17.03.2021 - 12:02 Uhr
KemnathOberpfalz

Kemnather Heimatbote 2020: Antworten auf historisches Rätselraten

Was haben Neandertaler, Pfadfinder sowie Tee- und Kaffee-Ersatzgetränke gemeinsam? Der 40. Kemnather Heimatbote gibt Einblick in ihre Geschichte und viel mehr.

Im Rathaus übergaben Schriftleiter und Vorsitzender des Heimatkundlichen Arbeitskreis Robert Schön (rechts) und HAK-Ehrenvorsitzender Hans Rösch (links) ein Exemplar des 40. "Kemnather Heimatboten" an Bürgermeister Roman Schäffler. Für Schön war es das 30. unter seiner "Regie" entstandene Jahrbuch.
von Bernhard PiegsaProfil

Seit mehr als 200 Jahren streiten die Geschichtsdetektive über die Ursache des "Feuermeers", das am 25. März 1794 den Markt Waldeck "überschwemmte", wie es Chronist Konrad Weiß beschrieb. In der "Bayreuther Zeitung" vom 11. April 1794 stieß Stadtarchivar und Kreisheimatpfleger Robert Schön jetzt auf einen Bericht, der diesem Rätselraten ein Ende setzen dürfte. Die Antwort darauf findet sich im 40. "Kemnather Heimatboten", dessen erstes Exemplar Schriftleiter Robert Schön und der Ehrenvorsitzende des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises (HAK), Hans Rösch, im Rathaus an Bürgermeister Roman Schäffler übergaben.

"Kirchenschatz" gerettet

In seinem akribisch recherchierten Beitrag setzte Schön auch der "ledigen Weibsperson" Elisabetha Senft ein spätes Denkmal: Ihrem Mut sei es zu verdanken gewesen, dass der "Kirchenschatz" aus geweihten Gefäßen und weiteren "Zierrathen" in letzter Minute aus dem lichterloh brennenden Pfarrhof gerettet werden konnte. Bürgermeister Roman Schäffler lobte den "Kemnather Heimatboten", der "Aktuelles mit Historischem geschickt vermischt". Er dankte dem HAK für dessen ehrenamtliche Arbeit, die die Stadt weiterhin unterstützen werde. Schön und Rösch merkten an, dass auch die 40. Ausgabe des Jahrbuchs in einer Auflage von 700 Stück erscheint.

Dabei steht Waldeck auch im Mittelpunkt zweier weiterer Beiträge in dem 120 Seiten starken Jahrbuch: Hans Lukas erläutert detailliert das vor 300 Jahren von einem unbekannten Meister geschaffene "14-Nothelfer-Relief" in der Sankt-Johannes-Nepomuk-Pfarrkirche und blickt auf die 120-jährige Geschichte der Krieger- und Soldatenkameradschaft zurück. Außerdem zeichnet er den wechselvollen Werdegang des "Ritterbundes Waldeckh zue Kemenatha" nach, der im vergangenen Jahr seinen 100. Gründungstag feierte.

Arno Stahl geht in seinem zwölfseitigen Aufsatz ebenfalls auf einen Jubilar ein: Heuer könnte der Darlehenskassenverein Kastl sein 125-jähriges Bestehen feiern, der damit als eine der ältesten Keimzellen der jetzigen Volksbank-Raiffeisenbank Nordoberpfalz gelten kann. An die Neandertaler, die vor mindestens 40 000 Jahren im Kemnather Land lebten, und ein von ihnen am heutigen Ortsrand von Kötzersdorf hinterlassenes Werkzeug erinnert Hans Bäte vom Vor- und Frühgeschichtlichen Arbeitskreis des HAK. An das erste "Wiesenfest" vor 70 Jahren erinnert Liane Preininger in ihrem Beitrag zum "Kemnather Heimatboten 2020". Eine "längst überfällige Würdigung" widmet Käthe Pühl dem 1890 geborenen Mockersdorfer Pfarrer und Heimatforscher Alois Grötsch.

Kartoffelkäse und Kalkeier

Die bis in die Kaiser- und Prinzregentenzeit zurückreichenden, bis heute unerfüllt gebliebenen Aspirationen der Stadt Kemnath auf den Titel eines "Luftkurorts" dokumentiert eine gut 100 Jahre alte Fremdenverkehrsbroschüre, die "Sommerfrischler" mit dem Versprechen lockte: "Darum willst du deine Urlaubs- und Ferienzeit froh, glücklich und abwechslungsreich verbringen, komme nach Kemnath, es wird dich nicht gereuen."

Einen "tiefen Einblick in frühere Ess- und Trinkgewohnheiten" bietet Schön mit seinem augenzwinkernden Potpourri von Rezepten für Tee- und Kaffee-Ersatzgetränke, milchlose Wasserschokolade, Kartoffelkäse, Kalkeier und andere regionaltypische "Magenfüller" aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Aus dem jahrzehntelang verschollen geglaubten Gruppenbuch der Kemnather Pfadfinder griff Katrin Pasieka-Zapf die Impressionen der katholischen "Pfadis" vom "Weite-Horizonte-Lager 1964" in Flossenbürg heraus. Damals war es für die jungen Christen Ehrensache, auf dem früheren KZ-Gelände derer zu gedenken, die dort - "von ihrem eigenen Volk geächtet und verbannt" - den gewaltsamen Tod gefunden hatten. Den "Kemnather Heimatboten 2020" gibt es für vier Euro im örtlichen Buchhandel und - sobald es öffnen darf - im Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum.

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