08.06.2021 - 15:42 Uhr
KemnathOberpfalz

In Kemnath Blütenköpfe seltener Orchideen abgerupft

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In Kemnath gibt es einen kleinen Bestand an geschützten Orchideen. Jetzt wurde entdeckt, dass Unbekannte die Blüten abgeschlagen haben. Auch Stadtgärtner Florian Frank sieht sich immer wieder mit dieser Form von Vandalismus konfrontiert.

Von einigen Pflanzen des geschützten Breitblättrigen Knabenkrauts hat ein Unbekannter die Blütenköpfe abgezupft.
von Christa VoglProfil

Auf den ersten Blick scheint der Schaden nicht besonders groß: Einige purpurrote Blütenköpfe liegen verstreut auf einer kleinen Wiese im Kemnather Falkenstein-Park. Bei näherem Hinsehen wird aber klar, dass es sich bei den abgeschlagenen Blütenköpfen und den beschädigten Pflanzen um eine ganz besondere Wildblumenart handelt: das Breitblättrige Knabenkraut, eine Orchideenart, die auf der Roten Liste steht und von der es auf der Parkwiese noch eine kleine Population gibt.

Katharina Hage ist Klima- und Umweltschutzbeauftragte der Stadt Kemnath. Sie reagiert auf die Verwüstung mit Betroffenheit. "Erst Mitte Mai haben mich Bekannte angerufen und erzählt, dass auch dieses Jahr die Orchideen im Park wieder blühen", sagt Hage, die sich seit einigen Jahren zusammen mit einem kleinen Team um das Mähen genau dieser Wiese kümmert. Das besondere dabei: Die Fläche wird erst ab dem 15. Juli gemäht, um ein Aussamen der dort vorkommenden Wildblumen - und damit auch der Orchideen - sicherzustellen.

Mähen mit der Sense

Und jetzt? "Das übliche Mähen der Fläche mit der Sense wird zwar trotzdem wie vereinbart stattfinden - auch wegen der anderen Wildblumen", sagt Hage, die Enttäuschung sei aber trotzdem sehr groß und natürlich frage man sich, wer hinter der Aktion steckt: Waren es Kinder, die im Spiel auf der Wiese im Spiel mit ihren Stöcken auf die Blumen einschlugen? Waren es Jugendliche, die aus Langeweile die Orchideen köpften? Oder gar Erwachsene, die sich mit Absicht an den Pflanzen vergriffen haben?

Auch Kemnaths Stadtgärtner Florian Frank wurde über die Verwüstung informiert und zeigt keinerlei Verständnis für die Tat. Fremd ist ihm dieses Phänomen der "abgerupften Blütenköpfe" aber nicht, auch er und sein Team stünden immer wieder fassungslos vor derart beschädigten Blumenbeeten.

"Ich habe kein Problem damit, wenn ein Kind mal ein Blümchen mitnimmt von einer angesäten Blumenwiese."

Stadtgärtner Florian Frank

Stadtgärtner Florian Frank

Im Fall der Stadtgärtnerei handelt es sich zwar nicht um geschützte Pflanzen, sondern "nur" um Stauden, Zwiebelpflanzen oder Sommerblumen aus Saatgut. Trotzdem stecke im Anlegen dieser kleinen Areale viel Zeit, Geld und vor allem auch Herzblut der Mitarbeiter. "Ich habe kein Problem damit, wenn ein Kind mal ein Blümchen mitnimmt von einer angesäten Blumenwiese", sagt der Landschaftsgärtner. Gerade die Kemnather Karpfenwegmischung sei ja ein richtiger Hingucker.

Stadt sorgt für blühende Garten

Kemnath

Und auch wenn Leute Samen von Pflanzen abnehmen, sei das durchaus in Ordnung. "Schwierig wird es aber, wenn zum Beispiel Tulpen oder Zierlauch abgepflückt werden." Denn diese Blumen seien für die Allgemeinheit angepflanzt und keinesfalls gedacht für die Vase zu Hause.

Vor Muttertag "gefährliche Zeit"

Gründe für das Pflücken dieser Blumen gebe es wohl verschiedene. "Manchmal sind es Kinder, die sich einen Strauß zusammensuchen. Eine ganz gefährliche Zeit ist kurz vor dem Muttertag", sagt Frank aus der Erfahrung der vergangenen Jahre heraus. Manchmal sei es aber anscheinend auch pure Zerstörungslust. Denn nicht selten fänden die Mitarbeiter des Bauhofs abgerupfte Blüten verstreut auf dem Boden. "Und dann gibt es noch Leute, die Stauden sogar ausgraben und mit nach Hause nehmen", erzählt der Stadtgärtner kopfschüttelnd. Aber: "Auch wenn da nicht überall ein Schild mit ,Pflücken verboten' angebracht ist, sollte doch klar sein, dass es sich beim Ausgraben und Mitnehmen von Stauden und Pflanzen eindeutig um Diebstahl handelt."

Um Ausreden seien diese oft auch noch uneinsichtigen Diebe nicht verlegen, wie eine Geschichte aus der Vergangenheit zeigt. Da fiel laut Frank nämlich ein Ehepaar auf, das am helllichten Tag an einer Verkehrsinsel einen Lavendelstrauch ausbuddelte. Befragt nach dem Grund, erklärte es ohne jedes Unrechtsbewusstsein: "Ach wissen Sie, der Lavendel hier ist wirklich etwas ganz Besonderes. Den kriegt man ja sonst nirgendwo anders."

Hintergrund:

Geschützte Arten

  • Nach Paragraf 44 des Bundesnaturschutzgesetzes ist es verboten, wildlebende Pflanzen der besonders geschützten Arten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, sie oder ihre Standorte zu beschädigen oder zu zerstören.
  • Wer entgegen dieses Gesetzes handelt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.
  • Eine Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro belegt werden.
Katharina Hage ist Klima- und Umweltschutzbeauftragte der Stadt Kemnath – und fassungslos angesichts der Tat.

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