01.07.2020 - 10:47 Uhr
Kastl bei KemnathOberpfalz

Kastler Sportschützen fehlt es an klaren Zielen

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Sportlich lief es gut für die Sportschützen Einigkeit Hubertus Kastl 1921. Doch dann kam Corona und zerstörte die Aufstiegschance der zweiten Luftgewehrmannschaft. Die Pandemie traf auch den Verein selbst schwer.

Auch die Jugend der Kastler Sportschützen trainiert wieder. Doch für sie steht wegen des Mindestabstandes ebenfalls derzeit nur jeder zweite Schießstand zur Verfügung.
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Glück hatte dagegen die erste Luftgewehrmannschaft der Kastler Sportschützen. Sie hatte im Januar noch den Verbleib in der ersten Bundesliga sichergestellt. Auch die Landesligateams konnten Anfang März rechtzeitig ihre Wettkämpfe abschließen. Doch gut zwei Wochen später kam mit dem Lockdown die Hiobsbotschaft. „Alle weiterführenden Meisterschaften für 2020 wurden abgesagt, die noch laufenden Ligen wurden einfach beendet“, erklärt Vorsitzender Wolfgang Raps.

Besonders bitter sei der Abbruch für die zweite Gewehrmannschaft. Als Meister der Landesliga wäre sie im April für den Aufstiegskampf mit sechs Teams zur Bayernliga Nord-Ost berechtigt gewesen. Die Kastler seien Mitfavorit gewesen, betont Raps. Doch die Dachverbände hätten die Auf- und Abstiegsregularien außer Kraft gesetzt. Da der mögliche Aufstieg in die höchste Klasse Bayerns nun passé sei, "ist es ein verschenktes Jahr". Raps schmerzt aber auch, dass die Kastler erstmals seit 30 Jahren nicht bei den Deutschen Meisterschaften in München-Hochbrück vertreten sind. Die nationalen Titelkämpfe im August seien für dieses Jahr ausgesetzt, „wir hätten eine starke Schülermannschaft mit der Luftpistole am Start gehabt“.

Ob der Ligenbetrieb zur kommenden Saison planmäßig aufgenommen werden kann, ist bislang noch offen. Zwar hat der Deutsche Schützenbund (DSB) vor kurzem die generelle Durchführung und den Start der Bundesligen im Oktober befürwortet, eine definitive Entscheidung wird aber erst Ende August fallen. Auch unter welchen Voraussetzungen (Örtlichkeiten, ob mit oder ohne Zuschauer) werde sich erst kurz vor dem möglichen Start entscheiden, so der Wehaer. Die Schützen hoffen darauf, dass dann nicht nur das „Oberhaus“, sondern auch alle untergeordneten Ligen ihren Betrieb wieder aufnehmen dürfen.

Nur jeder zweite Stand besetzt

Ein Lichtblick sind für Raps die mittlerweile in Kraft getretenen Lockerungen. Hatte der Schießbetrieb wegen des Lockdowns ruhen müssen, so dürfen die Mitglieder seit dem 8. Juni wieder trainieren. Deutscher und Oberpfälzer Schützenbund (OSB) hätten dafür ein Schutz- und Hygienekonzept erarbeiten, berichtet der Vorsitzende. In Kastl bedeutet dies: Von den 24 Schießständen darf jeder zweite benutzt werden, somit sind zwölf Schützen gleichzeitig zulässig. Neben den allgemein zu beachtenden Corona-Maßnahmen müssen zusätzlich die Vereinswaffen vor und nach jeder Einzelbenutzung desinfiziert werden, auch werden die anwesenden Sportschützen aufgeschrieben.

Noch nicht anlegen dürfen Gastschützen und die jüngsten Mitglieder, die sonst mit dem Lichtgewehr üben. Die Mädchen und Buben benötigten einen erhöhten Betreuungsbedarf, die Mindestabstände wären nicht einzuhalten, erläutert Raps. Um den Aktiven ausreichend Gelegenheit zu geben, ihren Sport ausüben zu können, sind die Schießtage von zwei auf drei in der Woche erhöht worden. "Wenn das nicht reicht, könnte es noch einen vierten Tag geben", kündigt der Vorsitzende an.

"Froh" über die Lockerungen zeigt er sich auch im Hinblick auf die Vereinsgaststätte. Dort laufe seit zwei Wochen ein reduzierter Betrieb, den er als "Testlauf" betrachtet. Den Schützen seien durch die Coronakrise Einnahmen aus Geburtstags- und Vereinsfeiern sowie dem eigenen Vatertagsfest weggebrochen, "was aber generell für alle Vereine ein Problem ist". OSB und Bayerischer Sportschützenbund (BSSB) hätten Listen an die Vereine verteilt, um die finanziellen Schäden zu dokumentieren. Diese sollen an die Staatsregierung weitergeleitet werden. Ob es eine Entschädigung gibt, glaubt Raps aber nicht. Immerhin sei die Übungsleiterpauschale verdoppelt worden, "aber das ist ein Tropfen auf den heißen Stein".

Umbau geht weiter

Wieder aufgenommen worden ist vor kurzem der Umbau im Schützenhaus. Weil es für die fünfschüssige Luftpistole keine Wettbewerbe mehr gebe, werden die dafür vorgesehenen beiden Stände in solche für den Luftpistolenmehrkampf umgestaltet, erzählt Raps.

Mit dem Gau Armesberg soll in den nächsten Wochen ebenfalls geklärt werden, ob der Gauschützenball noch abgehalten werden soll. "Wir würden es gerne machen, aber 150 Gäste im Saal sind von weiteren Lockerungen abhängig." Gleiches gilt für das turnusmäßige Kastler Bürgerschießen, das im April abgesagt werden musste. Eventuell ergibt sich hierfür im Spätherbst noch eine Möglichkeit. Einen Nachholtermin im nächsten Jahr schließt Raps aus, "weil wir da ein großes Fest hätten".

In der Jahreshauptversammlung war die Welt bei den Sportschützen noch in Ordnung.

Kastl bei Kemnath

Damit meint er die Feier des 100. Vereinsjubiläums (Kasten), das "unter den gegebenen Umständen hoffentlich stattfinden kann". Die Planungen für die Feierlichkeiten am Pfingstwochenende (21. bis 24. Mai 2021) laufen bereits seit einiger Zeit - und trotz Corona-Pandemie vorerst ungehindert weiter. Das Jubiläum ein Jahr aufzuschieben oder gar abzusagen, ist für Raps aktuell keine Lösung, zumal die meisten Verträge bereits im Vorfeld unterzeichnet worden seien.

Hintergrund:

Feier mit „Troglauern“ und richtigen Krachern

Den Festauftakt sollen am Freitag, 21. Mai 2021, die „Altmeister“ von der Rockband AC/DX. machen. Am Samstag, 22. Mai 2021, sind die Lokalmatadoren, die „Troglauer“, am Zug, das Festzelt in ihrer Heimatgemeinde zum Kochen zu bringen.

Der Festsonntag, 23. Mai, steht ganz im Zeichen des Schützenvereins. Ein Festgottesdienst mit Kirchenzug der örtlichen Vereine eröffnet am Vormittag den Festreigen. Am Nachmittag ist ein Umzug durch die Ortschaft geplant, am Abend sollen die Pressather Musikanten für richtig Stimmung sorgen. Zum Abschluss der Festtage wartet am Pfingstmontag, 24. Mai, ein weiterer Kracher auf die Festbesucher.

Zum 24. Oberpfälzer Böllerschützen werden mehrere Hundert Böllerschützen erwartet, die am Nachmittag beim Platzschießen lautstark in Aktion treten werden. Bei einem Bayerischen Abend mit der Großkonreuther Blasmusik soll dann das Jubiläumsfest beschlossen werden.

Auch die Jugend der Kastler Sportschützen trainiert wieder. Doch für sie steht wegen des Mindestabstandes ebenfalls derzeit nur jeder zweite Schießstand zur Verfügung.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.