15.07.2020 - 16:42 Uhr
KemnathOberpfalz

Fahrradhelm dringend empfohlen

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Wer auf öffentlichen Straßen und Wegen unterwegs ist, muss auf Verkehrssicherheit achten. Dazu gehören nicht nur funktionstüchtige Beleuchtung und Bremsen, sondern auch die richtige Kleidung, rät Polizeioberkommissar Carsten Landgraf.

Wesentliche Elemente eines verkehrssicheren Fahrrades sind das Vorderlicht sowie der weiße Frontstrahler.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Radeln verleiht einem nicht selten ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit. Und dennoch gibt es auch bestimmte Regeln, Vorschriften und Empfehlungen, an die man sich dringend halten sollte. "Wer auf öffentlichen Straßen und Wegen unterwegs ist, braucht ein verkehrssicheres Fahrrad", betont Polizeioberkommissar Carsten Landgraf, Verantwortlicher für Verkehrserziehung bei der Polizeiinspektion Kemnath. Das sei das Wichtigste überhaupt, um das Radeln sicher und unbeschwert genießen zu können.

Essenzielle Bestandteile

Doch was macht ein Fahrrad eigentlich "verkehrssicher"? Dies lässt sich sehr einfach mit einem Blick auf die essenziellen Bestandteile des Rads definieren: Vorderlicht, Rücklicht, weiße Frontstrahler, rote Rückstrahler, Vorderradbremse, Hinterradbremse, Speichenreflektoren, Pedalreflektoren und eine Klingel. Neun Faktoren, die Sicherheit geben - sich selbst, aber auch anderen Radlern, denen man begegnet. "Es gibt viele Zweiräder im Rennräder- und Mountainbikes-Segment, die man eher als Sportgeräte bezeichnen kann. Und das sagt zum Thema Verkehrssicherheit erst einmal nichts aus", betont Landgraf und appelliert gleichzeitig, dies zu prüfen - und zwar bevor man auf öffentlichen Wegen unterwegs ist.

Beim Thema Kleidung sind die Vorgaben eindeutig, da ist von "Erkennbarkeit" die Rede. "Das heißt, dass eine helle Kleidung nötig ist. Und wenn am Abend etwas reflektiert, dann ist es noch besser", so Landgraf. Er empfiehlt dringend, einen Helm zu tragen. "Leider gibt es noch keine Helmpflicht, aber für die Gesundheit ist es absolut sinnvoll", unterstreicht der Polizist.

Verletzungen verhindern

Aus seinem beruflichen Alltag kann er berichten, dass durch das Tragen des Helmes oftmals schwere Verletzungen verhindert werden konnten. Deswegen werde bereits in der Jugendverkehrsschule - vor allem in der Radfahrausbildung in der 4. Klasse - dafür sensibilisiert. "Teilnehmen darf man auch nur mit Fahrradhelm", so Landgraf.

Radwege benutzen

Unfallfreies und vorausschauendes Radfahren hänge von einigen Regeln ab - Regeln, denen sich nicht jeder Biker stets bewusst ist. "Viele fahren beispielsweise nebeneinander, auch wenn es nicht erlaubt ist", nennt Landgraf einen Aspekt. Genauso bedeute das Vorhandensein eines Radweges, dass man darauf auch fahren müsse und eben nicht auf der Straße. Was er auch immer wieder erlebe - quasi "Klassiker" - sind Handys oder Ohrenstöpsel mit Musik am Ohr. "Solche Ablenkungen während des Radfahrens sind an sich unverantwortlich", betont der Polizeibeamte.

Klare Vorgaben und Regelungen gibt es fürs Radfahren auch, wenn man beispielsweise ein Bier oder eben ein "Radler" zu sich genommen hat. Hier sei manches erlaubt, aber generell, so Landgraf, würden Alkoholgenuss und Fahrzeuge nicht zusammenpassen. "Und Handzeichen sowie der Schulterblick gerade beim Linksabbiegen sind für manche Radfahrer echte Fremdwörter", erklärt Landgraf, der selber ein passionierter Radfahrer ist.

Keine Klingel-Pflicht

Mit einer Vorstellung, die sich in vielen Köpfen festgesetzt hat, räumt der Verkehrsexperte übrigens auf: "Es gibt keine Pflicht zum Klingeln, wenn man einen anderen Radfahrer überholt." Aber natürlich sei es sinnvoll, dies rechtzeitig zu machen und so ein entsprechendes Signal auszusenden. Keine festen Vorschriften, aber dennoch dringende Empfehlungen für sicheren Familien-Radlspaß hat der Polizist noch parat: Außerhalb von Ortschaften sollten es nicht unbedingt die großen Hauptstraßen, sondern die kleineren Nebenstraßen sein, die man befährt. "Als Elternteil sollte man sich sicher sein, dass sich das Kind sicher und ohne Schwanken bewegt", betont Landgraf. Am sinnvollsten sei es, dass die Eltern ihr Kind beim Hintereinanderfahren in die Mitte nehmen.

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Hintergrund:

Betrunkene Radler riskieren Führerschein

Auch wer auf dem Fahrrad radelt, muss sich an Promillegrenzen halten. Sie liegt mit 1,6 Promille höher als bei Kraftfahrzeugen, so der TÜV Süd. Aber wer so betrunken radelt, muss nicht nur mit hohen Geldstrafen und drei Punkten in Flensburg, sondern auch mit einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) rechnen. Wer hier durchfällt, riskiert seinen Führerschein. Auch ein lebenslanges Radfahrverbot könne ausgesprochen werden.

Bereits ab 0,3 Promille können Radler straffällig werden, wenn sie eine auffällige Fahrweise zeigen, eine Gefahr für andere sind oder einen Unfall verursachen. Sicher sei eine Teilnahme am Straßenverkehr nur ohne Alkohol. Spätestens wenn Radler sich nach dem Trinken von Alkohol schwindelig fühlen oder gar unsicher auf den Beinen sind, sollten sie das Rad stehen lassen und auf Taxen oder den Nahverkehr ausweichen. Ein Promillerechner könne helfen, den Promillewert besser einzuschätzen. Nur rund 0,1 Promille Alkohol baut der Körper pro Stunde ab: Daher im Zweifel auch am nächsten Morgen das Rad oder gar das Auto stehen lassen. (dpa)

Polizist Carsten Landgraf ist nicht nur Verkehrsexperte, sondern auch selbst passionierter Radfahrer.
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