21.07.2019 - 15:34 Uhr
KemnathOberpfalz

Saturdays for future

Wie jedermann gegen den Klimawandel etwas machen könne, hat Harald Lesch den Zuhörern seines Vortrags in Kemnath eindrucksvoll vermittelt. Er zeigte auf, warum wir alle es in der Hand hätten, wie es mit der Erde weiter geht.

von PMLProfil

Regelmäßige Fernsehsendungen, Auftritte in Talkshows, ein eigener Youtube-Kanal mit Hunderttausenden, die jedes Video ansehen, kommentieren, liken und teilen, viele gewonnene Preise und Auszeichnungen: Professor Dr. Harald Lesch ist in der deutschen Wissenschaftswelt eine der bekanntesten und wohl eine der beliebtesten Persönlichkeiten. Der Grund für seine Popularität dürfte in seiner ruhigen und eingängigen Art liegen, mit der der Astrophysiker und Naturphilosoph auch die kompliziertesten Fakten und Phänomene für jeden verständlich erklären kann.

So auch am Samstagabend in der Mehrzweckhalle Kemnath. Die Bürger-Energiegenossenschaft West eG und die Neue Energien West eG (NEW eG) hatten den "Rockstar der Wissenschaft" zu einem Vortrag eingeladen. Mit diesem Ereignis wird das zehnjährige Jubiläum der Genossenschaften gefeiert.

„Das Gewissen unserer Wissenschaft“, wie NEW-Vorstand Wolfgang Haberberger den Redner des Abends vorstellt, steht ab kurz nach 19 Uhr ganz lässig in Jeans und blauem Hemd auf die Bühne. Lesch nimmt die über 1000 Zuhörer mit auf eine Erkenntnisreise, die unter dem Titel „Sind Mensch und Schöpfung noch im Einklang?“ steht. Dabei präsentiert er ganz ohne große Showeffekte, nur mit Bildern, Grafiken, gekonnt eingesetzten Anekdoten und seinen eindrücklichen Erklärungen die aktuellen Entwicklungen und großen Gefahren der globalen Erwärmung. „Wir reden über einen Notfall“, beschreibt er seinen Ansatz zum Vortrag. Was auf unserem Planeten passiere, sei ein Notfall, der ruhiges, aber schnelles Handeln und große Anstrengungen aller erfordere, um ihn zu retten.

Die Hitzewellen dieses und der vergangenen Jahre, tauender Permafrostboden und seine Auswirkungen, Abholzung der Regenwälder und der zunehmende Pkw- und Lkw-Verkehr auf Basis von Verbrennungsmotoren sind nur ein paar der Themen, die innerhalb gut einer Stunde behandelt werden. Dabei vergisst der Professor aber nicht, die jeweiligen Hintergründe und die wahrscheinlichen Konsequenzen zu erklären.

Lesch hebt aber nicht nur den Finger, um zu mahnen und aufzuzeigen, er legt ihn auch direkt in die Wunde. Jeder einzelne sei gefordert, etwas zu unternehmen. Das eigene Verhalten habe zwar nur einen kleinen, aber doch realen Einfluss auf globale Entwicklungen. Ein Auto mit weniger PS, öfter das Fahrrad nehmen, sich an einer Genossenschaft beteiligen und auf gesunde und biologisch angebaute Nahrungsmittel zu achten, sind einige der Tipps, die er den Zuhörern mit auf den Weg gibt.

Nach dem eigentlichen Vortrag nimmt sich der Wissenschaftler noch Zeit für Fragen und Diskussionen zum Thema. Er geht auf Anregungen ein, erklärt weitere Hintergründe, scheut sich aber auch nicht, deutlich und entschieden zu widersprechen, wenn es nötig ist. Auf die Frage, ob man das Raum-Schiff Erde mit der Titanic vergleichen könne, hat Lesch eine Antwort, die für viel Beifall sorgt: „Ein paar Bolzen sind schon gebrochen, aber ich hoffe, dass die Steuermänner das Ruder noch herumreißen und den Eisberg nicht voll rammen.“

Dass Lesch nicht nur gut erklären kann, sondern seinen Worten auch Taten folgen, wird deutlich, als Wolfgang Haberberger verkündet, dass Lesch auf seine Gage verzichte und diese an die Organisation „Meals4Hope“ gespendet werde. Zusätzlich möchte die NEW eG auch noch einen vierstelligen Betrag für den gleichen Zweck beisteuern. Nach zwei Stunden sind der Vortrag und die Diskussionsrunde beendet und die Gäste können die fast tropisch aufgeheizte Mehrzweckhalle verlassen und in einen etwas kühleren Sommerabend hinaustreten.

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