19.09.2019 - 12:16 Uhr
KemnathOberpfalz

Die Schattenseite der Mode

Das Gesellenhaus glich einem Kino. Doch kein Blockbuster lockte die Besuchern in Kemnath an, sondern das Thema faire und gerechte Herstellung von Kleidungsstücken.

Alfred Kick von der Steuerungsgruppe und Susanne Schiller vom Stadtmarketing freuten sich mit Marina Malter (von links) über das große Interesse.
von Katrin Zapf (kaz)Profil
Alfred Kick (hinten links) begrüßte die Zuhörer und Referentin Marina Malter (hinten rechts).
Susanne Schiller (links) bedankte sich im Namen der Stadt Kemnath bei Marina Malter.

Zum Filmabend über "den wahren Preis" von Kleidungsstücken hatten die Fairtrade Steuerungsgruppe, Katholischer Frauenbund, Kolpingsfamilie und Familienzentrum Mittendrin eingeladen. Im vollbesetzten Saal stellte Alfred Kick Referentin Marina Malter vor. Sie ist Projektmanagerin für kommunale nachhaltige Beschaffung bei der Entwicklungsagentur "Faire Metropolregion Nürnberg". Kick wünschte sich und den Zuhörern, dass "der Abend gut wird und wir etwas in unserem Alltag umsetzten können".

Laut Malter erstreckt sich die "Faire Metropolregion Nürnberg" von Treuchtlingen bis nach Hof. Zu ihren Aufgaben zählt die Beratung und Unterstützung von Kommunen, die sich als Fairtrade-Stadt auszeichnen lassen möchten oder dies bereits sind. Das sind inzwischen 59 Städte. Zudem organisiert sie Ausstellungen und referiert auf Veranstaltungen.

Der Dokumentationsfilm "The True Cost - Der wahre Preis der Mode" von Andrew Morgan sorgte für eine gedrückte Stimmung. Er hat 2015 den Weg, den die Kleidung macht, bevor sie zu uns ins Geschäft kommt, verfolgt. Wenn ein Pullover oder eine Hose für zehn Euro oder ein Hemd für fünf Euro angeboten werden, ist die westliche Gesellschaft begeistert, wie billig die neueste Mode zu haben ist. Doch laut Morgan müssen die Kosten für unsere Kleidung andere bezahlen. Diese Tatsache werde verdräng. Schon für die Produktion von Baumwolle, die riesige Mengen Wasser benötigt, müssten Menschen vor Ort verdursten. Näherinnen in Bangladesch arbeiteten unter unmenschlichen Bedingungen für einen "Mindestlohn", der in keinster Weise zum Überleben reiche. Die Ausbeutung von Mensch und Natur, die hinter den Preisen steckt, sei erschreckend. Gewinn machten nur die großen Konzerne, die Produzenten mit niedrigen Herstellungspreisen unter Druck setzten.

Noch vor gut 20 Jahren erschienen zwei Modekollektionen pro Jahr. Inzwischen sind es 12 bis 15. Die Unternehmensstrategie "Fast Fashion" ("schnelle Mode") möchte möglichst viele Kunden häufig in die Läden ziehen und dadurch mehr verkaufen. Das Kaufverhalten der westlichen Welt hat sich dadurch in den letzten 40 Jahren rapide verändert. Im Durchschnitt besitzt man viermal mehr Kleidung als 1980, gut 20 Kleidungsstücke hängen ungetragen im Kleiderschrank.

Die anschließende Diskussionsrunde mit Malter kam zum Ergebnis, dass jeder sein Kaufverhalten auf den Prüfstand stellen sollte. Wir sollten Anfangen, "Gebrauchsgegenstände wie Kleidung nicht als Verbrauchsgegenstand zu sehen", meinte die Referentin. Dem staatlichen Gütesiegel "Grüner Knopf" steht sie noch kritisch gegenüber. Größtes Manko: Die Teilnahme sei für Konzerne freiwillig. Sie meldeten ihre Produkte zur Prüfung an, dann werde kontrolliert, ob die Herstellung nach gewissen Richtlinien wie sozialen Standards mit gerechten Löhnen und humanen Arbeitsbedingungen erfolgt. Was allerdings ein "gerechter Lohn" in Herstellerländern sei, versucht man in den nächsten zwei Jahren herauszufinden. Das Gütesiegel habe also noch Entwicklungspotenzial.

Zum Abschluss dankten Susanne Schiller vom Stadtmarketing und Alfred Kick Malter für die Informationen. Die Präsentation mit den Links zu fairen Geschäften in der Metropolregion will die Referentin der Stadt zukommen lassen.

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