Kemnath
12.11.2018 - 17:10 Uhr

Mahnung an den Frieden

Alle Bürgermeister in der Region bereiten sich individuell auf den Volkstrauertag vor. Wie sie das machen, erzählen sie bei einer Umfrage.

Immenreuths zweiter Bürgermeister Josef Hecht hält dieses Jahr wieder die Rede zum Volkstrauertag. Bild: bkr
Immenreuths zweiter Bürgermeister Josef Hecht hält dieses Jahr wieder die Rede zum Volkstrauertag.

Seit 1952 begehen die Deutschen jeden zweiten Sonntag vor dem ersten Advent den Volkstrauertag. Sinn ist es, den Opfern und Kriegstoten der beiden Weltkriege zu gedenken. Viele Bürgermeister nutzen den Feiertag darüber hinaus, um in ihren Reden den Bogen von der Vergangenheit bis in die Gegenwart zu spannen.

Für die Stadt Kemnath und die dazugehörigen Gemeindegebiete übernimmt diese Aufgabe Bürgermeister Werner Nickl. Für ihn ist der Gedenktag eine Mahnung zum Frieden. Er hält die Reden bei vier Gedenkfeiern. Zwei waren bereits am vergangenen Sonntag in Schönreuth und Oberndorf. Zwei weitere folgen eine Woche später in der Stadt Kemnath und in Waldeck. Seine Reden schreibt der Bürgermeister individuell, ab und an enthalten sie auch eine persönliche Note: "Mein Vater war selbst im Krieg und wurde schwer verwundet", erzählt er.

Nichts gelernt

Um sich vorzubereiten, macht sich Nickl im Vorfeld immer eine kleine Liste mit Anmerkungen. Sein Aufhänger wird das Ende des Ersten Weltkriegs sein, das sich heuer zum hundertsten Mal jährt. Nickl betont: "Schon 20 Jahre nach 1918 hat man nichts aus den Erfahrungen gelernt. Auch für heute kann man daraus Lehren ziehen." Seine Reden schreibt er nicht im Rathaus, sondern zu Hause in seinem Büro: "Dort kann ich mich besser sammeln."

In Immenreuth übernimmt die Rede zum zweiten Mal Josef Hecht. Er bevorzugt es, sich kurz zu fassen: "Ich will es auf den Kern bringen." Anregungen holt sich der zweite Bürgermeister im Internet und versucht sich an christlichen Werten zu orientieren. "Am Ende bete ich mit allen Besuchern ein 'Vater Unser'." Ihm ist es wichtig, auch auf aktuelle Gegebenheiten hinzuweisen: "Heute geschieht viel Unrecht. So sind viele Menschen wegen Krieg auf der Flucht."

Manfred Porsch bekleidet seit 22 Jahren das Bürgermeisteramt in Speichersdorf. In seinem Gemeindegebiet gibt es sechs Gedenkveranstaltungen. Vier Reden hält der Bürgermeister selbst: "Natürlich kann man das Rad nicht immer neu erfinden, aber ich versuche zu variieren." So möchte er nicht nur der Toten der Weltkriege gedenken, sondern auch den Opfern von Terroranschlägen. Sich auf den Tag vorzubereiten, ist für Porsch eine Pflicht: "Der Gedenktag ist Teil unserer Kultur."

Bürgermeister Peter König in Neusorg hält nichts von Musterreden. "Lieber verwende ich eigene Worte." Dafür liest er sich vorher in die passende Literatur ein, googelt und schreibt seine Rede in Ruhe zu Hause auf. In Neusorg gibt es drei Veranstaltungen zum Volkstrauertag. Am Samstag in Riglasreuth, am Sonntag in Neusorg und Schwarzenreuth. "Es ist nicht einfach, aber ich versuche bei allen Reden zu variieren." König weiß, dass häufig über den Sinn des Volkstrauertags diskutiert wird. "Oft heißt es: Braucht es das noch?." Der Bürgermeister meint, dass der Feiertag sich mehr lohnt, denn je. "Auf der Welt gibt es keine kriegsfreie Zeit. Das muss man sich immer wieder bewusstmachen."

Zu wenig geschätzt

In Erbendorf gibt es drei Gedenkfeiern. "Die große Feier mit Fackelzug, Musik und Vereinen ist am Samstagabend in der Stadt", erklärt Bürgermeister Hans Donko. Er selbst hält keine Rede. "Das überlasse ich den Geistlichen bei uns." So gibt es in Erbendorf jeweils eine Rede von katholischer und evangelischer Seite. "Da gebe ich als Bürgermeister dann nicht auch noch meinen Senf dazu", meint er. Für ihn hat der Feiertag einen hohen Stellwert. Dennoch weiß Donko, dass das bei einem Großteil der Bevölkerung heute nicht mehr so ist. "Wir leben in einer langen Zeit des Friedens. Genau dafür steht der Gedenktag."

"Die Feier in Kulmain ist am Samstag nach der Abendmesse", sagt Bürgermeister Günter Kopp. Er lässt in seine Rede den europäischen Gedanken einfließen: "Frieden und Meinungsfreiheit sind wichtige demokratische Kräfte, die hart erkämpft wurden." Da er nicht immer die gleiche Rede halten will, geht er auch auf aktuelle Ereignisse ein: "Ich schreibe immer, was mir einfällt und verbinde das mit den beiden Weltkriegen."

In der Bevölkerung werde der Gedenktag, das nicht mehr geschätzt. "Jedes Jahr entfernen sich mehr Menschen. Viele Leute wollen Wohlstand, aber auch das muss erarbeitet werden", bemerkt er. "Wenn man das Chaos der beiden Weltkriege sieht, will man nicht, dass sich das wiederholt."

Bürgermeister Hans Donko lässt die Geistlichen am Volkstrauertag in Erbendorf sprechen. Bild: njn
Bürgermeister Hans Donko lässt die Geistlichen am Volkstrauertag in Erbendorf sprechen.
Seit 80 Jahren erinnert der nachdenkliche Soldat im Wachanzug an die Opfer von Kriegen. Im September 1930 wurde das Kriegerdenkmal aus Granit in Erbendorf errichtet. Bild: njn
Seit 80 Jahren erinnert der nachdenkliche Soldat im Wachanzug an die Opfer von Kriegen. Im September 1930 wurde das Kriegerdenkmal aus Granit in Erbendorf errichtet.
Volkstrauertag:

Initiiert wurde der Volkstrauertag durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum Gedenken an die Toten des Ersten Weltkrieges. Die erste Feier war 1922 im Deutschen Reichstag. 1934 bestimmten die Nationalsozialisten den Volkstrauertag zum Staatsfeiertag. Nach Gründung der BRD wurde der Volkstrauertag erneut vom Volksbund eingeführt. Der Feiertag ist zu einem Tag der Trauer aber auch zu einem Tag der Mahnung zu Versöhnung, Verständigung und Frieden geworden. (lue)

 
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