07.04.2019 - 14:11 Uhr
KemnathOberpfalz

"Immer wieder ich": Künstlerin Susanne Vonhoff im Portrait

Sie will ein Leben als freie Künstlerin wagen. Dann stirbt ihr Professor. Der, der sie übernimmt ist Pädagoge. Sie wird Kunsterzieherin. Ein Schritt. Jetzt ist Susanne Vonhoff im Ruhestand und macht Freie Kunst.

von Norbert Grüner Kontakt Profil

Die gebürtige Kemnatherin hat einen deutlichen fränkischen Akzent. Beruflich war sie viel in Franken unterwegs. Sie machte Abitur in Bayreuth, studierte Kunst in Nürnberg und lehrte als Kunstpädagogin in Kronach am Kaspar Zeuß Gymnasium, bevor sie 1996 nach Eschenbach wechselte, wo sie bis zum Ruhestand 2017 blieb.

Die heute 61-Jährige ist 19, als sie ihr Abiturzeugnis in Händen hält. Ein Jahr macht sie diverse Praktika in verschiedenen Ateliers - Voraussetzung für die Aufnahme in die Akademie der Bildende Künste, die 1978 erfolgt. Susanne Vonhoff studiert in der Klasse von Professor Ernst Weil Malerei. Zwölf Semester dauert ein Kunststudium in der Regel.

Drei liegen noch vor Susanne Vonhoff als Weil stirbt. "Wir" - damit meint sie die komplette Klasse - "haben uns im ganzen Bundesgebiet beworben, bei Größen wie Georg Baselitz oder Markus Lüpertz - ohne Erfolg. In Nürnberg ist zu der Zeit auch Günter Dollhopf zugange - ein Pädagoge." So wird Vonhoff Kunsterzieherin. 1984 schließt sie ihr Studium mit dem zweitbesten Staatsexamen in Bayern ab. Seit einem Jahr ist sie im Ruhestand und arbeitet jetzt als freie Künstlerin im eigenen "Atelier" an der Stadtmauer in der Trautenbergstraße, wo immer ihre aktuellsten Werke im Schaufenster zu bewundern sind. Interessierte können ihr bei der Arbeit auch über die Schulter schauen. "Einfach an der Haustüre klingeln", lädt die Künstlerin dieses Klientel ein. Inspiration holt sie sich gerne auf Reisen mit dem Wohnmobil zusammen mit ihrem Lebensgefährten Michael Werner. Es sind Kulturreisen, bevorzugt zu Zielen wo es mild ist, wo es ein Meer gibt und Kunst.

X-Tausend Werke

"Dabei passiert Vieles", erklärt die Künstlerin, die schätzt, dass sie bisher annähernd 10 000 Kunstwerke, Zeichnungen, Skizzen und vieles mehr geschaffen hat. Hierzulande ist sie überall bekannt durch den phantastischen Karpfenweg rund um's historische Kemnath und dem dazugehörigen Fischbrunnen im Hof des Ärztehauses. Zahlreiche Logos stammen aus ihrer Hand. Das bekannteste ist das ihrer Heimatstadt Kemnath. Sie leitet die Gruppe "MALWAS", zu der zehn Damen zählen, die sich regelmäßig im Atelier Vonhoff treffen und Kunst machen. Für den Sommer sind Malkurse für Kinder geplant.

Wenn man etwas zeichnet, versteht man es besser, begreift es.

Künstlerin Susanne Vonhoff

Zurück zur Protagonistin und ihren inspirierenden Reisen. Aquarelle und viele Tuschezeichnung entstünden dabei und es reiche selten ein Skizzenbuch für eine Reise. Darin schreibt sie auch viel auf. Eindrücke, Gerüche, Empfindungen und Farben, die sie im Moment nicht verfügbar hat, speichert sie hier in Textform, um zu Hause entsprechend nachzuarbeiten. "Wenn es einmal ganz schnell gehen muss, hilft die Handykamera weiter", sagt sie. Skizzen mit Pinsel und oder Stift bevorzuge sie aber. "Wenn man etwas zeichnet, versteht man es besser, begreift man es." Denn der Sinn der Malerei ist für sie nicht Wiedergabe der äußeren Form sondern Sichtbarmachen des Wesens der Dinge. Und das "Wie" zeigt das Wesen der Malerin. Ein altes Haus mit Fenstern steht im Dialog mit davorstehenden Bäumen und wird so zum Symbol der Einheit des Menschen mit der Natur.

Als "schräges Zeug" aus Fundstücken bezeichnet sie eine andere Art ihres kreativen Ausdrucks. Muscheln die sie an einem Strand in Spanien findet, alles mögliche andere Strandgut oder alte Stadelbretter nutzt sie für ihr Schaffen. So entstehen zum Beispiel aus solchen alten Brettern mittels Pinseln und Farben Krokodile. Und die eignen sich wiederum als Druckvorlagen, neben der Malerei eine weitere künstlerische Ausdrucksform von Susanne Vonhoff.

Surrealistische Welt

Mit der eigenen Druckpresse ist sie in der Lage, Hochdrucke zu verwirklichen. Aquarell-, Acryl- und Gouachearbeiten sind ihr Ding. Oft ist auch ein Druck Ausgangsmaterial für ein neues Werk. Darin ließen sich viele Dinge erkennen, manchmal Gesichter, die Vonhoff dann per Pinsel und Druckfarben weiterentwickelt.

Surrealistisch ist die Welt der Susanne Vonhoff. Aus ihrer riesigen Strukturensammlung entstünden oft Geschichten, inspiriert durch Farbigkeit oder Form. Ihr Tag im Atelier beginnt nicht selten schon am frühen Morgen. Manchmal lässt ihr ein Bild keine Ruhe und sie muss einfach mitten in der Nacht hinunter in die Werkstatt und einen bestimmten Strich setzen. "Es gibt aber auch Tage, da geht gar nichts." Wann sie weiß, dass ein Bild fertig ist? "Schwer zu beantworten", gesteht sie.

"Da besteht schon auch die Gefahr, dass man den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören übersieht. Man kann es dann aber übermalen, manchmal entsteht dabei etwas ganz Neues und man hat das Gefühl weitergekommen zu sein. Auch wenn man ältere Werke betrachtet, kann es sein, dass die auf einmal nicht mehr passen." Das liege daran, dass jedes Bild eng mit dem Künstler und seiner eigenen Entwicklung in allem Bereichen verknüpft ist. "Heute können ganz andere Dinge Schwerpunkte sein, als vor zehn Jahren." Manches sei nicht mehr wichtig, dafür habe anderes Priorität bekommen.

Deshalb könnten Bilder auch immer nur für eine bestimmte Lebensphase als fertig gelten. "Gemäß dem Zitat von Leonardo da Vinci, ,der Künstler malt sich immer selbst', ist das, was aus meinem Schaffen sichtbar wird, letzten Endes immer wieder ich."

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