03.01.2020 - 10:58 Uhr
KemnathOberpfalz

Was macht ein Imker im Winter?

Herrscherin über 17 Völker mit einer halben Millionen Einwohner. Das ist Andrea Stauber. Die 49-Jährige ist seit sieben Jahren Hobbyimkerin. Auf ihre Bienen sieht sie schwere Zeiten zukommen.

Die Bienen von Andrea Stauber überwintern in ihrem Bienenstock. Trotzdem muss die Imkerin regelmäßig nach den Tieren schauen.
von Katrin Zapf (kaz)Profil

Es ist ein schöner Winternachmittag. Gut zwölf Grad sind es in der Sonne, die immer wieder durch die Fichten funkelt. Nicht nur die Menschen lockt es ins Freie, auch die Bienen von Andrea Stauber wagen sich nach draußen. Beste Voraussetzungen also um die Bienenkästen zu präparieren, nach den Vorräten zu sehen und die Bienen gegen Schädlinge zu behandeln.In einem weißen Imkeranzug gehüllt, geht die 49-jährige Verwaltungsangestellte auf ihre Bienenkästen zu. Dort ist einiges los. "Die Bienen fliegen heute nicht, um Nahrung zu suchen, sondern um vor dem Winter noch noch einmal abzukoten." Bienen überwintern als Volk in ihrem Kasten. Dort formieren sie sich zu einer Traube. "Wasser lassen" müssen die Tierchen erst wieder, wenn es über zehn Grad hat. 

Das Zusammenspiel der Natur mit den Bienen fasziniert Stauber seit ihrer Kindheit. In der Imkerschule Aschach belegte sie vor sieben Jahren einen Anfängerkurs. Über den örtlichen Imkerverein erhielt sie im gleichen Jahr zwei Völker und einen Paten zur Seite gestellt. Ein Pate unterstützt die Jungimker bei allen Fragen und ist auch bei den ersten Honigernten dabei. Wieder ein Jahr später folgte der Honigkurs. Nur wer an diesem teilnimmt, darf eigenen Honig verkaufen. Für 2020  hat sich Stauber für einen Kurs zur Königinnenzucht angemeldet.

Sanftmütig und fleißig

In einem Waldstück zwischen Kemnath und Waldeck leben fünf ihrer 17 Bienenvölker. Stauber hält Carnica-Bienen. "Diese sind sanftmütig und fleißig und stammen ursprünglich aus Österreich." Die Carnica hat eine graue bis leicht bräunliche Behaarung und hat wie die meisten Bienen einen gelb-schwarzen Hinterleib. 

Auch im Winter gibt es für die Imkerin einiges zu tun. "Heute bringe ich vor den Fluglöchern Mäusegitter an." Die Spitzmäuse suchen in den duftenden und warmen Bienenkästen ein Winterquartier. Dabei besteht für beide Seiten Gefahr. Für die Bienen ist die Maus ein Eindringling, den sie meistens zu Tode stechen. Damit sich durch den verwesenden Kadaver keine Keime und Krankheiten im Stock verbreiten, mumifizieren ihn die Bienen mit einem Wachs-Propolis-Gemisch. Propolis ist ein harziger Stoff, den die Bienen aus gesammelten Materialien und Speichel herstellen.

"Jetzt sehe ich nach, wie es um die Wintervorräte steht."

Vorsichtig klappt Stauber den Deckel eines Bienenkastens auf. Die Bienen krabbeln ruhig zwischen den Wabenrähmchen umher und ein angenehmer Wachs-Honig-Duft steigt auf. "Die Tiere kennen mich und bemerken, wenn ich ein anderes Duschbad oder Deo verwendet habe, dann schwirren sie wild um mich herum."

Vorsichtig zieht die Imkerin eine hölzerne Zarge aus dem Kasten. Das 40 Zentimeter lange und 20 Zentimeter breite Rähmchen ist fast komplett mit gefüllten Waben bestückt. "Hier passt alles, dieses Volk hat gut vorgesorgt."

Im weißen Schutzanzug kontrolliert Andrea Stauber ihre Bienenkästen.

Winterbehandlung gegen Milbe

An diesem Tag kontrolliert Stauber nicht nur die Speisekammer der Bienen, sondern behandelt die Insekten auch gegen die Varroamilbe. Aus dem Auto holt sie eine Spritze, die mit Oxalsäure gefüllt ist. Diese träufelt sie zwischen die einzelnen Rähmchen. Die Tiere nehmen die Säure auf, was zu einer Übersäuerung des Stoffwechsels führt. Die Bienen vertragen das in Grenzen. Die Varroamilbe aber verträgt den übersäuerten Bienenkörper nicht und verlässt den Wirt. Im Unterboden des Bienenhauses befindet sich eine Schublade. Dort fallen die toten Varroas hinein.

Die Spritze ist leer. Sorgfältig verschließt Andrea den Bienenkasten. "Im Frühling muss ich mit Ameisensäure weiterbehandeln." Seit vierzig Jahren wird so gegen den Parasiten vorgegangen, auch mit negativen Folgen: Über die letzten Jahrzehnte wurden dadurch resistente Milben gezüchtet. Der Varroa macht die Ameisensäure immer weniger aus. Für die Bienen ist die Behandlung mit Stress verbunden. Häufig stirbt dabei die Königin. "Passiert das, geht das Volk zugrunde", sagt Stauber. Die Varroa ist für europäische Bienen also nicht das einzige Problem. Stauber befürchtet auch Angriffe der Asiatische Hornisse und die Einwanderung des Kleinen Beutenkäfers aus Italien.

Bunter Garten

Bienen zu halten ist für Stauber der persönliche Beitrag zum Artenschutz. In ihrem Garten geht es bunt zu: Lavendel, Salbei, Rosmarin und Pfefferminze bieten Nahrung für Mensch und Tier. "Meine Sträucher schneide ich im Herbst und nicht vor der Blüte im Frühjahr zurück." Dieses Vorgehen empfiehlt sie auch Städten und Gemeinden. "Die häufig in Böschungen wachsende Weide ist die erste Futterstation für Bienen im Frühling."

Jeder Gartenbesitzer kann zudem in seinem Garten etwas tun. Alte Obst- und ungefüllte Pflanzensorten seien extrem wichtig. Glockenblumen, Phacelia oder Margeriten spenden dem Garten Farbtupfer und den Bienen Nahrung. Auch empfiehlt Stauber, öfter auf das Rasenmähen zu verzichten und  wilde Ecken im Garten anzulegen. "Von einem perfekten Rasen kann sich kein Insekt ernähren."  

Traum vom Waldhonig

Während sie die Futterrähmchen in einem weiteren Bienenkasten kontrolliert, träumt Stauber von einem Waldhonigjahr. Für diesen Wunsch müssen viele Faktoren zusammenspielen. Von Ende Juli bis September wird die Spättracht aus Honigtau geerntet. Das ist eine süße Masse, die die Fichtenlaus ausscheidet. Die Bienen sammeln diese auf. "Darauf sind sie ganz wild", erzählt Stauber. Regnet es aber häufig und stark, werden Laus und Honigtau von den Bäumen gespült und der Traum vom Waldhonig ist vorbei.

Stauber klatscht in die Hände. "So, fertig für heute." Im Frühling wird sich zeigen, ob alle Völker überlebt haben. Auf den Moment, wenn es im Garten wieder summt und surrt, freut sich die Imkerin jetzt schon. Vor allem die Drohnen, die männlichen Bienen, haben es ihr angetan. "Das sind meine Rosinenbomber", schwärmt sie. 

Varroa:

Die Varroa ernährt sich von Blut und anderen Körperflüssigkeiten der Biene und ihrer Larven. Sie kann sich an den erwachsenen Arbeiterinnen festsaugen. Ist die Milbe erst einmal in Stock, krabbelt sie zu den Brutwaben und nistet sich dort ein. Ist die Wabe verschlossen, legt sie dort zwei Eier ab. Die Bienenlarve entwickelt sich zwar, durch die übertragenen Viren der Milbe ist sie aber sehr anfällig für Krankheiten oder schlüpft mit Verstümmelungen. „Die Varroa ist nicht dumm”, erklärt Stauber, „sie versteckt sich auf den Bienen an den Stellen, die beim gegenseitigen Putzen nicht abgesucht werden”.

Neue Feinde:

Durch den weltweiten Handel ist die Asiatische Hornisse in Deutschland angekommen. In diesem Jahr fand ein Imker in Hessen die aus Südostasien stammende Art. Sie ist bis auf den Hinterleib schwarz und ein bisschen größer als die heimische Hornisse. Bis zu 40 Bienen und Wespen kann eine Hornisse in der Minute töten. Zudem wird vermutet, dass der „Kleine Beutenkäfer” aus Italien die Alpen überqueren wird. Unentwegt fressen sich dessen Larven durch Honig-, Pollen- und Brutwaben und zerstören damit nicht nur den ganzen Bienenstock, sondern verderben auch den Honig – dieser wird verschmutzt, fängt an zu gären und wird für Menschen und Bienen ungenießbar.

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