Acht Uhr morgens in Guttenberg am Flurbereinigungsdenkmal. Nach Kemnath, Atzmannsberg, Kastl, Köglitz, Waldeck und Schönreuth ist Guttenberg heute die letzte Station des Stadtgärtners Florian Frank. Sein Plan: die Anlage eines Blühstreifens im Ortskern. Mit der Fräse hat er die Fläche, ein Areal von ungefähr vier mal zwei Meter bereits bearbeitet, jetzt ist er gerade mit dem Rechen zugange, um größere Steine zu entfernen und den Boden zu planieren.
Natürlich habe das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ zu einer Zunahme von Blühstreifen geführt, so die Einschätzung des 37-jährigen Gärtners, der seit fünfzehn Jahren im Auftrag der Stadt unterwegs ist. Und fast immer gäbe es bei deren Anlage wertvolle Unterstützung von Landwirten oder anderen Dorfbewohnern. Doch auch wirtschaftliche Überlegungen spielten dabei eine Rolle. Normalerweise würden öffentliche Flächen innerorts von den Anliegern oder der Grünabteilung vom Städtischen Bauhof gepflegt. Ungefähr siebenmal pro Jahr müsse das jeweilige Areal mit einem Rasenmäher bearbeitet werden. „Das ist aufwändig“, sagt Frank. Da sei ein Blühstreifen in der Pflege natürlich viel bequemer.
Denn ist die Fläche angesät, so bleibt die Wiese normalerweise mindestens bis zum Herbst unangetastet. Erst dann wird gemäht. „Noch besser wäre es natürlich, das Ganze bis zum Frühling stehen zu lassen“, erklärt Frank. Dann würde der Streifen nämlich vielen Insekten als Winterquartier dienen und die Samenstände wären auch für Vögel ideal. Beim Thema Rückzugs- und Nahrungsbiotop gerät der Naturliebhaber ins Schwärmen: denn es sei „schon Wahnsinn, was in den höheren Bereichen der Wiese für Leben ist“, sagt der Stadtgärtner. Und: „Da summt und brummt es. Zum Beispiel in Kemnath, in der Wunsiedler Straße, da wo das Dreieck ist zur Brückengasse ist: da ist einfach Leben. Hat man dagegen einen kurzen Rasen, dann ist da nichts“.
Seit letztem Jahr testet Frank auf öffentlichen Flächen ein neues Mahdsystem, das sogenannte Drei-Schnitt-System. Hier wird zeitversetzt jeweils nur etwa ein Drittel aller Flächen gemäht. Sozusagen im Rotationsverfahren. Damit gebe es immer Areale, die „frisch gemäht“ sind, aber auch solche, auf denen gerade Kräuter und Blumen blühen und sich aussamen können. Bisher funktioniere das System recht gut, sagt Frank, legt jetzt den Rechen zur Seite und holt sich die halbvolle Saatschüssel vom Pritschenwagen.
Auf den ersten Blick ist in der ovalförmigen Streuwanne nur Sand zu sehen. Erst bei näherem Hinsehen entdeckt man Samen. Einige größere, wie Sonnenblumen oder Wicken, aber auch ganz viele sehr kleine. Zum Beispiel Goldmohn, Klatschmohn oder Kornblume. Wichtig sei es, vor der Aussaat zu berechnen, wieviel Saatgut man für die Fläche benötigt. Bei der vorliegenden Mischung werden zum Beispiel 7 g/m² empfohlen. Für das Auge sei das sehr wenig. „Ich mische diese kleine Menge Saatgut einfach mit Sand. Zum Beispiel aus dem Sandkasten, das ist das einfachste“, sagt Florian Frank, nimmt die Saatschüssel, wirft sich den dazugehörigen Gurt über die Schulter, fasst in die Schale, marschiert in gerader Linie über den Streifen und verteilt routiniert das Saatgut auf der offenen Fläche. Fast so wie früher die Bauern, als es noch keine Sämaschine gab.
Für Blühstreifen im Innenbereich der Dörfer wird überwiegend einjähriges Saatgut verwendet. Zum Beispiel die Karpfenwegmischung oder eine andere einjährige Bienenweide. „Die Leute gewinnt man mit der einjährigen Saatmischung“, lacht der Stadtgärtner. „Weil sie sehr auffällig blüht“. Aber seien die Menschen erst mal sensibilisiert in Sachen Blühflächen und Artenvielfalt, könne man sich auch an die Mehrjährigen wagen. Diese seien zwar nicht so spektakulär beim Blühen, wären aber auch ein Blickfang und ökologisch sehr wertvoll. Und dann erzählt er von der mehrjährigen Saatmischung „Sommerzauber“, die er und sein Team bereits vor zehn Jahren beim Ärztehaus ausgebracht haben. Und davon, dass auf dieser Fläche noch heute Kräuter wie zum Beispiel die Wilde Möhre oder der Wiesen-Salbei zu finden sind.
Inzwischen hat Frank für den letzten Arbeitsgang die Walze vom Transporter geholt und schiebt sie mehrmals über die offene Fläche, um den Bodenschluss des Saatguts und damit die Wasserversorgung für die Keimung und Entwicklung sicher zu stellen. So, fertig. Jetzt muss es eigentlich nur noch regnen. Der Stadtgärtner blickt skeptisch nach oben: Blauer Himmel, Sonnenschein. Es sieht nicht nach Regen aus. Aber darum kann sich Florian Frank nicht auch noch kümmern. „Ich mach dann mal weiter“, sagt er und beginnt, seine Geräte wieder auf den Hänger zu laden. Schaut fast so aus, als ob die Sache mit dem Regen an den Guttenbergern hängen bleiben würde.

















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