11.09.2020 - 13:12 Uhr
Kastl bei KemnathOberpfalz

Kastler Bürgermeister als Geschichtenerzähler

Warum der Papst persönlich in Kastl ein Machtwort sprechen musste und was es mit den Geistern, Riesen und Schlössern auf dem Rauhen Kulm zu tun hatte, darüber wusste Bürgermeister Hans Walter beim Lagerfeuerabend einiges zu erzählen.

Lagerfeuer-Geschichten und -Sagen steuerte Bürgermeister Hans Walter im Schlosshof Wolframshof zum Ferienprogramm bei.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Über 30 Personen folgten seiner Einladung in den historischen Schlosshof von Wolframshof im Rahmen des Ferienprogramms der Gemeinde Kastl. In Form von rund 20 Erzählungen, Sagen und Legenden vollzog Hans Walter einen rund 90-minütigen Querschnitt aus fast 800 Jahren örtlicher Geschichte, gesellschaftlichen Vorkommnissen und lustigen Anekdoten vergangener Zeiten. Den Auftakt bildeten die Aufzeichnungen von Pater Augustin Klier, der in der Pfarrchronik ausführlich über die Geschehnisse bei der Schlacht bei Kastl am 26. August 1796 berichtete. "Hier wird der unparteiliche Leser gebeten, das Vorurteil abzulegen, als schriebe ich dieses nur aus eitlem Ruhm danieder. Nein! Bloß Wahrheitsliebe trieb mich an, dass Andenken der Vorfälle auch auf die Nachkommenschaft zu verbreiten", notierte der Geistliche zum Schluss seines Textes, welchen Hans Walter in gemütlicher Runde vortrug.

Ihm zur Seite stand Musikant Martin Kimich aus Kulmain, der zwischen den Texten volkstümliche Lieder auf seiner "Quetschn" spielte. So wechselten sich beide ab, wodurch mit harmonischen Übergängen und entsprechenden Erläuterungen die Spannung während des Abends bewusst hochgehalten werden konnte.

Neugierig und interessiert verfolgten die Zuhörer auch die Sagen und Legenden über den Rauhen Kulm, die von Riesenkindern, verschwundenen Schlössern, Berggeistern und weißen Frauen handelten. Auch der Teufel hatte am Rauhen Kulm schon seine Hand im Spiel, wo er in dunklen Gängen und Höhlen kistenweise Schätze bewachte und diese unbescholtenen Seelen anbieten wollte. Bis heute konnten aber die Eingänge zu den Wertsachen nicht gefunden werden - und der Teufel wird wohl noch immer darüber wachen.

Für Heiterkeit bei den Gästen sorgten die Geschichten über den Sau- und Saufverein, über einen bierdurstigen Gesellen aus Altköslarn und einen alten Schustergesellen, der als Viehdoktor tätig war. Alle drei Geschichten zeugen von Vorkommnissen, die sich genau so zugetragen haben und die es heute noch Wert sind, erzählt zu werden.

Neben der Schlacht mit den Franzosen ging Hans Walter auch darauf ein, warum die Kastler seit dem Krieg mit Preußen im Jahr 1866 jährlich nach Gößweinstein pilgern. Da die Einwohner große Angst davor hatten, dass durchziehende preußische Soldaten großes Unheil in der Pfarrei anrichten könnten, schworen sie, jedes Jahr eine Wallfahrt in die Fränkische Schweiz zu machen, wenn die Soldaten nicht nach Kastl kommen würden. Als die Wallfahrt wenige Jahre später fast wieder eingeschlafen wäre, gab es ein großes Unwetter in der Pfarrei, welches die Gläubigen als ein entsprechendes Zeichen werteten. Seitdem fand die Wallfahrt ununterbrochen statt, auch während der Kriegsjahre.

Die Stimmung im abendlichen Schlosshof hätte besser nicht sein können. Für das besondere Ambiente sorgten Maximilian von Grundherr zusammen mit seiner Ehefrau Felicia von Grundherr, die im Vorfeld alles mit vorbereitet haben. Ihnen dankte Bürgermeister Hans Walter besonders, dass die Veranstaltung bei ihnen stattfinden konnte.

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