04.09.2018 - 09:59 Uhr
KemnathOberpfalz

Brautkleider für Kenia

Im Familienzentrum Mittendrin in Kemnath läuft eine besondere Aktion: Frauen können dort ihre ausrangierten Brautkleider abgeben. Und dabei auch noch etwas Gutes tun.

Angelika Steuer, ihr Ehemann Theophil und Miriam Buchner (von links) freuen sich über die Brautkleider, die Jessika Wöhrl-Neuber (rechts) für die Bräute in Kenia im Familienzentrum Mittendrin für sie gesammelt hat.
von Josef ZaglmannProfil

Ein voller Erfolg war die Aktion „Brautkleider für Kenia“, die Jessika Wöhrl-Neuber mit Angelika Steuer im Juni gestartet hat. „Ausgedienten Brautkleidern zu neuem Leben verhelfen und dabei Gutes tun“, lautete das Motto. Über 40 weiße Brautkleider und 3 Brautanzüge wurden seitdem im Familienzentrum Mittendrin abgegeben. „Der Einzugsbereich war sehr groß“, erklärt die Leiterin, „viele Frauen waren froh, mit ihrem „alten“ Brautkleid anderen Frauen eine Freude zu bereiten.“

„Für viele afrikanische Bräute ist es ein Traum, in Weiß zu heiraten“, erzählt Angelika Steuer, Vorstandsmitglied der Kriegskindernothilfe bei einem Besuch im Kemnather Familienzentrum. Leider seien Brautkleider viel zu teuer und daher für sie unerschwinglich.

In gemeinsamen Gesprächen mit Angelika Steuer wurde beschlossen, die humanitäre Idee, die sie mit ihrem Mann, Pfarrer Theophil Steuer, hatte, zu unterstützen. Er ist Vorsitzender der Kriegskindernothilfe. Bis vor einem halben Jahr unterrichtete er als Religionslehrer an der Berufsschule Bayreuth. „Seit einem halben Jahr bin ich in Pension“, erzählt er, „jetzt kann ich noch öfter nach Kenia reisen und Hilfsgüter mitbringen.“

Zunächst begann das Ehepaar vor 25 Jahren aus privater Initiative heraus, Hilfsgüter für die Kriegsleidenden im ehemaligen Jugoslawien zu sammeln. Die daraus entstandene Hilfsorganisation, die als gemeinnützig anerkannt ist, bemüht sich heute vor allem um Kinder und deren Familien in Kriegs- und Armutsgebieten.

Deshalb sammeln Angelika und Theophil Steuer die Brautkleider in Deutschland und bringen sie nach Bungona in Kenia. Der Ort liegt nahe an der Grenze zu Uganda. Viele Menschen leben dort in Armut und haben keine Chance, ihren Lebensstandard zu verbessern.

Mit dabei ist auch Miriam Buchner, die in Kemnath am Stadtplatz wohnt. Sie beherrscht nicht nur die Sprache der Eingeborenen, sondern spricht auch recht gut Deutsch und Englisch.

Unter anderem hat die Kriegskindernothilfe eine Schneiderschule in Kenia aufgebaut.

Zehn junge Frauen lernen hier den Schneiderberuf und haben somit die Chance, mit ihrer Ausbildung ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und Geld zu verdienen.

Hier werden die „westlichen“ Brautkleider umgearbeitet und den Bräuten angepasst. Nach der Hochzeit werden die Brautkleider wieder zurückgegeben und können dann von anderen Bräuten ausgeliehen werden. „Die afrikanische Hochzeitskultur wird durch die Aktion nicht gestört“, betont das Ehepaar Steuer.

„Unsere Brautkleider-Aktion läuft weiter“, sagt Jessika Wöhrl-Neuber. Bis zum Jahresende werden bei den Öffnungszeiten oder bei Veranstaltungen im Mittendrin nicht mehr benötigte Brautkleider und Herrenanzüge angenommen.

Abgegeben werden können auch Schuhe, Taschen und alles, was eine Braut so braucht. Es dürfen auch alte, aus der Mode gekommene Brautkleider sein.

Die Spender können Name und Adresse auf ein Blatt schreiben, dieses in eine Klarsichtfolie stecken und mit einer Sicherheitsnadel an das Brautkleid oder den Anzug heften. „Dann erhalten sie ein Foto, wie die kenianische Braut das Kleid trägt“, sichert Angelika Steuer zu. Das haben sich nämlich die meisten Spenderinnen gewünscht.

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