10.10.2018 - 17:53 Uhr
MünchenOberpfalz

Katerstimmung bei der SPD schon vor der Wahlparty

SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen bittet die Mitglieder um Wahlkampfhilfe. Offen ist, ob der Appell verfängt. Die Parteizentrale in Berlin hat schon mal die traditionelle Feier abgesagt -- wenn auch aus anderen Gründen.

Die SPD-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl Natascha Kohnen (von links), und die SPD-Bundesvorsitzende Andrea Nahles haben Anfang der Woche noch einmal ihre Einigkeit betont.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

(paa) Für die SPD gäbe es bei der Landtagswahl am Sonntag viel zu gewinnen. Doch einen Grund zum Feiern dürften die Sozialdemokraten weder in München noch in Berlin haben. Im Willy-Brandt-Haus, der Berliner Parteizentrale, hat die SPD schon einmal die traditionelle Wahlparty abgesagt. Aus Spargründen. Klar ist aber auch: Sollten die Sozialdemokraten in Bayern so schlecht abschneiden wie die Umfragen - zwischen elf und zwölf Prozent - vorhersagen, dürfte auch in Berlin Katerstimmung herrschen.

Schließlich hat nicht nur die bayerische SPD-Vorsitzende Natascha Kohnen ihren Unmut über das Agieren der SPD-Bundesvorsitzenden Andrea Nahles in der Causa Hans-Georg Maaßen zum Ausdruck gebracht. Pflichtschuldig haben beide erst am Montag in München zum Ausdruck betont, dass zwischen sie kein Blatt Papier passe, doch spätestens nach der hessischen Landtagswahl Ende Oktober dürfte bei der SPD das große Aufräumen einsetzen - in Bayern und bundesweit.

Unterdessen hat Kohnen in einem Schreiben an die bayerischen SPD-Mitglieder eingeräumt, dass die Lage ernst ist. Der Brief der Spitzenkandidatin lässt sich so verstehen, dass die Entwicklung die Sozialdemokraten auf dem falschen Fuß trifft. Dabei schreibt sie, gäbe es bei dieser Wahl "eine echte Chance auf Veränderung: Die CSU ist geschwächt, der Ministerpräsident ist unpopulär und die Menschen in Bayern suchen nach politischen Alternativen." Kohnen wird sich nach der Landtagswahl wie die bayerische Parteiführung fragen lassen müssen, warum die Wähler im Freistaat diese Alternative nicht in den Sozialdemokraten sehen.

Es fehlt die politische Leidenschaft beklagt ein langjähriges SPD-Mitglied und früherer Landtagsabgeordneter. Diese vermisst er sowohl bei der Parteiführung in Berlin als auch in München. Ob es Kohnen vor diesem Hintergrund gelingen kann, die Mitglieder mit einem Schreiben zu mobilisieren? Sie bitte die Genossen dabei zu helfen, die unentschiedenen Wähler auf die Seite der SPD zu ziehen. "Wir sind 50 000 Mitglieder in ganz Bayern", schreibt die Spitzenkandidatin. Wenn jeder ein paar Freunde, Bekannte und Verwandte zusätzlich überzeuge, die SPD zu wählen, dann "können wir auf den letzten Metern richtig was bewegen". Was ein übliches Werbemittel im Wahlkampf ist, mutet angesichts der niedrigen Umfragewerte aber auch wie ein Akt der Verzweiflung an.

Direktmandate bei der Landtagswahl 2018:

Schon im Frühjahr haben sich Mandatsträger der CSU Gedanken gemacht, ob in München möglicherweise der Verlust eines Direktmandates an die Grünen droht. Bei großstädtischen Wählern, so die Sorge, könne die Partei nicht so gut punkten. Inzwischen sind es vier Wahlkreise in der Landeshauptstadt, in denen ein Grüner die Nase vorn haben könnte, prognostiziert das Portal election.de. Das gleiche gilt für je ein Mandat in Würzburg und Nürnberg. In Forchheim könnte demnach ein Freier Wähler das Direktmandat holen. (paa)

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