17.11.2021 - 15:41 Uhr
KemnathOberpfalz

Kemnather Feuerwehr trainiert Befreiung aus Autowrack

Nach einem Autounfall sind oft Personen eingeklemmt. Beim Übungstag trainierten die Kemnather Feuerwehrleute verschiedene Methoden für deren Befreiung.

von Michael DenzProfil

Stark demoliert steht ein Auto nach einem Unfall am Straßenrand. Personen befinden sich noch im Fahrzeug, sind verletzt, können sich selbst nicht befreien und auch hinzukommende Ersthelfer haben keine Chance. Bei einem solchen Szenario müssen im Ernstfall leistungsstarke Rettungstechnik und eine Vielzahl helfender Hände mit umfassendem Know-how zur Stelle sein.

Beim Ausbildungstag der Feuerwehr Kemnath trainierten die Aktiven den Einsatz zur Personenbefreiung nach Verkehrsunfällen. "Für die weitere medizinische Versorgung schwer verletzter Menschen durch den Rettungsdienst und das Fachpersonal im Klinikum zählt jede Minute", weiß Norbert Weismeier. Der Übungsleiter war in der vorangegangenen Unterrichtsstunde auf Gefahren für Einsatzkräfte bei Verkehrsunfällen und den zweckmäßigen Umgang mit den technischen Rettungsgeräten eingegangen. Dazu hatte er eine Präsentationen mit Erklärungen, Bildern und Skizzen ausgearbeitet. Nebst den Ablaufschemen wurden auch mehrere Rettungsmethoden besprochen, die schließlich bei Schrottfahrzeugen auf dem Übungshof des Feuerwehrgerätehauses praktisch angewandt wurden.

Fahrzeug zunächst sichern

Im ersten Übungsblock arbeiteten die Kemnather Feuerwehrleute ein Einsatzszenario in Löschzugstärke ab, wobei die einzelnen Schritte einer patientenorientierten schonenden Rettung aus dem Fahrzeugwrack vorgenommen wurden. Nach umfassenden Erkundungsmaßnahmen, der richtigen Position der Einsatzfahrzeuge und der Ablage der Rettungsgeräte stabilisierten die Floriansjünger das Fahrzeug mit Unterbaumaterial, sicherten den nicht ausgelösten Fahrerairbag und stellten den Brandschutz. Ein Retter bahnte sich den Weg ins Innere des Autowracks zu den "Verletzten".

Auch die Rettungskarte, auf der etwa Karosserieversteifungen und die Einbauorte von Batterie, Gasdruckdämpfern oder Gurtstraffern des jeweiligen Fahrzeugs vermerkt sind, wurde in die Übungen mit einbezogen. Schließlich setzten die Floriansjünger die schweren Rettungsgeräte an, drückten Fahrzeugteile mit dem Spreizer beiseite und trennten mit der hydraulischen Rettungsschere größere Blechteile ab. Mit mehreren Gerätschaften machten sie sich gleichzeitig an einer Autokarosse zu schaffen, um eine große Rettungsöffnung herzustellen.

Lage ständig neu bewerten

Mehrmals wurden die "Rettungsarbeiten" unterbrochen, um die Lage neu zu bewerten. Dabei wurden außerdem weitere Möglichkeiten für den Einsatz der Rettungsgeräte aufgezeigt und besprochen. Neben den schweren Rettungsgeräten fanden auch kleinere Handwerkzeuge, eine Säbelsäge und Equipment zur Entfernung von Glasscheiben ihre Verwendung.

Auch weitere Sondergeräte wurden durch das "Team Technische Hilfeleistung" um den Zweiten Kommandanten Norbert Weismeier und den Teammitgliedern Daniel Merkl und Marco Schäffler geschult. Welche Gefahren nicht ausgelöste Fahrzeugairbags nach einem Unfall während der Rettungsarbeiten darstellen, offenbarte eine Vorführung.

60 Liter in 50 Millisekunden

"Frontairbags werden etwa 15 Millisekunden nach dem Aufprall gezündet", erörterte Georg Zeitler, aktives Feuerwehrmitglied und Kraftfahrzeugmeister. "Bereits nach rund 50 Millisekunden sind die Airbags voll entfaltet und gefüllt, wobei ein Frontairbag rund 60 Liter Luft fasst", betonte Zeitler, der zudem über einen Lehrgang zur Sprengstoffkunde verfügt. "Nach 150 Millisekunden sind die Airbags dann auch langsam wieder entleert. In einzelnen Vorführungen zeigte der aktive Feuerwehrmann die Wucht von Auslösungen bei Seitenaufprall- und Fahrerairbags.

Nach der mehrstündigen Ausbildung gab es eine Stärkung im Gerätehaus. Kommandant Peter Denz dankte den Feuerwehrmännern und -frauen für die Teilnahme sowie dem Team für die Ausarbeitung der Übungsveranstaltung. Zielgerichtete Ausbildung, regelmäßige Übung mit den Rettungsgeräten und das praktische Beüben möglicher Einsatzszenarien, so Denz, seien für eine umsichtige Hilfeleistung im Ernstfall unabdingbar. Ein Dank galt auch Georg Zeitler für die Airbag-Vorführung sowie die Bereitstellung der Übungsfahrzeuge.

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