12.11.2019 - 11:59 Uhr
KemnathOberpfalz

Als junge Frau ins Kloster

Wie kommt man als junge Frau auf den Gedanken, ins Kloster zu gehen? Vor allem, wenn man evangelisch getauft und aufgewachsen ist? Über ihre Berufung und dem Alltag im Kloster sprach Schwester Maria Veronika im Kemnather Gesellenhaus.

Über ihre Berufung und dem Alltag im Kloster sprach Schwester Maria Veronika im Gesellenhaus. Am Schluss beantwortete sie mit Schwester Maria Pauline Fragen der Anwesenden.
von Katrin Zapf (kaz)Profil

Einen persönlichen und emotionalen Vortrag erlebten die Besucher des Kolpingtreffs. Novizin Schwester M. Veronika von den Auerbacher Schulschwestern als Referentin war nicht alleine angereist. Mit Schwester M. Pauline, ebenfalls im Noviziat, beantworteten sie am Ende viele Fragen.

Die Rednerin wuchs in Bayreuth auf. Getauft wurde sie allerdings auf den evangelischen Glauben. Sie selbst und auch die Familie beteten jeden Tag, gingen regelmäßig in den Gottesdienst. Nach dem Abitur entschied sie sich für das Studium der Sozialen Arbeit in Würzburg. Viele Reisen und Ausflüge mit ihren Freunden habe sie unternommen, Gedanken ins Kloster zu gehen, habe sie sich nicht einmal ansatzweise gemacht. "Ich hatte ein tolles Leben, aber irgendwie hat trotzdem etwas gefehlt."

Mit einer katholischen Freundin flog Veronika nach Barcelona. Bis dato hatten beide nie über den Glauben gesprochen. Stundenlang redeten sie in der heißen Sonne. Bei diesem "Sonnenbrandgespräch" habe sie erstmals Kontakt zum katholischen Glauben gehabt. Während eines Jahres als Au-Pair-Mädchen in Irland habe sie die "Wirkung Gottes in jeder Kleinigkeit und der wunderbaren Natur" wahrgenommen. Bücher, unter anderem von Mutter Theresa verstärkten ihren Drang, katholisch zu werden. Ein weiterer Urlaub mit ihrer besten Freundin in London gab dann den Ausschlag.

"Zurück in Bayreuth war der Umbruch dann aber doch etwas schwierig", gab Veronika zu. Es sei "komisch" gewesen, in eine katholische Kirche zu gehen. Gespräche mit dem dortigen Pfarrer und viele Gebete bestärkten Veronika in ihrem Wunsch. 2015 war es soweit: Aufnahme in die katholische Kirche mit Taufe, Kommunion und Firmung. "Ich war glücklich mit dieser Entscheidung, auch zu diesem Zeitpunkt habe ich noch nicht an ein Klosterleben gedacht," zumal im Job alles nach ihren Vorstellungen lief.

Nach Exerzitientagen im Kloster Auerbach habe sie innerlich gewusst, in dieser Gemeinschaft leben zu wollen. Aber wie diese Entscheidung den Eltern und den Freunden mitteilen? "Da war ich schon sehr nervös und hatte Angst vor der Reaktion." Doch diese akzeptierten die Entscheidung der Tochter.

2017 zog Veronika ins Kloster der Schulschwestern Auerbach ein. Dort leben derzeit 45 Schwestern nach dem Vorbild Marias. Die Umstellung war anfangs anstrengend. Um 4:45 Uhr klingle der Wecker: "So früh bin ich früher nie aufgestanden". 2018 folgte das "Postulat", die Vorbereitung auf die Zeit als Novizin, und ein halbes Jahr später die "Einkleidung". Für zwei Jahre wird sie nun Novizin sein.

Nach dem Aufstehen geht es um 5:15 Uhr zur Betrachtung. Eine halbe Stunde könne man zum Beispiel über eine Bibelstelle nachdenken. Nach Laudes und Konventmesse, gebe es ein gemeinsames Frühstück. Im Laufe des Vormittags schnuppern die Novizinnen in verschiedene Aufgabenbereiche des Klosters hinein. Fünf Schwestern sind in der Realschule als Lehrerinnen tätig, eine Schwester arbeitet in einer Zahnarztpraxis.

Nach dem Angelus-Gebet" ist Mittagessen. Am Nachmittag stehen Arbeiten im Park, im Hort sowie bei Bienen und Hühnern an. Um 17.15 Uhr ist Vesper mit Abendessen, danach Anbetung. Um 20 Uhr beginnt die Erholungszeit.

Nach dem Noviziat steht für Veronika die zeitliche Profess an. Sie wird die Ordensgelübde Armut, Keuschheit und Gehorsam für drei Jahre ablegen. Dem schließt sich das Gelübde für das ganze Leben an. Mit ihrem Weg habe sie die Sehnsucht nach Mehr in ihrem Herzen stillen können, betonte die Rednerin. Täglich finde sie Gott in den vielen kleinen Dingen und sei dankbar für die Gemeinschaft bei den Auerbacher Schwestern.

Hintergrund:

Kein eigenes Handy

Am Ende wollten die Besucher wissen, so ob die Schwestern Urlaub haben, um ihre Familie zu besuchen. „Während des Noviziats haben wir keinen Urlaub, aber nach der Profess gibt es einen zweiwöchigen Heimaturlaub.“ Eine Besucherin fragte, ob Smartphones benutzt werden dürfen. Laut Schwester M. Pauline habe man kein eigenes. Werde es aus bestimmten Gründen benötigt, erhalte man eines. Manche Schwestern studierten Lehramt, wofür sie Notebook und Handy bräuchten. Eigenes Geld habe sie nicht zur freien Verfügung. „Da wir nach dem Gelübde der Armut leben, besitzen wir kein eigenes Geld. Wenn wir aber möchten, können wir uns aber schon mal eine Schokolade kaufen“, lachte Schwester Veronika.

Schwester Maria Veronika und Schwester Maria Pauline berichteten vom Leben im Auerbacher Kloster.
Schwester Maria Veronika (links) und Schwester Maria Pauline (rechts) beantworteten auch Fragen aus dem Publikum.
Mit vielen Bildern überlegte Schwester Maria Veronika ihren Vortrag.
Katrin Pasieka-Zapf bedankte sich am Ende mit einem Fair-Trade-Korb bei den Novizinnen für ihr Kommen.
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