10.06.2020 - 09:50 Uhr
KemnathOberpfalz

Neuer Glanz für Brückenheiligen

Wer kennt sie nicht, die große Nepomuk-Statue in Kemnath zwischen dem Kirchturm und dem Cammerloher Platz? Über den Heiligen gibt es viele Geschichten. Die Figur in Kemnath erhält bald eine Auffrischung.

Bald wird die Nepomuk-Statue in Kemnath in neuem Glanz erstrahlen.
von Josef ZaglmannProfil

Der heilige Nepomuk wird hier als kurzbärtiger Kleriker mit einem Kreuz in der Hand dargestellt. Sein Heiligenschein weist allerdings nicht wie sonst üblich fünf, sondern sechs Sterne auf. Er trägt eine halblange Stola aus Pelz (nicht Hermelin) mit rotem Futter, einer Kordel am Kragen und ein schwarzes Birett als Kopfbedeckung.

Das weiße Chorhemd mit dem gelben Kragen und den Ärmelbündchen hat einen ornamentierten Saumabschluss. Der Unterrock ist anthrazitfarben gefasst. Als Zeichen des Märtyrers trägt die Figur einen stilisierten Palmzweig unter dem linken Arm.

1755 eingeweiht

Seit langem hat sich die Stadt Kemnath die Sanierung dieser über drei Meter hohen Nepomuk-Statue zum Ziel gesetzt. Sie ist im Bayerischen Denkmalatlas eingetragen. 1755 wurde sie vom damaligen Stadtpfarrer Rupprecht eingeweiht. 1854 erfolgte die erste Renovierung. Nachdem die Stadt Kemnath das Grundstück, auf der die Statue steht, erworben hatte, wurde 2019 der Grünbewuchs entfernt.

Mit der Sanierung wurde die Firma Doreth aus Neustadt am Kulm beauftragt. Inhaber Georg Doreth arbeitet seit über 40 Jahren in der Denkmalpflege. 1985 legte er die Prüfung als Meister und Techniker im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk ab. Seit 1985 ist er als selbstständiger Unternehmer in der Restaurierung und Natursteinbranche tätig. Die Sanierung wurde möglich, weil sich der Kemnather Ehrenbürger Max Ponnath an den Kosten beteiligt.

Um einige Meter versetzt

Nicht nur in Kemnath, auch in der ganzen Region gibt es mehrere Nepomuk-Statuen. Die Pfarrkirche in Waldeck ist dem heiligen Nepomuk geweiht. An der Bundesstraße 22 vor Schönreuth steht eine Nepomuk-Kapelle. Die aus einer Rundbogennische bestehende Wegkapelle wurde laut der überdachten Postament-Inschrift der Johann-Nepomuk-Figur 1754 von der damaligen Gutsbesitzerin Ludmilla von Schirnding gestiftet. Wegen der Verschmutzung von der Bundesstraße her und wegen des neu angelegten Radweges von Kemnath nach Waldeck wurde die Statue 2010 um einige Meter versetzt. Die Kosten für das Umsetzen, Restaurieren und Fassen hat damals ebenfalls Max Ponnath übernommen.

Wer war dieser Heilige? Johannes (von) Nepomuk oder Johannes von Pomuk wurde um 1350 in Pomuk bei Pilsen geboren. Er war ein böhmischer Priester und Märtyrer. 1729 wurde er von Papst Benedikt XIII. heiliggesprochen. Die Jesuiten erhoben ihn 1732 zu ihrem zweiten Ordenspatron.

Der Legende nach, die zu seiner späteren Heiligsprechung führte, entsprang sein Streit mit dem König Wenzel seiner Weigerung, das Beichtgeheimnis zu brechen. Demnach habe der Priester dem König nicht preisgeben wollen, was dessen der Untreue verdächtigte Frau Königin Johanna ihm anvertraut hatte. Der König bezichtigte sie nämlich des Ehebruchs und versuchte, von Johannes Beichtgeheimnisse seiner Frau zu erpressen. Als Johannes Nepomuk auf das Beichtgeheimnis verwies und standhaft blieb, ließ Wenzel ihn foltern und in Prag von der Karlsbrücke in die Moldau stoßen.

Grab als Pilgerstätte

Die Leiche des im Wasser Treibenden soll der Legende nach von fünf Flammen als hell glänzende Wunderzeichen umsäumt gewesen sein. Deshalb wird Johannes Nepomuk oft mit fünf Sternen um sein Haupt abgebildet und als Brückenheiliger verehrt. Nach einer anderen Legende trocknete die Moldau aus und der Leib des Toten konnte auf diese Weise aufgefunden werden.

Tatsächlich wurde der ans Ufer gespülte Leichnam zuerst in der Heilig-Kreuz-Kirche bestattet. 1396 ließ ihn der Nachfolger des Erzbischofs in den Prager Veitsdom überführen. Sein Grab wurde zum Ziel vieler Pilger.

Viele Legenden

Das Andenken an den getöteten Priester wurde in Prag gepflegt, und schon kurze Zeit später entstanden Legenden und Wunderberichte. Im Heiligsprechungsprozess wurde 1719 das Grab im Veitsdom untersucht, wobei ein durch äußere Verletzungen gezeichnetes Skelett mit einer unversehrten Zunge gefunden worden sein soll.

Seit Jahrhunderten gilt Nepomuk als Brückenheiliger und Schutzpatron der Beichtväter, Schiffer, Flößer und Müller. Seine Hilfe wird erbeten bei Wasser- und Reisegefahren, Zungenleiden sowie gegen Verleumdung und Gefährdungen der Ehre und Diskretion und als Helfer für Verschwiegenheit.

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