in Kastl in einer Gemeinderatssitzung im Februar 1971, als Gemeinderat Georg Erfuhrt vorschlug, die Lehrerwohnung im Erdgeschoss des ehemaligen Schulhauses neben dem Pfarrhof in einen Kindergarten umzubauen. 13 Monate später wurde beschlossen, den Pfarrgemeinderat mit den Vorarbeiten für einen Kindergarten zu beauftragen. Ursprünglich sprach man sich dafür aus, dass die katholische Kirche den Kindergarten bauen und unterhalten solle. Der damalige Kastler Pfarrer Sebastian Steger lehnte dies aber ab. So beschloss der Gemeinderat im Mai 1972, "baldmöglichst einen Kindergarten zu erstellen".

Freistaat zahlt mit

Als Standort wurde der Spielplatz an der Grundschule in Betracht gezogen, im August 1972 gab Architekt Bundscherer aus Eschenbach eine erste Planung und Kostenschätzung im Gemeinderat ab. Bürgermeister Hans Walter sen. konnte berichten, dass der Freistaat ein Drittel der Personalkosten übernehmen werde. In dieser Sitzung wurde zugleich beschlossen, mit der Gemeinde Löschwitz einen Kindergartenzweckverband zu gründen.

Konkreter wurden die Planungen im Dezember 1972, als der Architekt einen Kostenvoranschlag von rund 510 000 D-Mark unterbreitete. Gemeinde und Landratsamt apellierten nochmals an die katholische Kirchenverwaltung Kastl, die Trägerschaft zu übernehmen, um unter Umständen vom Ordinariat eine Förderung zu erhalten.

Drei Tage später tagte das Gremium erneut: Einstimmig wurde nach "eingehender Beratung der Baumaßnahme" beschlossen, einen Kindergarten zu errichten. Festgestellt wurde, dass die erforderlichen Eigenmittel zur Verfügung stehen.

Im März 1974 wurde der Kindergartenzweckverband mit der Gemeinde Löschwitz gegründet. Kastl entsandte in die Verbandsversammlung Bürgermeister Hans Walter sen., Josef Brand, Rudi Stahl sen., Albert Schmidt und Hans Schinner. Der stellte im gleichen Jahr den Antrag zum Neubau eines Kindergartens, der im Juli 1974 genehmigt wurde. Nach zähem Ringen unterstützte die Kirche den Bau mit einer Summe von 40 000 D-Mark - allerdings mit der Auflage, dass nur katholische Erzieherinnen eingestellt werden dürften. Bereits die dritte Erzieherin war evangelisch, was aber niemand mehr "kontrollierte". Nach einjähriger Bauzeit konnte der Kindergartenbetrieb zum 1. September 1975 starten.

Das Gebäude wurde mit einem Flachdach errichtet und beherbergte 50 Ganztagsplätze. Diese teilten sich in zwei Ganztagesgruppen mit je bis zu 25 Kindern oder zwei Halbtagesgruppen mit bis zu je 23 Kindern auf. Je Gruppe gab es eine pädagogische Fachkraft und je zwei Gruppen eine pädagogische Hilfskraft. Die Kinder aus den umliegenden Orten wurden mit dem eigenen Bus des Kindergartenzweckverbandes gebracht und wieder abgeholt.

1988/89 beschloss die Gemeinde, den Kindergarten mit einem Satteldach zu versehen. Ebenso entschied sich die Gemeinde für den Neubau einer Mehrzweckhalle - nach langen Diskussionen am gleichen Platz. 1990 erfolgte die Einweihung der Halle, die auch die Kindergartenkinder nutzten.

Seit 1990 Gemeinde Träger

Im selben Jahr wurde der Kindergartenzweckverband Kastl-Löschwitz aufgelöst, Träger ist seitdem die Gemeinde. Zugleich wurde mit der Stadt Kemnath vereinbart, dass die Buben und Mädchen aus Löschwitz, Kaibitz und Lindenhof auch künftig den Kindergarten in Kastl besuchen sollen. Im ehemaligen Turnraum des Kindergartens bezog 1996 die Schulvorbereitende Einrichtung (SVE) ihr neues Quartier für den westlichen Landkreis Tirschenreuth. Im September 1999 wurde eine Mittagsbetreuung für Grundschulkinder im Kellerraum des Kindergartens eingeführt. Träger war der Schulverband. Die Leitung übernahm Christa Kneidl.

Das Kinderhaus hat auch sein eigenes Logo

Kastl bei Kemnath

2008 baute die Kommune das Dachgeschoss aus, um dort Räume für die Krippe und die zu betreuenden Schulkinder zu schaffen. Im März 2009 wurden die neuen Räume fertig. Seit September 2009 darf sich der Kindergarten Kastl nun "Kinderhaus" nennen: Nun dürfen 15 Kinder unter drei Jahren, 56 Kindergarten- und 15 Grundschulkinder gleichzeitig anwesend sein.

Generalsanierung 2010

Im Mai 2010 begann die Generalsanierung des Kindergartens. Die beiden Gruppen wurden in die benachbarte Mehrzweckhalle ausgelagert. Seitdem gibt es in der Einrichtung auch ein Mittagessen. Wegen der steigenden Kinderzahlen und der Bedarfsänderung vergrößerte sich das Team stetig. 2011 bekam die Einrichtung den offiziellen Namen "Kinderhaus Pusteblume".

Seit 2013/14 ist es möglich, dass 15 Kinder unter drei Jahren, 52 Kindergarten- und 30 Grundschulkinder gleichzeitig anwesend sein dürfen. Die betreute Schulkindgruppe bekam einen weiteren Raum im Dachgeschoß, das Büro der SVE zog in den Kellerraum um. 2019 verließ die SVE Kastl und wird demnächst das ehemalige Schulhaus in Waldeck beziehen.

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